Kunstturnen
Auch: Artistic Gymnastics · Leistungsturnen
Bezeichnung für das Gerätturnen auf Wettkampf- und Spitzenniveau, international Artistic Gymnastics, in Österreich und der Schweiz auch als Name der Sportart gebräuchlich.
Kunstturnen bezeichnet das Gerätturnen dort, wo es als Wettkampfsport auf hohem Niveau betrieben wird. In Österreich und der Schweiz sowie in den deutschsprachigen Regelwerken des Weltverbands ist es zugleich der offizielle Name der Sportart, [1] während der Deutsche Turner-Bund durchgehend von Gerätturnen spricht. [4] Gemeint ist in beiden Fällen dasselbe, nämlich das Turnen an den olympischen Geräten nach internationalen Wertungsvorschriften.
Ein Anforderungsprofil aus vielen Teilen
Kunstturnen verlangt ein ungewöhnlich breites Profil. Gefordert sind eine große Vielfalt motorischer Fertigkeiten, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und koordinative Fähigkeiten. [1] Dazu kommen Selbstdisziplin, Mut und Durchsetzungsvermögen, denn viele Elemente lassen sich nur mit voller Entschlossenheit turnen. [1] Halbherzig begonnene Salti enden im Sturz, weshalb die Sportart nicht nur körperlich, sondern auch mental verlangt, eine einmal getroffene Entscheidung im Bruchteil einer Sekunde durchzuziehen.
Die vier Geräte der Frauen
Am Sprung geht es darum, eine hohe Anlaufgeschwindigkeit in eine möglichst lange, hohe und weite Flugphase umzuwandeln. [2] Der Stufenbarren mit seinen zwei unterschiedlich hohen Holmen verlangt Kraft, Präzision und Mut, moderne Übungen enthalten längst Elemente aus dem Reckturnen. [2] Der Schwebebalken ist fünf Meter lang und nur zehn Zentimeter breit, die Übung dauert höchstens 90 Sekunden. [1] Der Boden misst zwölf mal zwölf Meter, ist gefedert und wird zu Musik geturnt, ebenfalls in höchstens 90 Sekunden. [1]
Die sechs Geräte der Männer
Der Boden der Männer wird von Salti mit eingebauten Längsachsendrehungen geprägt, den Schrauben. [3] Das Pauschenpferd ist ein rund 1,05 Meter hohes Stützgerät mit zwei Griffen, an dem kreisende Schwünge mit gestreckter Hüfte und großer Amplitude verlangt werden. [2] Die Ringe hängen in 2,80 Metern Höhe und verbinden Halte- mit Schwungelementen, kennzeichnend ist der Kreuzhang mit ausgestreckten Armen. [2] Am Sprung stehen rund 25 Meter Anlauf zur Verfügung, [2] am Barren kommen Flugelemente zwischen den Holmen hinzu, und das Reck gilt als Königsgerät. [2]
Was in einer Übung vorkommen muss
Eine Kür ist immer auch eine Aufgabe der Komposition. Am Boden der Männer müssen mindestens ein Element vorwärts, eines rückwärts und eines seitwärts vorkommen, dazu ein statisches Element wie der Krafthandstand und ein Abgang. [3] Fehlt eine dieser Anforderungen, sinkt die Bewertung, unabhängig davon, wie sauber der Rest geturnt wurde. Die Übung entsteht deshalb am Schreibtisch mit, lange bevor sie in der Halle zum ersten Mal vollständig durchgeturnt wird.
Wie gewertet wird
Die Bewertung besteht aus zwei getrennten Noten. Die D-Note erfasst den Inhalt und damit die Schwierigkeit, die E-Note die Ausführung und den Gesamteindruck. [1] Die E-Note beginnt bei 10,00 Punkten, von denen jeder Fehler abgezogen wird, die D-Note dagegen ist nach oben offen. [1] Damit entscheidet stets das Verhältnis von Risiko und Sauberkeit. Eine schwierige, aber unsauber geturnte Übung kann hinter einer einfacheren zurückbleiben, die makellos gezeigt wurde.
Elemente mit Eigennamen
Wer Kunstturnen verfolgt, hört ständig Namen statt Beschreibungen. Am Sprung ist der Jurtschenko verbreitet, der eine Radwende mit Flick-Flack und mehreren Drehungen verbindet. [2] Am Stufenbarren tauchen Reckelemente wie Gienger und Tkatschew auf, am Reck Griffkombinationen wie Rybalko und Flugelemente wie der Kovacs. [2] Solche Bezeichnungen tragen die Namen derer, die ein Element zuerst im internationalen Wettkampf gezeigt haben, und sie sind der schnellste Weg, über eine komplizierte Bewegung zu sprechen.
Der Weg dorthin
Zum Kunstturnen führt kein Sprung, sondern eine lange Reihe von Zwischenstufen. Der Deutsche Turner-Bund beschreibt den Weg vom Breitensport über die Leistungsklassen bis zur freien Kür nach den internationalen Wertungsvorschriften. [4] Wer die Spitze erreichen will, beginnt früh und trainiert viel, oft schon im Grundschulalter mehrmals pro Woche. Gerade deshalb braucht die Sportart sorgfältige Trainerarbeit, einen methodisch sauberen Aufbau und einen wachen Blick auf Gesundheit und Schutz der Aktiven.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Kunstturnen weiblich Österreichischer Fachverband für Turnen
- Die Geräte Turnier der Meister, Cottbus
- Geräte Männer, Boden Turnen macht stark
- Gerätturnen Deutscher Turner-Bund
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.