Sturz
Auch: Fall · Sturz vom Gerät
Verlust der Kontrolle, bei dem der Turnende auf Matte oder Gerät aufkommt, mit einem Abzug von einem vollen Punkt.
Der Sturz ist der teuerste Einzelfehler im Gerätturnen. Die Wertungsvorschriften führen ihn in der Tabelle der Landungsfehler und belegen ihn mit einem vollen Punkt. [1] Abgezogen wird jeweils 1,0 Punkt für einen Sturz auf die Knie oder das Gesäß auf die Matte, für einen Sturz auf oder gegen das Gerät und dafür, dass nach einem Element nicht zuerst auf den Füßen gelandet wird. [1] Ebenfalls 1,0 Punkt kostet das Abstützen auf der Matte oder dem Gerät mit einer oder zwei Händen. [1] Damit ist der Sturz die höchste Einzelstufe der Abzugsskala. [1] Sie entspricht dem sehr großen Fehler. [1] Ein einziger Sturz kann eine Platzierung entscheiden. [1] Deshalb planen Turnende ihre Übungen nach Sicherheit. [1] Risiko zahlt sich nur aus, wenn es beherrscht wird. [1]
Landungsfehler ohne Sturz
Unterhalb des Sturzes gibt es eine ganze Skala. Bei Elementen ohne Sturz kann für Landungsfehler nur ein maximaler Abzug von 0,80 Punkten vorgenommen werden. [1] Aufgeführt sind geöffnete Beine bei der Landung, zusätzliche Armbewegungen, Gleichgewichtsverlust, zusätzliche Schritte oder kleine Hüpfer, ein sehr großer Schritt oder Sprung von mehr als Schulterbreite, eine fehlerhafte Körperhaltung, eine tiefe Landung sowie das Streifen des Gerätes oder der Matte mit den Händen ohne zu stürzen. [1] Alle diese Fehler zusammen bleiben unter dem Wert eines Sturzes. [1] Die Aufgabenbücher der Landesverbände führen dieselben Landungsanforderungen für die Pflichtübungen der Männer. [2]
Die Karenzzeit
Nach einem Sturz darf die Übung fortgesetzt werden. Bei einem Sturz am Stufenbarren und am Schwebebalken verfügt die Turnerin über eine Karenzzeit; sie beträgt am Stufenbarren 30 Sekunden und am Schwebebalken 10 Sekunden. [1] In dieser Zeit kann sie sich auf die Fortsetzung der Übung vorbereiten und sich mit ihrer Trainerin beraten, bevor sie wieder aufnimmt. [1] Die Einhaltung dieser Frist überwachen die Zeitnehmerinnen. [1] Wer sie überschreitet, riskiert zusätzlich einen Zeitfehler. [1]
Der Sturz und der Elementwert
Ein Sturz kostet mehr als den Punkt. Wenn ein Element beim Sturz nicht vollständig gezeigt wurde, entfällt zusätzlich sein Schwierigkeitswert, weil jedes Element die spezifischen technischen Anforderungen erfüllen und in der beschriebenen Körperposition gezeigt werden muss. [1] Bei Saltos wird zudem zwischen Unterrotation ohne Sturz und mit Sturz unterschieden, die jeweils verschiedenen Fehlerstufen zugeordnet sind. [1] Damit wirkt ein Sturz auf D-Note und E-Note zugleich. [1]
Am Gerät
Auch der Kontakt mit dem Gerät zählt. Ein Sturz auf oder gegen das Gerät kostet ebenso 1,0 Punkt wie ein Sturz auf die Matte. [1] Am Reck führt eine Unterbrechung der Bewegung durch Berühren der Stange bei bestimmten Abgängen sogar zur Nichtanerkennung des Elements. [3] Für Kampfrichter ist die Unterscheidung zwischen Streifen ohne Sturz und tatsächlichem Sturz deshalb wesentlich. [1] Das Streifen mit den Händen ohne zu stürzen liegt in einer niedrigeren Fehlerstufe. [1]
Die Sicherheitsseite
Stürze sind zugleich das zentrale Unfallrisiko. Beim Abgang vom Gerät verletzen sich Übende in der Regel bei der Landung oder sie bleiben am Gerät hängen und stürzen. [4] Als Ursachen werden unzureichende Stützkraft, zu spätes Lösen des Griffes aus Angst oder falscher Bewegungsvorstellung, ungeeignete Landematten, eine schlechte Mattenauslage mit Stolperstellen und Lücken sowie mangelnde Konzentration auf die Landung genannt. [4] Die Wertung und die Unfallprävention zielen hier in dieselbe Richtung. [4]
Die Landematten
Für Abgänge ist die Unterlage vorgeschrieben. Am Sprung und für die Abgänge am Stufenbarren und Schwebebalken muss, sofern verfügbar, eine zusätzliche Landematte von zehn Zentimetern auf der ursprünglichen Landematte von 20 Zentimetern benutzt werden, insgesamt höchstens 30 Zentimeter. [1] Die zusätzliche Matte darf während der Übung nicht bewegt werden. [1] Fehlt sie, kostet das 0,50 Punkte von der Endnote. [1] Damit ist die Sturzprävention Teil des Regelwerks. [4]
Der Umgang im Wettkampf
Ein Sturz beendet die Übung nicht. Die Turnerin nimmt nach der Karenzzeit wieder auf und turnt zu Ende, wobei die verbleibenden Elemente normal gewertet werden. [1] Zusammen mit der Kampfrichtereinsatzleitung entscheidet die leitende Kampfrichterin, ob eine Übungsunterbrechung durch die Turnerin verursacht wurde oder auf technisches Versagen zurückgeht und ob eine Wiederholung erlaubt ist. [1] Nur im zweiten Fall darf neu geturnt werden. [1]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Arbeitshilfe zum Wettkampfprogramm Kür modifiziert, Leistungsklassen 1 bis 4 Kari-Turnen, Gerätturnen weiblich
- Aufgabenbuch P-Übungen männlich Bayerischer Turnerverband, Mittelfranken
- Leitbilder Reck und Stufenbarren, Turn10 Schwäbischer Turnerbund
- Gerätturnen in der Schule, DGUV Information 202-114 Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.