Überschlag
Auch: Überschlagen
Die volle Drehung des Körpers um die Breiten- oder Tiefenachse, die mit Handstütz als Stütz-Überschlag und ohne Stütz als Salto geturnt wird.
Der Überschlag ist die vollständige Drehung des Körpers um seine Breiten- oder Tiefenachse in vertikaler Ebene, also um 360 Grad. [1] Er kann um feste Drehachsen mit Stütz oder um freie Drehachsen während der Flugphase geturnt werden. [1] Wird in der Flugphase eine Zwischenstützphase eingebaut, also ein Abdruck mit den Händen, dem Nacken oder dem Kopf, spricht man von Stütz-Überschlägen. [1] Freie, ungestützte Überschläge heißen dagegen Salti. [1] Der Begriff umfasst damit beide großen Familien der Rotationen.
Der Wortstamm im Elementnamen
In der deutschen Turnsprache ist Überschlag der Oberbegriff und nicht der Ausnahmefall. Die Bezeichnungen Flick-Flack und Salto werden zwar beibehalten, stehen aber als Synonyme für Handstütz-Überschlag beziehungsweise für Überschlag. [2] Das Rad wird als Handstütz-Überschlag seitwärts bezeichnet, und wenn es mit zusätzlicher Drehung geturnt wird, als Handstütz-Überschlag seitwärts mit einer Vierteldrehung um die Längsachse in oder gegen die Bewegungsrichtung. [2] Auch Bogengang wird ersetzt, nämlich durch langsamer Handstütz-Überschlag rückwärts oder vorwärts mit gespreizten Beinen. [2]
Was Höhe und Weite bestimmt
Der gesamte Flug wird im Absprung festgelegt. Die erreichte Höhe und Weite ist durch den Abflugwinkel, die Abfluggeschwindigkeit und die Drehimpulsgröße bestimmt. [1] Danach lässt sich nur noch die Drehgeschwindigkeit beeinflussen, denn die Bahn des Körperschwerpunkts kann nach dem Absprung nicht mehr verändert werden. [3] Deshalb kommt dem technisch richtigen Absprungverhalten eine besondere Bedeutung zu. [3] Wer zu flach oder zu langsam abspringt, kann die Drehung in der Luft nicht mehr retten.
Die Steuerung in der Luft
In der Flugphase bleibt eine einzige Stellschraube. Die Winkelgeschwindigkeit wird durch eine Verkleinerung des Trägheitsmoments vergrößert, also durch Bücken, Hocken oder Überstreckung des Körpers, um den geforderten Drehungsumfang zu erzeugen. [1] Genau daraus ergeben sich die drei Grundformen gehockt, gebückt und gestreckt, deren Schwierigkeit in dieser Reihenfolge steigt. Wer sich klein macht, dreht schneller, wer sich streckt, dreht langsamer und braucht mehr Höhe. [1]
Woher der Schwung kommt
Überschläge beginnen nicht nur am Boden. Sie werden aus einem ein- oder beidbeinigen Absprung oder aus dem Vor- oder Rückschwung im Hang oder Stütz geturnt. [1] Damit gehören auch Abgänge von Reck, Barren und Ringen in diese Familie, obwohl sie äußerlich wenig mit einem Bodensalto gemeinsam haben. Am Barren können Abgänge aus dem Schwingen, durch den Handstand oder aus dem Außenquersitz geturnt werden. [3] Die Systematik ordnet nach Struktur und nicht nach Gerät.
Am Sprunggerät
Beim Sprung ist der Überschlag die Grundform aller anspruchsvollen Sprünge. Die Strukturübersicht führt den Handstütz-Sprung-Überschlag vorwärts, den Sprung-Überschlag vorwärts gebückt und gestreckt sowie den Sprung-Überschlag rückwärts auf und weist in Klammern jeweils die geläufigen Salto-Namen aus. [1] Nach dem Handaufsatz muss sich der Turnende vom Gerät abstemmen, wobei Handaufsetzen und Handabdrücken eine Einheit bilden. [3] Der Abdruck löst dabei die zweite Flugphase aus. [3]
Im Regelwerk
Für die Bewertung zählt vor allem, ob die Rotation vollständig ist. Weicht ein Schwungelement um mehr als fünfundvierzig Grad von der Endposition ab oder ist eine Drehung um mehr als neunzig Grad zu viel oder zu wenig gedreht, hat das Folgen für die Anerkennung. [4] Besonders am Sprung kann eine mangelnde Rotation dazu führen, dass das Element mit einem anderen Schwierigkeitswert anerkannt wird. [4] Der Überschlag ist damit ein Element, bei dem Grad und Punkte unmittelbar zusammenhängen.
Sicherheit
Kein anderer Bewegungstyp verlangt so viel Absicherung. Weil der Körper vollständig rotiert und die Landung häufig außerhalb des Blickfelds liegt, gehören Hilfestellung, weiche Landeflächen und eine methodische Reihe zusammen. Ein Zwischenstütz mit den Händen, dem Nacken oder dem Kopf macht die Rotation kontrollierbarer als der freie Überschlag, weil in der Stützphase noch Drehimpuls nachgeliefert werden kann. [1] Deshalb steht der Handstütz-Überschlag im Lernweg vor dem freien Überschlag, den die Regelwerke Salto nennen. [2] Erarbeitet wird zunächst über weichen Unterlagen, damit Fehlversuche folgenlos bleiben, und erst danach auf dem Federboden. [3]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
- Aufgabenbuch P-Übungen männlich, Terminologische Erläuterungen Bayerischer Turnerverband, Turngau Mittelfranken
- Sportskript, Grundlegende Gesichtspunkte zum Gerätturnen SC Gerätturnen Berlin
- DTB-Regelungen Gerätturnen männlich, Kürmodus 2020 Deutscher Turner-Bund
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