Hüft-Umschwung vorlings
Auch: Hüftumschwung vorlings rückwärts · Hüftumschwung rückwärts · Hüft-Umschwung rw.
Ganze Drehung rückwärts um die Reckstange aus dem Stütz vorlings zurück in den Stütz.
Der Hüftumschwung rückwärts ist eine Rotation über 360 Grad um die Stange aus dem Stütz in den Stütz. [2] Die Schulter wird dabei nach hinten unten beschleunigt, nachdem sie die obere Senkrechte passiert hat. [2] Weil Ausgangs- und Endlage gleich sind, zählt er in der Systematik zu den Umschwungbewegungen und nicht zu den Aufschwüngen. [4] Am Reck ist er nach dem Aufschwung das zweite große Element, das Kinder lernen, und er bereitet fast alles vor, was danach kommt. [2]
Der Ablauf aus dem Rückschwung
Die gängige Form beginnt mit einem Rückschwung. Danach schwingt der gestreckte Körper wieder an die Reckstange zurück; bei Berührung wird die Hüfte leicht gebeugt und die Schultern werden zurückgenommen, wodurch die Rückwärtsdrehung eingeleitet wird. [1] Während der Drehung drücken die Hände mit gestreckten Armen das Reck im Ristgriff an die Oberschenkel. [1] Der Kopf ist etwas nach vorn geneigt, um ein Rückschlagen in den Nacken zu vermeiden. [1] Durch das Strecken der Hüfte endet die Übung im Stütz. [1]
Die drei Qualitätsmerkmale
Die Schulunfallkasse nennt drei Punkte: gestreckte Arme, den Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule oder leicht nach vorn geneigt, und einen gestreckten Körper mit nur minimaler Hüftbeugung. [1] Die österreichische Materialsammlung formuliert denselben Kern als Kindermerksatz: Nach dem Schwungholen bleibt der Körper gestreckt, bis die Hüften die Stange berühren, dann werden die Beine nach vorne geklappt und die Schulter nach hinten gedrückt. [3] Wer stattdessen die Hüfte stark beugt, dreht mit dem Oberkörper vorwärts und mit dem Rest rückwärts, und beide Drehungen heben sich gegenseitig auf. [2]
Warum Kinder die Knie beugen dürfen
Im Lernprozess ist gebeugtes Turnen ausdrücklich erlaubt. Den Übenden wird zunächst zugestanden, die Knie während der Umschwungbewegung zu beugen, weil die Körperteile so näher an die Drehachse rücken und die Drehung leichter gelingt. [2] Nach und nach werden die Knie mehr gestreckt, die Rundrückenposition mit der passenden Kopfhaltung bleibt aber erhalten. [2] Dass die Annäherung des Körperschwerpunkts an die Drehachse zur Drehbeschleunigung führt, ist der physikalische Kern jeder Umschwungbewegung. [4]
Das Steuern über den Bein-Rumpf-Winkel
Fortgeschrittene steuern den Umschwung sehr fein. Der Schwung soll so gelenkt werden, dass entweder der ruhige Stütz erreicht wird oder ein Schwungüberschuss für das Folgeelement übrig bleibt. [2] Gesteuert wird über den Zeitpunkt, an dem der Bein-Rumpf-Winkel geöffnet wird: Kleiner werden beschleunigt, größer werden bremst. [2] Die Kopfhaltung mit dem Kinn auf der Brust bleibt während der Drehung erhalten und kann zum Entschleunigen wieder in die neutrale Position wechseln. [2]
Helfen und Sichern
Beim Umschwung greift die Hilfe unter der Stange durch. Die Helfenden müssen frühzeitig unter dem Reck durchgreifen und an Rücken oder Oberschenkelrückseite fassen, um die Drehbewegung zu unterstützen; bei Bedarf wird der Stütz zusätzlich am Oberarm abgesichert. [1] Die zweite verbreitete Form arbeitet an Schulter und Oberschenkel: Die hintere Hand bewegt die Schulter nach hinten unten, die vordere Hand liegt an der Rückseite des Oberschenkels, danach übernimmt die hintere Hand wieder und bremst oder zieht. [2]
Der Trick mit dem Seil
Es gibt einen bekannten Behelf für Gruppen ohne genug Helfer. Die Übenden sitzen während der Umschwungbewegung auf einem Seil, das entweder an beiden Seiten vom Griff festgehalten oder beidseitig gut verknotet wird; damit werden die entstehenden Fliehkräfte zumindest teilweise kompensiert. [2] Die Möglichkeit, die Beine anzuwinkeln, bleibt dabei erhalten. [2] Am Boden lässt sich derselbe Rhythmus vorbereiten: Eine quer aufgestellte und von zwei Helfern gesicherte Weichbodenmatte kippt um, wenn das Kind mit gespanntem Körper dagegen fällt. [1]
Vorübungen am Gerät
Der Einstieg gelingt meist ohne Schwung. Die Hilfestellung dreht den anfangs leicht überstreckten Körper an Schulter und Oberschenkel um die Stange, wobei der Körper aus der überstreckten in die runde Position übergeht. [2] Eine einfache Vorform verlangt, aus dem Stütz mit einem Bein an die Wand zu steigen und das zweite vorbeizuschwingen, bis man wieder im Stütz ist, und das mehrmals hintereinander. [3] Danach heißt die Anweisung: Den Körper in der Hüfte beugen, die Beine kräftig nach hinten oben schwingen und dabei die Schulter nach hinten drücken. [3]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Gerätturnen in der Schule, DGUV Information 202-114 Unfallkasse Nordrhein-Westfalen
- Methodische Hinweise Reck School in Motion, schuleturnt.de
- Reck, methodischer Aufbau der Grundfertigkeiten im Gerätturnen Gesund und Munter, Bewegungsmaterialien
- Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.