Elemente an Reck & Stufenbarren

Riesenfelge

Auch: Riesenumschwung · Riesenwelle · Riese

Ganze Drehung um die Reckstange aus dem Handstand durch den Langhang zurück in den Handstand.

Die Riesenfelge ist das Rückgrat jeder Reckübung. Ein Umschwung ist definiert als eine Drehung um 360 Grad um die Stange, und die Ausgangsposition bestimmt dabei die Endposition. [1] Bei der Riesenfelge ist diese Position der Handstand, sodass der Körper einmal ganz um das Gerät läuft, mit dem Langhang als tiefstem Punkt. [1] Historisch ist sie uralt: Schon der Byzantiner Nikephoros beschreibt an einem waagerecht gespannten Seil eine Riesenwelle, die erste bekannte Schilderung dieser Übung. [4]

Die Riesenfelge rückwärts

Am Hochreck folgt der Ablauf einem festen Muster. Der Abschwung beginnt in gestreckter Position; etwa 45 Grad vor der Hangposition wird der Brust- und Schulterbereich deutlich gesenkt. [1] Es folgt das peitschenartige Schlagen der Füße nach vorn oben, der Kurbet, der das Pendel verkürzt und den Impuls für den Schwung nach oben gibt. [1] Rund 45 Grad vor der Handstandposition öffnet sich der Arm-Rumpf-Winkel, die Füße passieren die Handstandlage zuerst, danach streckt sich der ganze Körper. [1]

Die Riesenfelge vorwärts

Die vorwärts geturnte Form heißt Kammriesenfelge. Aus dem Handstand wird der Abschwung mit möglichst gestrecktem Körper und offenem Arm-Rumpf-Winkel geturnt. [1] Beim Durchschwingen in der Hangposition gehen die Fersen voran, weil kurz zuvor der Brust- und Schulterbereich gesenkt wurde. [1] Etwa 45 Grad nach der Hangposition werden die Beine hängen gelassen, der Arm-Rumpf-Winkel schließt sich leicht um etwa 30 Grad, und mit rundem Körper schwingt der Turnende zur Handstandposition. [1]

Die Zehn-Grad-Regel

Beide Formen enden mit derselben Vorgabe. Eine Abweichung von höchstens zehn Grad von der Handstandposition ist erlaubt, und das Erreichen der Handstandlage darf auch fünf bis zehn Grad nach der Senkrechten erfolgen. [1] Beim Wechsel der Griffart gelten eigene Zeitpunkte: Die halbe Drehung wird 45 Grad vor der Handstandposition ausgelöst und ist spätestens zehn Grad danach beendet. [1] Diese Zahlen sind der Grund, warum Riesenfelgen im Training oft in Zeitlupe korrigiert werden.

Am Tiefreck

Am niedrigen Reck ändert sich der Ablauf an zwei Stellen. Beim Senken des Brustbereichs vor der Hangposition werden zusätzlich die Knie angewinkelt, und beim Öffnen des Arm-Rumpf-Winkels vor der Handstandposition werden die Beine wieder gestreckt. [1] Der Grund ist schlicht der fehlende Platz unter der Stange. [1] Gelernt wird die Riesenfelge deshalb bevorzugt mit Schlaufen aus dem Grundschwung heraus, also von unten nach oben und nicht umgekehrt. [1]

In der Wertung

Im Kampfrichterbogen füllt die Riesenfelge eine ganze Spalte. Riesenumschwung vorwärts und rückwärts stehen dort als häufige B-Teile, der Ellgriff-Riesenumschwung sowie der gesprungene Riesenumschwung rückwärts als C-Teile. [2] Die Riesenfelge vorwärts mit ganzer Drehung in den Zwiegriff oder in den Ellgriff zählt ebenfalls als C-Teil. [2] Als nationales Element genügt hingegen schon der Riesenfelgaufschwung in den Stütz. [2] Die Spanne reicht damit vom Einstiegselement bis zur Höchstschwierigkeit.

In der Symbolschrift

Kampfrichter schreiben Übungen in Symbolen mit, und die Riesenfelge bekommt dabei eine Sonderrolle. Am Reck werden ausdrücklich nur solche Riesenfelgen notiert, die eine Kombination unterbrechen. [3] Das Symbol für die einfache Riesenfelge vorwärts und rückwärts folgt dem Prinzip von den Ringen; ein einfacher Kreis darunter zeigt an, dass sie einarmig geturnt wurde. [3] Ein Aufwärtspfeil steht für eine gesprungene Riesenfelge, mit oder ohne Drehung. [3]

Warum sie alles zusammenhält

Die Riesenfelge ist weniger ein Schauelement als ein Motor. Sie erzeugt den Schwung, aus dem Flugelemente überhaupt erst möglich werden; in der Symbolschrift wird sie deshalb innerhalb von Kombinationen gar nicht eigens notiert, weil sie als selbstverständlich vorausgesetzt wird. [3] Ein Quast braucht dort nur einen Pfeil und ein Drehungssymbol, denn die Riesenfelge ist mitgedacht. [3] Historisch ist der Zusammenhang alt: Bereits bei den Olympischen Spielen 1908 in London zeigte ein Turner einen Doppelsalto, allerdings erst nach vielen Riesenfelgen rückwärts. [4] Ohne sie gäbe es kein modernes Reckturnen.

Auf einen Blick

Definition
360-Grad-Drehung um die Stange, Ausgangsposition bestimmt die Endposition
Toleranz
höchstens 10 Grad Abweichung von der Handstandposition
Zwei Richtungen
rückwärts im Ristgriff, vorwärts im Kammgriff

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Reck, Riesenfelge und Wechsel, Zentralkurs Gerätturnen Kantonalturnverband, Zentralkurs
  2. Nationale Elemente und häufige A, B, C-Teile, Reck Kari-Turnen, Kampfrichterwesen
  3. Symbolheft für das Gerätturnen der Männer Fédération Internationale de Gymnastique
  4. Geschichte des Reckturnens GYMmedia International

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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