Körperpositionen, Griffe & Haltungen

Sturzhang

Auch: Strecksturzhang · Kopfüberhang

Hangposition mit dem Kopf nach unten und den Beinen nach oben, Ausgangslage vieler Kipp- und Felgbewegungen.

Im Sturzhang zeigt der Körper mit dem Kopf nach unten

Der Sturzhang ist die umgekehrte Hangposition: Der Körper hängt mit dem Kopf nach unten, die Beine zeigen nach oben. Er gehört zu den gestreckten Grundpositionen des Turnens und wird in der Fachliteratur direkt neben Streckhang und Handstand aufgeführt. [4] In der gestreckten Wettkampfform heißt er Strecksturzhang, daneben gibt es gehockte und gewinkelte Varianten mit eigenen Namen.

Die Wettkampfform

Als Element ist der Strecksturzhang genau beschrieben. Verlangt sind gestreckte Arme, eine gestreckte, senkrechte Körperposition und eine Haltedauer von zwei Sekunden. [1] Nicht anerkannt wird die Position, wenn keine erkennbare Fixierung vorliegt, wenn die Beine an die Ringe angelehnt werden, wenn der Hüftwinkel mehr als 45 Grad beträgt oder wenn die Haltedauer unter einer Sekunde bleibt. [1] Das macht deutlich, dass es nicht um Kopfüberhängen geht, sondern um eine kontrollierte, senkrechte Linie.

Varianten

In Übungssammlungen erscheinen mehrere Formen nebeneinander, unter anderem der Hocksturzhang und der einfache Sturzhang, dazu verwandte Positionen wie der Kipphang und der Felghang. [2] Die gehockte Form ist die leichteste, weil der Körper kompakt bleibt und weniger Rumpfkraft verlangt. Die gestreckte Form ist die anspruchsvollste, weil der lange Hebel jede fehlende Spannung sofort sichtbar macht. Diese Abstufung ist der Grund, warum in Lernreihen zuerst gehockt, dann gewinkelt und zuletzt gestreckt gearbeitet wird. Auch im Wettkampf finden sich die Varianten in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen wieder, obwohl die Position auf den ersten Blick dieselbe ist.

Ausgangslage für Kippbewegungen

Der Sturzhang ist nicht nur Halteposition, sondern Durchgangsstation vieler Elemente. Bei der Lauf- und Schwebekippe schwingen die Beine nach dem Fußabdruck in den Sturzhang, wobei die Beine dicht am Oberkörper liegen und der Kopf zur Brust geneigt ist. [3] Aus dieser Lage heraus folgt das Rückpendeln und anschließend der Schub der Beine schräg aufwärts, der die eigentliche Kippbewegung auslöst. [3]

Warum Kopf und Blick zählen

In der Sturzlage verliert man leicht die Orientierung, weil die gewohnte Sicht auf den Boden fehlt. Technikbeschreibungen legen deshalb die Kopfhaltung genau fest, etwa das Neigen des Kopfes zur Brust in der Kippvorbereitung. [3] Für Anfänger ist das die eigentliche Hürde, denn Kopfüberpositionen wirken bedrohlicher, als sie sind. Kurze, wiederholte Aufenthalte in der Position helfen mehr als lange Versuche.

An welchen Geräten er vorkommt

Sturzhänge gibt es an allen Hanggeräten. Am Reck und am Stufenbarren führen sie in Kipp- und Felgbewegungen, an den Ringen sind sie eigenständige Halteelemente, und aus dem Sturzhang heraus wird dort auch langsam und kontrolliert in den Hang oder in den Hangstand rücklings abgesenkt. [1] Dieses Absenken ist eine eigene Aufgabe, weil die Muskulatur dabei bremsend arbeitet und die Beine gestreckt und senkrecht bleiben müssen. [1]

Methodischer Aufbau

Der Weg in den Sturzhang führt über niedrige Geräte und über gehockte Formen. Erst wird die Position mit angezogenen Beinen eingenommen, dann mit gewinkelter Hüfte, zuletzt gestreckt. Hilfreich ist ein Helfer, der am Oberschenkel stabilisiert, sowie eine ausreichende Mattenlage unter dem Gerät. Wer die Position sicher halten kann, hat zugleich die Rumpfspannung erarbeitet, die für Kippen und Felgen gebraucht wird. Für den Einstieg eignen sich Ringe in niedriger Höhe besonders gut, weil der Weg zurück zum Boden kurz ist und die Position jederzeit verlassen werden kann. Am Reck empfiehlt sich dieselbe Reihenfolge, zuerst am hüfthohen Gerät und mit Hilfestellung.

Ein Begriff mit klarer Anschauung

Sprachlich gehört der Sturzhang zu den anschaulichen Turnwörtern, die beschreiben, was zu sehen ist. Genau solche Bezeichnungen sind aus der frühen Turnsprache übernommen worden und bis heute in Gebrauch geblieben, weil Wort und Bewegung zusammenpassen. [4] Wer den Namen hört, weiß sofort, wie die Position aussieht, und genau das war der Anspruch, mit dem die Turnterminologie einmal aufgebaut wurde.

Auf einen Blick

Körperlage
Kopf unten, Beine senkrecht nach oben
Haltezeit im Wettkampf
zwei Sekunden
Nicht anerkannt
Hüftwinkel über 45 Grad oder Beine an den Ringen abgestützt

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Turn10, Leitbilder Ringe Deutscher Turner-Bund
  2. Checkliste Hangpositionen am Reck Sportfreaks
  3. Grundlegende Gesichtspunkte zum Gerätturnen Sportskript, SC Gerätturnen Berlin
  4. Turnerische Grundposition gestreckt KNSU, Universität Koblenz

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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