Körperpositionen, Griffe & Haltungen

Seitstütz

Stütz im Seitverhalten, bei dem die Schulterachse parallel zur Längsachse des Gerätes verläuft.

Im Seitstütz liegt die Schulterachse parallel zur Stange

Der Seitstütz ist der Stütz im Seitverhalten. Kennzeichnend ist, dass Schulterachse und Gerätlängsachse parallel zueinander verlaufen. [1] Am Reck ist das die Regelposition, denn wer auf der Stange stützt, steht mit den Schultern quer über ihr und blickt entlang der Stange nach vorn. Die Angabe gehört zur genauen Beschreibung eines Elements, denn sie sagt, wie der Körper zum Gerät steht, während der Stütz sagt, wie er sich am Gerät verhält. [2]

Seit, quer und schräg

Für die exakte Kennzeichnung des Verhaltens zum Gerät wird die Stellung der Breitenachse des Körpers zur Längsachse des Gerätes berücksichtigt. [1] Verläuft die Schulterachse parallel zur Gerätlängsachse, spricht man vom Seitverhalten, stehen beide rechtwinklig zueinander, vom Querverhalten, und bilden sie einen Winkel von fünfundvierzig Grad, vom Schrägverhalten. [1] Aus diesen drei Möglichkeiten ergeben sich die Bezeichnungen Seitstütz, Querstütz und Schrägstütz.

Dazu die Blickrichtung

Die zweite Angabe betrifft die Körperseite, die zum Gerät zeigt. Vorlings zeigt die Körpervorderseite zum Gerät, rücklings die Körperrückseite und seitlings eine Körperseite. [1] Erst beides zusammen ergibt eine eindeutige Beschreibung, etwa den Seitstütz vorlings am Reck. Wichtig ist dabei, dass die Verhaltensweisen unabhängig davon gelten, ob das Gerät berührt wird oder nicht. [1]

Warum das so genau benannt wird

Die Verhaltensweisen zum Gerät drücken eindeutig aus, in welcher Position sich der Körper zum jeweiligen Gerät befindet, und machen die mündliche wie schriftliche Beschreibung turnerischer Übungen erst möglich. [1] Die Gesamtheit der Bezeichnungen bildet ein terminologisches System, dessen Kern aus den Elementnamen besteht, ergänzt um allgemeine Angaben, die Unklarheiten in der Verständigung vermeiden. [1] Ohne solche Zusätze wären viele Elementbezeichnungen mehrdeutig.

Der Seitstütz im Elementnamen

In der Fachsprache taucht der Seitstütz regelmäßig als Endstellung auf. Sofern es für die zweifelsfreie Verständigung nötig ist, werden der Bezeichnung die Ausgangsstellung vorangestellt und die Endstellung nachgestellt, ebenso der Griff und das Verhalten zum Gerät. [4] Die vollständige Bezeichnung für den Hüft-Aufschwung lautet deshalb: aus dem Seitstand vorlings mit Ristgriff Hüft-Aufschwung vorlings rückwärts in den Seitstütz vorlings. [4]

Am Reck der Normalfall

Beim Turnen am Reck bewegt sich der Körper um eine feste Drehachse, die durch die Reckstange gebildet wird. [3] Die meisten Reckelemente enden oder beginnen deshalb in dieser Position. Der Felgaufschwung vorlings rückwärts endet im Stütz vorlings, nachdem die Hüften durch den Zug der Arme über die Reckstange gelangt sind. [3] Der Unterschwung vorlings vorwärts beginnt umgekehrt aus dem Stand vorlings mit Ristgriff. [3] Auch die Umschwungbewegungen setzen aus dem Stütz vorlings mit Ristgriff an, sodass diese Lage zugleich Ausgangs- und Endstellung vieler Elemente ist. [3] Charakteristisch für das Reckturnen ist genau dieser Wechsel von Hang- und Stützübungen, verbunden mit Änderungen des Griffverhaltens. [3]

Verhalten am und zum Gerät

Die Turnsprache trennt zwei Ebenen. Das Verhalten am Gerät beschreibt Liegen, Sitz, Stand, Hang und Stütz sowie gemischte Formen wie Liegehang und Hangstand, das Verhalten zum Gerät dagegen die räumliche Zuordnung. [2] Zu den turnerischen Bewegungsgrundformen, aus denen sich diese Verhaltensweisen ergeben, zählen Klettern, Hangeln und Hängen, Schwingen und Schaukeln, Balancieren, Rollen und Drehen, Laufen, Springen und Landen sowie Stützen. [2] Der Seitstütz vorlings verbindet beide Angaben in zwei Wörtern. Wer die Systematik kennt, kann aus einer Elementbezeichnung die Bewegungsvorstellung ableiten, ohne das Element je gesehen zu haben.

Am Barren und am Stufenbarren

Für Barren und Stufenbarren kommt eine weitere Angabe hinzu, weil sich die Turnenden innerhalb oder außerhalb der Holmengasse befinden können. [1] Innen heißt, dass sie zwischen den Holmen sind, außen, dass sie sich außerhalb der Gasse befinden. [1] So entstehen Bezeichnungen wie der Außenseitstand vorlings am Barren, aus dem heraus geturnt wird. [2] Der Seitstütz ist damit nicht auf das Reck beschränkt, sondern überall dort möglich, wo eine Stange längs zur Schulterachse liegt.

Auf einen Blick

Kennzeichen
Schulterachse parallel zur Gerätlängsachse
Zusatzangabe
vorlings oder rücklings
Typisches Gerät
Reck

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Verhaltensweisen zum Gerät KNSU, Universität Koblenz
  2. Gerätturnen, theoretische Grundlagen Universität Regensburg
  3. Grundlegende Gesichtspunkte zum Gerätturnen Sportskript, SC Gerätturnen Berlin
  4. Die Sprache des Turnens, zur Terminologie des Gerätturnens bei Jahn und heute Jahn-Report, GYMmedia

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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