Tau und Kletterstange
Auch: Kletterseil · Kletterstange
Hängende Seile und feste Stangen zum Klettern, Schwingen und Hangeln, deren Kletterhöhe ausdrücklich begrenzt und markiert wird.
Klettertaue und Kletterstangen gehören zur festen Ausstattung vieler Hallen und hängen meist in einer Wandnische. Empfohlen sind zweimal sechs wandversenkte Klettertaue, Kletterstangen und Gitterleitern nach Bedarf. [3] Sie sind die einzigen Geräte, an denen die gesamte Körperlast über längere Zeit von den Armen getragen wird. Damit schulen sie eine Kraftform, die kein anderes Turngerät in dieser Deutlichkeit fordert. Zugleich sind sie die Geräte mit der größten Fallhöhe im Alltag der Halle. Beides erklärt ihre strengen Regeln.
Was geprüft wird
Die Prüfliste ist bei diesen Geräten besonders konkret. Verlangt werden unbeschädigte Taue, ein gegen Aufdrehen gesichertes unteres Ende und ausdrücklich keine Knoten in den Klettertauen. [1] Bei Nichtbenutzung dürfen keine Taue im Verkehrsbereich hängen. [1] Mehlige Taue sind unzulässig, und die Kontrolle erfolgt durch Aufdrehen der Taue gegen den Drall, weil der Verschleiß im Inneren beginnt. [1] Schließlich ist die maximale Kletterhöhe bei 5,50 Metern zu markieren. [1]
Warum keine Knoten
Der Knoten wirkt wie eine Hilfe und ist doch verboten. Er lädt dazu ein, sich mit den Füßen abzustützen und höher zu steigen, als es die markierte Kletterhöhe erlaubt, und er verändert die Belastung des Seils an genau einer Stelle. Die Prüfregel nennt ihn deshalb ohne Ausnahme. [1] Wer eine Steighilfe braucht, verändert stattdessen den Aufbau, etwa indem die am unteren Ende verbundene Stangeneinheit herausgeklappt und auf einen Kasten gelegt wird. [2] Die Höhe des Kastens bestimmt dann den Schwierigkeitsgrad, denn je höher er steht, desto leichter wird die Aufgabe. [2]
Schräg statt senkrecht
Genau dieser schräge Aufbau ist der methodische Trick am Gerät. Das Klettern an schräg gestellten Stangen macht mehr Spaß, weil es einfacher ist und mehr Möglichkeiten bietet als das Klettern an exakt senkrecht gestellten Stangen. [2] Der Vergleich stammt vom Radfahren, denn ein flacherer Berg ist leichter zu befahren, und mehr Kinder schaffen es hinauf. [2] Die so entstandene Einheit wird mit Matten und Weichböden abgesichert. [2] Trotz zweier Weichböden soll bei allen Übungen gesichert werden, und alle Übungen werden zunächst bei geringer Höhe geturnt. [2]
Wie man hochkommt
Es gibt mehr als eine Klettertechnik. Möglich sind das Hochklettern mit dem herkömmlichen Kletterschluss, das Klettern an zwei oder drei Stangen, das Klettern auf allen Vieren mit langen Armen und tiefem Gesäß sowie das Klettern ohne Zuhilfenahme der Beine. [2] Besonders einfach ist das Hochpendeln aus dem ruhigen Hang, bei dem der entlastete Arm nach oben greift, denn je deutlicher das Pendel ausfällt, desto länger und besser die Entlastung. [2] Auch Hochschwingen und Hochkippen nutzen dieselbe Entlastungsphase. [2]
Der Sicherheitshinweis, den alle kennen
Eine Regel prägt sich im Schulsport besonders ein. Beim Herunterkommen darf nicht gerutscht werden, da die Hände sonst Brandblasen bekommen können. [3] Stattdessen klettert das Kind genauso hinunter, wie es hinaufgekommen ist, also mit den Händen nacheinander und den Füßen nachstützend. [3] Der Reibungsschaden entsteht in Sekunden und heilt langsam. Deshalb steht dieser Hinweis in den Unterrichtsmaterialien direkt neben der Übungsbeschreibung. [3]
Schwingen von Bank zu Bank
Neben dem Klettern ist das Schwingen die zweite große Aufgabe. Für die Station Graben hängen die Taue zwischen Turnbank und Kastenoberteilen, und das Kind schwingt mit dem Tau von einer Bank zur gegenüberliegenden. [3] Die Abstände können unterschiedlich gestaltet werden, Lande- und Fallbereich werden mit Matten gesichert. [3] Weitere Formen sind das Hangeln mit einem Tau in jeder Hand und das Schwingen von Tau zu Tau. [3] Auch im Kinderturnen taucht das Motiv auf, etwa beim Schwingen vom kleinen Kasten über eine Mattenschlucht. [4]
Das Tau als Kleingerät
Nicht jedes Tau hängt an der Decke. Ein auf dem Boden liegendes Tau dient in Balancierparcours als schmale Linie und gehört dort zu den statischen Aufbauten neben umgedrehter Bank und Schwebebalken. [4] In anderen Spielformen wird es zum Ziehen, Markieren oder Abgrenzen genutzt. Damit ist es zugleich das teuerste fest installierte und das einfachste lose Gerät der Halle. Wichtig bleibt in beiden Rollen, dass die Enden gesichert sind und niemand darüber stolpert. [1]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- DGUV Information 202-044, Sportstätten und Sportgeräte Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
- Turnen an den Kletterstangen Gesund und Munter, Bewegungsmaterialien
- DGUV Information 202-114, Gerätturnen in der Schule Unfallkasse Nordrhein-Westfalen
- Handbuch Bewegungs-ABC, Bewegungsideen für Kinder von 5 bis 12 Jahren Schwäbischer Turnerbund
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.