Körperpositionen, Griffe & Haltungen

Kammgriff

Auch: Untergriff

Griff, bei dem die Handteller nach oben zeigen und die kleinen Finger einander zugewandt sind.

Der Kammgriff ist das Gegenstück zum Ristgriff. Das Wörterbuch beschreibt ihn als Griff beim Geräteturnen an Reck und Barren, bei dem die Handteller nach oben zeigen und die kleinen Finger einander zugewandt sind. [1] Dieselbe Handstellung wird in der Fachliteratur so gefasst, dass die Hände die Stange umschließen, die kleinen Finger zueinander zeigen und die Daumen nach außen. [2] Umgangssprachlich heißt er Untergriff, weil die Hände die Stange von unten fassen.

Wann er verlangt wird

Der Griff ist bei vielen Elementen fest vorgeschrieben. In der Regel ist der Einsatz eines Griffes pro Turnelement standardmäßig festgelegt, und der Spreiz-Umschwung vorlings wird ausdrücklich im Kammgriff geturnt, während der Hüft-Umschwung im Ristgriff bleibt. [2] Diese Festlegungen berücksichtigen die aus Erfahrung ermittelten Sicherheitsaspekte. [2] Erst für das Erweitern des Repertoires oder im normfreien Turnen werden die Griffe bewusst variiert. [2]

Am Reck

Mehrere klassische Reckelemente beginnen im Kammgriff. Der Knieumschwung vorwärts wird aus dem Seitsitz zwischen den Händen mit Kammgriff geturnt, wobei die Hüften so weit angehoben werden, dass die Reckstange fest in der Kniekehle des stark gebeugten Sitzbeines liegt. [4] Ebenso beginnt der Sitzumschwung vorwärts aus dem Seitsitz zwischen den Händen mit Kammgriff, bevor die Schultern nach vorn geschoben werden und die Drehbewegung einleiten. [4] Bei beiden Elementen liegt die Stange anschließend in den Kniekehlen der stark gebeugten Beine. [4] Der Griff bestimmt hier also nicht nur die Handstellung, sondern die ganze Ausgangslage. [2]

In den Athletiktests

Auch Haltepositionen werden mit vorgegebenem Griff geprüft. Der Strecksturzhang rücklings wird an Barren oder Reck im Kammgriff gehalten, und aus derselben Lage heraus wird in die Hangwaage rücklings abgesenkt, die ebenfalls im Kammgriff verlangt wird. [3] Die Vorgabe stellt sicher, dass Schulter- und Ellenbogenstellung bei allen Prüflingen gleich sind. [3] Gemessen wird dann nur noch die Haltezeit und die Genauigkeit der Lage. [3]

Warum er sich anders anfühlt

Im Kammgriff arbeiten andere Muskeln als im Ristgriff. Weil die Handflächen nach oben zeigen, arbeiten die Ellenbogenbeuger in einer günstigeren Zugrichtung. In den athletischen Tests werden Klimmzüge deshalb ausdrücklich im schulterbreiten Ristgriff geprüft, damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben. [3] Beim Drehen um die Stange kehrt sich der Vorteil um, denn der Griff muss dabei gelöst und wieder geschlossen werden. Genau deshalb ist er bei manchen Umschwüngen vorgeschrieben und bei anderen ausgeschlossen. [2]

Im System der Griffarten

Der Kammgriff steht im Grundbestand der Griffe. Die Übersichten führen für Reck und Stufenbarren Ristgriff, Kammgriff, Zwiegriff, Schlussgriff und Kreuzgriff auf, für Barren und Ringe zusätzlich Ellgriff, Speichgriff und Ballengriff. [2] Aus der Kombination von Rist- und Kammgriff entsteht der Zwiegriff, bei dem eine Hand so und die andere anders greift, und dieser lässt sich seinerseits mit dem Schlussgriff zum Schlusszwiegriff verbinden. [2] Der Kammgriff ist damit einer von zwei Bausteinen, aus denen sich mehrere Mischformen ergeben.

Griffwechsel

Ein Wechsel in den Kammgriff geschieht meist im ruhigen Moment. Weil sich beim Turnen Hang und Stütz ständig abwechseln, ändert sich das Griffverhalten laufend, und der günstigste Zeitpunkt dafür ist der Umkehrpunkt der Bewegung. [4] Am Reck ist das der sogenannte tote Punkt zwischen Vor- und Rückschwung. [4] Wer dort umgreift, muss die Stange nur kurz freigeben und verliert kaum Schwung.

Im Namen des Elements

Wie beim Ristgriff wird der Griff Teil der Bezeichnung, wo es nötig ist. Die Terminologie soll einfach, eindeutig und unterscheidbar sein, und dazu gehört die Angabe, mit welcher Hand wie gegriffen wird. [2] Für den Unterricht heißt das, den Griff vor dem Element anzusagen, weil sich der Bewegungsablauf sonst nicht sauber vorstellen lässt. [2] In Wettkampfvorschriften wird der Griff aus demselben Grund ausdrücklich genannt. [3]

Auf einen Blick

Handstellung
Handteller oben, kleine Finger zueinander
Gegenstück
der Ristgriff
Vorgeschrieben bei
Strecksturzhang rücklings im Athletiktest

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Kammgriff, Bedeutung und Grammatik Duden
  2. Griffarten im Turnen KNSU, Universität Koblenz
  3. Athletische Tests Gerätturnen männlich, AK 7 bis 18 Deutscher Turner-Bund
  4. Grundlegende Gesichtspunkte zum Gerätturnen Sportskript, SC Gerätturnen Berlin

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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