Strukturgruppe
Auch: Bewegungsgruppe · Kernbewegung
Zusammenfassung aller Turnelemente, die in ihrer Hauptphase dieselbe bewegungstechnische Aktion zeigen, unabhängig vom Gerät.
Eine Strukturgruppe fasst alle Turnelemente zusammen, die in ihrer Hauptfunktionsphase ähnliche bewegungstechnische Aktionen zeigen, in räumlich-zeitlicher wie in dynamischer Hinsicht. [2] Das Gerät spielt dabei keine Rolle. Eine Rolle bleibt eine Rollbewegung, ob sie am Boden oder auf dem Schwebebalken geturnt wird. [3] Die Gruppe beschreibt also nicht, wie ein Element aussieht, sondern was es antreibt. Genau deshalb lassen sich Elemente verschiedener Geräte im Training sinnvoll zusammen üben.
Die acht Gruppen
Die Schwungübungen verteilen sich auf acht Gruppen: Felgbewegungen, Auf- und Umschwungbewegungen, Stemmbewegungen, Kippbewegungen, Sprungbewegungen, Rollbewegungen, Beinschwungbewegungen und Überschlagbewegungen. [2] Jede hat ein eigenes Erkennungsmerkmal. Felgbewegungen sind rückwärts gerichtete Rotationen mit kräftigem Öffnen der Winkel, [2] Kippbewegungen leben von der schnellen Hüftstreckung mit anschließendem Abbremsen, [2] Stemmbewegungen von einem vorauseilenden Beinschwung, der den Schultergürtel nach oben trägt. [3]
Typische Elemente je Gruppe
Die Zuordnung lässt sich an Beispielen ablesen. Zu den Rollbewegungen zählen Rolle vorwärts und rückwärts am Boden und am Balken, zu den Felgbewegungen die Felgrolle rückwärts und die Riesenfelge, zu den Kippbewegungen der Kippaufschwung am Reck und die Oberarmkippe am Barren, zu den Stemmbewegungen die Schwungstemme am Barren und an den Ringen. [3] Beinschwungbewegungen umfassen das Schwingen am Barren ebenso wie nahezu alle Elemente am Pauschenpferd. [3] Zu den Auf- und Umschwungbewegungen gehören der Hüftaufschwung am Reck und am Schulstufenbarren sowie der Riesenfelgumschwung. [3] Sprungbewegungen schließlich stecken in den Absprüngen am Sprung und am Boden und in den Aufgängen an Barren und Stufenbarren. [3]
Wenn mehrere Gruppen zusammenkommen
Viele Elemente sind Mischformen. Die Felgrolle rückwärts setzt sich aus einer Rollbewegung und einer Felgbewegung zusammen, der Salto vorwärts am Boden enthält Anteile aus Absprung- und Überschlagbewegung. [3] In solchen Fällen entscheidet die bestimmende Aktion der Hauptfunktionsphase über die Einordnung, denn ohne das Felgen käme die Turnerin bei der Felgrolle gar nicht erst in den Handstand. [2]
Die Gruppe steht im Namen
Weil die Bezeichnungen aus der Strukturzugehörigkeit gebildet werden, verrät der Name die Gruppe. Zeigt ein Element Merkmale nur einer Gruppe, wird der Gruppenbegriff selbst zur Bezeichnung, etwa Rolle vorwärts oder Kippe. [4] Bei zwei Gruppen entsteht ein Kompositum wie Sprungrolle oder Felgaufschwung. [4] Wer die Gruppen kennt, kann deshalb aus einem unbekannten Namen die grobe Bewegung ableiten.
Statische Elemente und geführte Bewegungen
Neben den Schwunggruppen stehen zwei weitere Kategorien. Statische Übungen zielen auf ein Kräftegleichgewicht und müssen nach Wettkampfbestimmungen mindestens zwei Sekunden gehalten werden. [3] Dazu kommen Hebe- und Senkelemente, also langsam geführte Bewegungen wie das Heben in den Handstand. [3] Zusammen mit den acht Schwunggruppen ergeben sich daraus zehn Kategorien, mit denen sich praktisch das gesamte Übungsgut erfassen lässt. [3] Typische statische Elemente sind der Winkelstütz am Boden, an den Ringen oder am Barren sowie die Schwalbe an den Ringen, ein typisches Hebeelement das Heben in den Handstand. [3]
Ein Werkzeug für das Training
Die Einteilung ist kein Selbstzweck. Wer weiß, dass eine Bewegung zur Gruppe der Kippbewegungen gehört, weiß auch, worauf es ankommt, nämlich auf die Kipplage, die impulsive Hüftstreckung und das rechtzeitige Abbremsen des Beinschwungs. [1] Eine Korrektur an der Reckkippe lässt sich damit auf die Barrenkippe übertragen. Das spart Zeit und verhindert, dass jedes Element neu erklärt werden muss.
Grenzen der Systematik
Ganz ohne Reibung geht es nicht. Manche eingebürgerten Namen widersprechen der Struktur, etwa der sogenannte Felgaufschwung, der eigentlich eine Aufschwungbewegung ist und korrekt Hüftaufschwung heißt. [3] Solche Fälle zeigen, dass Sprache und Systematik nicht immer im Gleichschritt gehen. Für das Verständnis ist es hilfreich, beides zu kennen, den korrekten Fachbegriff und den Namen, der in der Halle tatsächlich fällt. Hinzu kommt, dass im internationalen Regelwerk viele Elemente unter Eigennamen geführt werden, die sich nicht aus der Struktur ableiten lassen. Wer eine Übung lesen will, braucht deshalb beide Zugänge, die Systematik und das Namensgedächtnis.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Grundlegende Gesichtspunkte zum Gerätturnen Sportskript, SC Gerätturnen Berlin
- Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
- Kernmodell Technik im Gerätturnen Sportdidaktik, FHNW
- Die Sprache des Turnens, zur Terminologie des Gerätturnens bei Jahn und heute Jahn-Report, GYMmedia
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.