Grundlagen & Turnsprache

Turnelement

Auch: Element · Übungsteil · Wertteil

Die kleinste eigenständige Einheit einer Turnübung, eine normierte Bewegung mit eigener Phasenstruktur und eigenem Fachnamen.

  1. 1Vorbereitungsphase
  2. 2Hauptfunktionsphase
  3. 3Endphase
Jedes Turnelement hat eine eigene Phasenstruktur

Ein Turnelement ist eine normierte Körperübung des formgebundenen Gerätturnens, die sich durch ihre Phasenstruktur von anderen Elementen unterscheidet und selbstständig ausführbar ist. [1] Im Wettkampf ist es zugleich die kleinste eigenständige Einheit einer Kür- oder Pflichtübung, die als Wertteil gezählt wird. [1] Elemente sind damit die Bausteine, aus denen jede Übung zusammengesetzt wird.

Selbstständig ausführbar

Entscheidend ist die Eigenständigkeit. Eine Rolle vorwärts ist ein Element, das Aufstehen danach nicht. Ein Element hat einen erkennbaren Anfang, eine Hauptphase, in der die eigentliche Aktion passiert, und ein definiertes Ende. Wer eine Bewegung nicht sauber abschließen kann, hat das Element nicht geturnt, sondern nur begonnen, und genau danach richtet sich auch die Bewertung. Diese Phasenstruktur ist zugleich das Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Elementen. [1] Zwei Bewegungen, die gleich aussehen, aber unterschiedlich eingeleitet und beendet werden, sind im Turnen zwei verschiedene Elemente mit zwei verschiedenen Namen.

Jedes Element hat einen Namen

Zu jedem Element gehört eine Bezeichnung nach der Terminologie des Gerätturnens. [1] Der Name ist keine Zugabe, sondern Teil der Definition, denn er ordnet das Element einer Strukturgruppe zu und beschreibt seine Ausführung. In modernen didaktischen Modellen heißen die einzelnen Elemente auch Zielformen, die auf wenigen Kernbewegungen aufbauen. [2] Ergänzt werden sie dort um Kernelemente, die das Verhalten am Gerät beschreiben, also stützen, hängen oder greifen im Kamm- und Ristgriff, dazu die Körperhaltung und die Bewegungsform. [2] Damit lässt sich jedes Element mit wenigen Angaben vollständig charakterisieren.

Mischformen sind die Regel

Nur wenige Elemente gehören sauber zu einer einzigen Gruppe. In eine Zielform können mehrere Kernbewegungen einfließen, etwa bei der Felgrolle rückwärts, die eine Rollbewegung mit einer Felgbewegung verbindet, oder beim Salto vorwärts, der Anteile aus Absprung- und Überschlagbewegung enthält. [2] Diese Mischung erklärt, warum sich viele Elemente methodisch aus zwei Richtungen aufbauen lassen.

Statische Elemente

Neben den bewegten gibt es die statischen Elemente. Sie zielen auf ein Gleichgewicht zwischen inneren und äußeren Kräften, und nach den Wettkampfbestimmungen muss die geforderte Position mindestens zwei Sekunden gehalten werden. [2] Bekannte Beispiele sind der Winkelstütz am Boden, an den Ringen oder am Barren sowie die Schwalbe an den Ringen. [2] Wer zu früh löst, bekommt das Element nicht anerkannt.

Schwierigkeit und Wert

Elemente werden nach ihrer Schwierigkeit gestuft. Klassisch war die Einteilung in A-, B-, C- und D-Teile, die sich zwischen Frauen und Männern unterscheidet. [1] Weil die Schwierigkeiten über die Jahre gestiegen sind, ist die Skala erweitert worden, und die Schwierigkeitsnote einer Übung ist heute nach oben offen. [3] Der Wert eines Elements entscheidet damit direkt darüber, ob es in die Übung aufgenommen wird. Für die Ausführung gilt trotzdem die Gegenrechnung, denn die Ausführungsnote beginnt bei 10,00 Punkten und sinkt mit jedem Fehler. [3] Ein schwieriges Element lohnt sich also nur, wenn es sicher beherrscht wird.

Wie viele Elemente es gibt

Eine feste Zahl lässt sich nicht nennen, denn mit jedem Wettkampfzyklus kommen neue hinzu. Lehrmaterialien arbeiten deshalb mit Auswahlkatalogen, etwa einer Übersicht mit 97 nach Strukturgruppen geordneten Elementen vom Grundschwung bis zum Handstützüberschlag als Balkenabgang. [4] Für Schule und Verein reicht ein solcher Grundbestand, im Spitzenbereich umfasst das Regelwerk ein Vielfaches davon.

Vom Element zur Übung

Eine Übung entsteht, indem Elemente zu einer Folge verbunden werden, mit Angang, Mittelteil und Abgang. Dabei zählt nicht nur, welche Elemente vorkommen, sondern auch, ob sie aus verschiedenen Gruppen stammen und wie sie ineinandergreifen. Genau deshalb lohnt es sich, Elemente von Anfang an sauber zu lernen, denn ein wackeliges Element zerstört im Zweifel die ganze folgende Verbindung. Im Breitensport sind die geforderten Elemente in Pflichtprogrammen festgelegt, im Leistungsbereich stellt sich die Turnerin ihre Kür aus dem Katalog selbst zusammen. In beiden Fällen gilt dieselbe Regel: Erst das Element, dann die Übung.

Auf einen Blick

Definition
normierte Körperübung des formgebundenen Gerätturnens
Im Wettkampf
kleinste als Wertteil geführte Einheit einer Übung
Haltezeit
statische Elemente mindestens zwei Sekunden

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Turnelement Spolex, Sport A bis Z
  2. Kernmodell Technik im Gerätturnen Sportdidaktik, FHNW
  3. Kunstturnen weiblich Österreichischer Fachverband für Turnen
  4. Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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