Geräte & Anlage

Sprungtisch

Auch: Sprunggerät · Sprungpferd

Gepolstertes Stützgerät am Ende der Anlaufbahn, das seit 2001 das Sprungpferd ersetzt und über das der Sprung geturnt wird.

Der Sprungtisch ist das jüngste Gerät im Turnen. Er heißt seit 2001 so, vorher stand dort das Sprungpferd. [4] Anders als an allen übrigen Geräten wird keine Übung geturnt, sondern ein einzelner Sprung, der nur wenige Sekunden dauert. Für die Pflichtstufen gilt eine Geräthöhe von einem Meter zwanzig und höher, in der obersten Stufe ein Meter fünfunddreißig. [2] Im Ligabetrieb der Frauen ist die Höhe auf hundertfünfundzwanzig Zentimeter vom Boden festgelegt. [3]

Der Anlauf

Vor dem Gerät liegt die längste Strecke des ganzen Sports. Der Sprung beginnt mit einem ruhigen Stand mit geschlossenen Beinen, höchstens fünfundzwanzig Meter vom Sprungtisch entfernt, und mit dem ersten Schritt des Turners. [1] Die Bewertung setzt allerdings erst in dem Moment ein, in dem er das Sprungbrett berührt. [1] Der Anlauf muss mit einem Maßband an der Seite gekennzeichnet und ein Block am Ende der Anlaufbahn befestigt sein. [1] Er darf unterbrochen, aber nicht wiederholt werden. [1]

Die Anlage drumherum

Zum Gerät gehört mehr als der Tisch. Die Hallennormen schreiben eine verbindliche Anlauflänge von fünfundzwanzig Metern vor und verlangen, dass ein hartes und ein weiches Sprungbrett zur Verfügung stehen. [3] Die Mattenlage folgt der Norm des Weltverbands, alternativ sind dreißig Zentimeter Weichbodenmatten mit durchgängigem Überzug zulässig. [3] Eine Rondatmatte als Sprungbrettumrandung ist verpflichtend, sobald eine Mannschaft Rondatsprünge zeigt, und diese müssen beim Ausrichter vorher angemeldet werden. [3]

Die vier Phasen

Für die Bewertung wird der Sprung in vier Teile zerlegt. Die erste Flugphase reicht bis zum Stütz mit den Händen auf dem Gerät, die Stützphase besteht aus dem schnellkräftigen Abdruck, die zweite Flugphase verlangt einen Höhenanstieg nach dem Abdruck samt geforderter Technik und Haltung, und die Landung endet mit dem Öffnen in den sicheren Stand. [2] Jede dieser Phasen wird einzeln beurteilt. Ein guter Absprung rettet also keine misslungene zweite Flugphase.

Was abgezogen wird

Die Fehlerliste ist kurz und eindeutig. Der Turner muss die gewünschte Körperhaltung erkennbar zeigen, also gehockt, gebückt oder gestreckt. [2] Abweichungen von der Mittelachse des Geräts kosten je nach Ausmaß klein, mittel oder groß. [2] Drehungen müssen vor der Landung abgeschlossen sein, unvollständige Drehungen führen zu Abzügen und ab neunzig Grad Abweichung zur Nicht-Anerkennung. [2] Gehockte und gebückte Sprünge müssen zudem ein klares Öffnen vor der Landung aufweisen. [2]

Zwei Versuche

Der Sprung ist das einzige Gerät mit zweitem Anlauf. Jeder Turner kann zwei Sprünge absolvieren, verschiedene oder gleiche, und der bessere wird angerechnet, sofern die Ausschreibung nichts anderes bestimmt. [1] Nach dem ersten Sprung geht er ohne Verzögerung zurück und wartet auf das Signal des Oberkampfrichters. [1] Der Sprung endet jeweils mit der Landung hinter dem Gerät, mit geschlossenen Beinen. [1] Ein zusätzlicher Anlauf ist zulässig, kostet aber einen ganzen Punkt. [1]

Vom Kasten zum Tisch

Die Pflichtstufen führen schrittweise an das Gerät heran. In der ersten Stufe wird nur über ein Sprungbrett mit dreißig Zentimeter Mattenlage gesprungen, in der zweiten über einen Kasten seit in neunzig Zentimeter Höhe. [2] Danach folgen Bock und Kasten in einem Meter Höhe, bevor ab der siebten Stufe der Sprungtisch selbst an die Reihe kommt. [2] Die angegebenen Geräte und Höhen gelten dabei als Vorschläge, sofern die Ausschreibung nichts anderes festlegt. [2]

Die bekannten Sprünge

Beide Geschlechter brauchen aus hoher Geschwindigkeit und kraftvollem Absprung die nötige Dynamik für eine möglichst lange, hohe und weite Flugphase. [4] Bei den Frauen ist der Jurtschenko verbreitet, eine sowjetische Entwicklung aus Radwende, Flick-Flack und mehrfacher Achsendrehung. [4] Bei den Männern stehen hohe Zahlen von Breiten- und Längsdrehungen in den Stand im Vordergrund, häufig gezeigt wird der Handstützüberschlag mit Doppelsalto, nach seinem Erfinder Roche genannt. [4] Die Namen der Sprünge sind damit selbst ein Stück Turngeschichte.

Auf einen Blick

Geräthöhe
1,20 Meter und höher, im Frauenbereich 1,25 Meter
Anlauf
höchstens 25 Meter
Versuche
zwei Sprünge, der bessere zählt

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. DTB-Regelungen Gerätturnen männlich, Kürmodus 2020 Deutscher Turner-Bund
  2. Aufgabenbuch P-Übungen männlich Bayerischer Turnerverband, Turngau Mittelfranken
  3. Anlage II, Verbindliche Hallen- und Gerätenormen Schwäbischer Turnerbund, Liga Gerätturnen weiblich
  4. Die Geräte im Gerätturnen Turnier der Meister, Cottbus

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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