Wiederholungsverbot
Auch: Wiederholungsregel · Verbot der Elementwiederholung
Regel, dass ein Element in einer Übung nur einmal einen Schwierigkeitswert erhält.
Ein Element zählt in einer Übung nur einmal. Um den Schwierigkeitswert zu erhalten, muss jedes Element die spezifischen technischen Anforderungen erfüllen und in der beschriebenen Körperposition gezeigt werden. [1] Ein Element kann dabei nur einmal in einer Übung einen Schwierigkeitswert erhalten, und die Anerkennung erfolgt in chronologischer Reihenfolge. [1] Bei einer Wiederholung bleibt das gleiche Schwierigkeitselement in der D-Note unberücksichtigt. [1] Wer also zweimal dieselbe Riesenfelge turnt, bekommt sie einmal gewertet. [1] Das gilt auch für turnerische Elemente in der untersten Leistungsklasse. [1] Die Regel zwingt zur Vielfalt. [1] Sie ist eines der wirksamsten Instrumente gegen eintönige Übungen. [2] Zusammen mit den Elementgruppen bildet sie den Rahmen jeder Komposition. [2] Ohne sie könnte eine Übung aus einem einzigen wiederholten Element bestehen. [1]
Wann zwei Elemente gleich sind
Entscheidend ist die Elementnummer. Am Stufenbarren gelten Elemente als gleich, wenn sie unter derselben Elementnummer im Regelwerk aufgelistet sind, und zwar unabhängig davon, ob ein gesprungener Griffwechsel dabei ist. [1] Ebenso zählen Riesenumschwünge vorwärts und rückwärts mit gegrätschten oder geschlossenen Beinen und mit gebeugter oder gestreckter Hüfte als dasselbe Element. [1] Dasselbe gilt für den Sohlwellumschwung vorwärts und rückwärts sowie für Flugelemente mit gegrätschten oder geschlossenen Beinen. [1] Kleine Variationen erzeugen also kein neues Element. [1]
Am Pauschenpferd
Dort führt die Regel zu einer bekannten Falle. Weil an diesem Gerät nur zwischen 15 und 20 Elemente vorrangig genutzt werden, ist die Auswahl ohnehin klein, und Wiederholungen liegen nahe. [3] Das Symbolheft weist darauf hin, dass viele Elemente aus mehreren Einzelelementen zusammengesetzt sind und häufig schwer zu erkennen ist, wo ein Element aufhört und das nächste beginnt. [3] Die Kampfrichter schreiben deshalb simultan mit und gehen die Notizen erst am Ende durch. [3] Erst dabei zeigt sich, ob ein Element doppelt vorkam. [3]
Am Schwebebalken
Auch dort gibt es eine Wiederholungsregel. Das Leitbild verlangt bei einer zweiten Kippe an Reck und Stufenbarren ausdrücklich, dass sie nicht dieselbe Kippe sein darf wie die erste. [2] Genannt werden als Auswahl Laufkippe, Spreizkippe, Schwebekippe, Rückfallkippe, Langhangkippe, Durchschubkippe und gespreizte Pendelkippe. [2] Wer zwei Kippen zeigen will, muss also zwei verschiedene beherrschen. [2] Damit wirkt die Regel unmittelbar auf den Trainingsplan. [1]
Die chronologische Anerkennung
Bei einer Wiederholung zählt das erste Mal. Die Anerkennung erfolgt in chronologischer Reihenfolge, also in der Reihenfolge, in der die Elemente gezeigt wurden. [1] Wer ein Element zunächst unsauber und später sauber turnt, bekommt die erste, schlechtere Ausführung gewertet. [1] Für die Turnenden bedeutet das, dass ein misslungenes Element nicht durch eine Wiederholung repariert werden kann. [1] Das Regelwerk mahnt ohnehin, nur Elemente zu zeigen, die man beherrscht. [2]
Die Folgen für die D-Note
Eine Wiederholung kostet mehr als nichts. Weil in die D-Note nur die schwierigsten Elemente plus der Abgang eingehen, rückt bei einer nicht gewerteten Wiederholung ein leichteres Element nach. [1] In der höchsten Leistungsklasse zählen die sieben schwierigsten Elemente plus der Abgang, in der untersten fünf plus Abgang. [1] Fällt eines davon weg, sinkt der Schwierigkeitswert entsprechend, und das Ergebnis wird zusätzlich verdoppelt. [1] Eine Wiederholung wirkt damit doppelt. [1]
Die Grenze zur Verbindung
Nicht jede Ähnlichkeit ist eine Wiederholung. Verbindungswert kann für bestimmte Kombinationen vergeben werden, und alle Elemente, für die Bonuspunkte vergeben werden, müssen zu den zählenden Elementen gehören. [2] Zwei verschiedene Elemente unmittelbar hintereinander sind damit erwünscht, dasselbe Element zweimal dagegen wertlos. [1] Am Reck muss zudem jedes Flugelement mit Salto über die Stange in eine Riesenfelge geturnt werden, was ausdrücklich keine Wiederholung darstellt. [2]
Warum es die Regel gibt
Sie schützt die Vielseitigkeit des Sports. Ohne Wiederholungsverbot wäre es für Turnende rational, das eigene beste Element mehrfach zu zeigen und alle anderen wegzulassen. [1] Zusammen mit den Kompositionsanforderungen, die Elemente aus jeder Elementgruppe verlangen, sorgt die Regel dafür, dass eine Übung das ganze Gerät ausschöpft. [2] Das Regelwerk formuliert das für das Reck als Anspruch, die Vielfältigkeit des Gerätes zu zeigen. [2] Die Wiederholungsregel macht daraus eine überprüfbare Vorgabe. [1] Am Pauschenpferd wurden aus demselben Grund die Flopsequenzen begrenzt, die zuvor endlos aneinandergereiht wurden. [4]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Arbeitshilfe zum Wettkampfprogramm Kür modifiziert, Leistungsklassen 1 bis 4 Kari-Turnen, Gerätturnen weiblich
- Code de Pointage 2022, Reck Schwäbischer Turnerbund
- Symbolheft für das Gerätturnen der Männer Fédération Internationale de Gymnastique
- Die Entwicklung der Technik am Pauschenpferd GYMmedia International
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.