Wettkampf, Formate & Rollen

Riege

Auch: Turnriege · Abteilung

Gruppe von Turnenden, die gemeinsam an einem Gerät übt und im Wettkampf gemeinsam antritt.

Die Riege ist die Grundeinheit des Turnbetriebs. Ein Wörterbuch beschreibt sie als Abteilung von Turnern beim Geräteturnen, also als Gruppe, die gemeinsam an einem Gerät übt. [1] Das Wort stammt aus dem Mittelhochdeutschen für Linie oder Reihe und ist mit dem heutigen Reihe verwandt. [1] Im 17. Jahrhundert wurde es von der Form Reihe aus der Literatursprache verdrängt, überlebte aber in niederdeutschen Mundarten. [1] Friedrich Ludwig Jahn übernahm den Begriff 1816 aus dem Sassischen als Fachausdruck in die organisierte Turnbewegung. [1] Dort ist er bis heute verankert. [1] Bis heute meint Riege im Turnen dasselbe wie damals. [1] Umgangssprachlich wird das Wort auch übertragen gebraucht. [1] Im Sport blieb die alte Bedeutung erhalten. [1]

Die Riege im Vereinsturnen

Historisch war die Riege die feste Übungsgruppe. Die Vorturner sollten den Riegen ihrer Abteilung durch Vorführen, Anweisung und Hilfestellungen die Turnfertigkeiten vermitteln. [2] Ausgewählt wurden sie vom Turnwart, und sie bildeten eine Art Eliteschicht im Vereinsturnen. [2] Die Vorturnerschaften bildeten innerhalb vieler Vereine geschlossene Gruppen mit eigenen Gesetzen und besonderen Rechten. [2] Diese Einrichtung bestand bis in die 1950er und 1960er Jahre, ehe sie vom modernen Übungsleiterwesen abgelöst wurde. [2]

Die Riege im Wettkampf

Heute ist die Riege zugleich Wettkampfmannschaft. In den Landesligen eines Landesverbandes kann eine Mannschaft aus maximal acht Turnerinnen bestehen, von denen pro Gerät fünf starten dürfen und die drei besten in die Wertung kommen. [3] Das Mindestalter liegt bei elf Jahren, wobei pro Mannschaft eine Turnerin auch zehn Jahre alt sein darf. [3] Eine Turnerin kann während der Saison nur für einen Verein starten. [3] Damit ist die Riege über das Jahr eine feste Größe. [3]

Der gemeinsame Durchlauf

Eine Riege wandert gemeinsam durch den Wettkampf. Nach dem Einmarsch geht sie an ihr Startgerät, turnt dort nach der Einturnzeit ihren Durchgang und wechselt anschließend zum nächsten Gerät. [3] In den Landesligen stehen dafür 20 Minuten Erwärmung und acht Minuten Einturnzeit je Gerät zur Verfügung. [3] Wer gerade nicht turnt, hilft, sichert oder feuert an. [3] Erst nach dem letzten Gerät steht das Ergebnis fest. [3]

Die Wertung

Aus den Einzelnoten der Riege wird ein Ergebnis. Im Schulwettkampf werden die jeweils vier besten Übungen eines Gerätes addiert, und alle vier Geräteergebnisse zusammen ergeben die Gesamtpunktzahl. [4] Die Mannschaft mit den meisten Punkten gewinnt. [4] Weil nicht alle Wertungen zählen, federt die Streichwertung einzelne Ausfälle ab. [4] Dasselbe Prinzip gilt in den anderen Disziplinen desselben Wettkampfs. [4]

Der gemeinsame Auftritt

Nach außen tritt die Riege als Einheit auf. In Mannschaftswettkämpfen muss die Wettkampfkleidung beim Einmarsch und bei der Siegerehrung für alle einheitlich sein. [3] Auch die Einturnzeit wird gemeinsam verwaltet, weil die Mannschaft dafür verantwortlich ist, dass jede eine Einturnmöglichkeit erhält. [3] Damit ist die Riege mehr als eine Verwaltungseinheit. [2] Sie prägt das Erleben des Wettkampftags. [2]

Im Training

Auch außerhalb des Wettkampfs bleibt die Riege bestehen. Sie ist die Gruppe, die zur selben Zeit trainiert, dieselben Geräte nutzt und von derselben Person angeleitet wird. [2] Historisch wurde in Riegen von Gerät zu Gerät gewechselt, während der Vorturner die Übung vormachte. [1] Dieses Prinzip prägt den Aufbau vieler Turnstunden bis heute. [2] Es erlaubt, mit wenigen Anleitenden viele Kinder zu betreuen. [2]

Der Sprachgebrauch

Riege ist ein Beispiel für die eigene Turnsprache. Sie geht auf Jahn zurück, der bewusst deutsche Wörter für die neuen Übungen und ihre Organisation prägte. [1] Viele dieser Begriffe wie Turnplatz, Turnstunde, Turnwart, Turnlehrer und Vorturner sind aus derselben Zeit überliefert. [4] Sie galten schon damals als selbstverständlich verständlich. [4] Riege gehört zu den wenigen, die sich unverändert gehalten haben. [1]

Auf einen Blick

Wortherkunft
aus dem Niederdeutschen, verwandt mit Reihe
Übernahme
1816 von Jahn als Fachausdruck eingeführt
Im Wettkampf
bis zu acht Turnerinnen, fünf starten je Gerät

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Riege, Wörterbucheintrag Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache
  2. Der Turnbetrieb in der Kaiserzeit Schwäbischer Turnerbund
  3. Ligaordnung Fachbereich Gerätturnen Frauen Niedersächsischer Turner-Bund
  4. Gerätturnen, Allgemeine Bestimmungen für den Schulwettkampf Niedersächsisches Kultusministerium

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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