Zeitlimit am Schwebebalken
Auch: 90-Sekunden-Regel · Übungszeit am Balken
Vorgabe, dass eine Balkenübung höchstens 90 Sekunden dauern darf, überwacht von einer eigenen Zeitnahme.
Am Schwebebalken läuft die Uhr mit. Die Sportlerin hat maximal 90 Sekunden Zeit, auf dem schmalen Grat ihr Bestes zu geben. [4] Diese Vorgabe unterscheidet den Balken von den meisten anderen Geräten, an denen keine feste Übungsdauer gilt. [4] Der Grund liegt in der Natur des Gerätes: Ohne Zeitlimit könnte eine Turnerin zwischen den Elementen beliebig lange nach dem Gleichgewicht suchen. [1] Die Zeit zwingt zum Weiterturnen. [4]
Der Beginn
Schon vor der Übung gibt es eine Frist. Die Turnerin muss an allen Geräten die Übung innerhalb von 30 Sekunden nach dem entsprechenden Signal beginnen, also nach dem Aufleuchten des grünen Lichts oder der Gerätefreigabe durch ein Zeichen der Kampfrichterin mit grüner Fahne oder Handheben. [3] Wer diese Frist verstreichen lässt, wird bestraft, noch bevor die eigentliche Übung begonnen hat. [3] Danach läuft die Übungszeit. [4] Erst danach beginnt die eigentliche Bewertung der Übung. [3]
Die Karenzzeit
Nach einem Sturz steht die Uhr nicht still, aber es gibt eine Erholungsfrist. Bei einem Sturz am Schwebebalken verfügt die Turnerin über eine Karenzzeit von zehn Sekunden, in der sie sich auf die Fortsetzung der Übung vorbereiten und sich mit ihrer Trainerin beraten kann. [3] Am Stufenbarren beträgt diese Frist 30 Sekunden. [3] Der Unterschied erklärt sich daraus, dass am Stufenbarren die Griffvorbereitung hinzukommt. [3]
Warum gerade 90 Sekunden
Die Zahl ist ein Kompromiss zwischen Anspruch und Belastung. Eine Balkenübung besteht aus komplexen Bewegungen mit akrobatischen Sprüngen, Drehungen und Gleichgewichtselementen, zu denen der Ausdruck der Turnerin hinzukommt. [4] All das muss in eineinhalb Minuten Platz finden. [4] Länger wäre die Konzentration auf zehn Zentimetern Breite kaum zu halten, kürzer bliebe für die geforderte Elementvielfalt zu wenig Raum. [1] Die Vorgabe zwingt damit zu einer dichten, aber nicht gehetzten Übung. [1]
Was in die Zeit muss
Der Zeitrahmen bestimmt den Aufbau der Übung. Sie beginnt mit einem Aufgang, führt über Stände, Schrittverbindungen, gymnastische Sprünge und Drehungen und endet mit einem Abgang. [1] Im Wettkampf kommen akrobatische Elemente wie Rad, Überschlag und Salto hinzu. [2] Weil jedes Halteteil zwei Sekunden gehalten werden muss, verbrauchen schon wenige Standwaagen und Handstände einen spürbaren Teil der Zeit. [2] Wer zu viele Halteteile plant, verliert am Ende Zeit für den Abgang. [1]
Die Geräteausstattung
Auch die Umgebung ist geregelt und darf während der laufenden Zeit nicht verändert werden. Die Geräteausstattung einschließlich Sprungbretter und Mattenlagen darf nicht verändert werden, es sei denn, es liegt eine Erlaubnis der Wettkampfleitung vor. [3] Für die Abgänge am Schwebebalken muss, sofern verfügbar, eine zusätzliche Landematte von zehn Zentimetern auf der ursprünglichen Landematte von 20 Zentimetern benutzt werden, insgesamt höchstens 30 Zentimeter. [3] Die zusätzliche Matte darf während der Übung nicht bewegt werden. [3]
Markierungen
Ein Detail betrifft die Orientierung auf dem Gerät. Am Schwebebalken dürfen kleine Markierungen angebracht werden, während Markierungen mit Magnesia auf der Bodenfläche nicht erlaubt sind. [3] Solche Markierungen helfen der Turnerin, ihre Position auf den fünf Metern Länge zu finden, ohne den Blick zu senken. [1] Der Blick soll ohnehin immer zum Ende des Gerätes gerichtet sein. [1] Erlaubt sind sie ausdrücklich nur am Balken, nicht am Boden. [3]
Der Zeitdruck als Teil des Sports
Für Zuschauer ist die Zeitvorgabe kaum sichtbar, für die Turnerin dagegen allgegenwärtig. Sie muss innerhalb von 90 Sekunden alle geforderten Elementgruppen zeigen, dabei jedes Halteteil ausreichend lange halten und darf sich nach einem Sturz nur zehn Sekunden Zeit nehmen. [3] Weil der Schwebebalken zugleich das Gerät mit dem höchsten Sturzrisiko ist, entscheidet die Zeitplanung mit über das Ergebnis. [4] Der Balken ist und bleibt spektakulär. [4] Für die Zuschauer bleibt er das Gerät mit der größten Spannung. [4]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Grundlegendes zum Turnen am Schwebebalken KNSU, Universität Koblenz
- Leitbilder Schwebebalken, Turn10 Schwäbischer Turnerbund
- Arbeitshilfe zum Wettkampfprogramm Kür modifiziert, Leistungsklassen 1 bis 4 Kari-Turnen, Gerätturnen weiblich
- Kunstturnen weiblich, die vier Geräte Österreichischer Fachverband für Turnen
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.