Hockwende
Auch: Hockwende zum Stand · Wende gehockt
Beinschwungbewegung, bei der die gehockten Beine mit einer Vierteldrehung über das Gerät geführt werden.
Die Hockwende ist eine Beinschwungbewegung, bei der der Turnende die gehockten Beine mit einer Vierteldrehung über das Gerät führt und seitlich davon landet. Die KNSU zählt sie zu den Beinschwungbewegungen und führt sie als Element 87 ausdrücklich für den Barren. [1] Beinschwungbewegungen sind Übungen mit Hang oder Stütz, mit denen ein Wechsel des Verhaltens zum Gerät durch schwungvolle Beintätigkeit erreicht wird. [1] Sie können einbeinig, also spreizend, oder beidbeinig ausgeführt werden, und im zweiten Fall hockend, bückend, grätschend, flankend, kehrend oder wendend. [1] Die Hockwende verbindet zwei dieser Möglichkeiten. [1]
Wende und Kehre
Die beiden Begriffe bezeichnen entgegengesetzte Drehrichtungen. Bei einer Wende führt der Turnende die Beine so über das Gerät, dass er ihm während der Bewegung zugewandt bleibt; bei einer Kehre dreht er sich vom Gerät weg. [1] Beide gehören zu den beidbeinigen Beinschwungbewegungen und stehen in der Systematik nebeneinander. [1] Am Pauschenpferd bilden Kehr- und Wendeschwünge sogar eine eigene Elementgruppe. [4] Wer die Richtungen verwechselt, turnt ein anderes Element, als er angemeldet hat. [2]
Die Anerkennungskriterien
Als Abgang ist die Hockwende genau beschrieben. Verlangt sind ein dynamischer Rückschwung, beim Stützen gestreckte Arme mit sofortigem Abdruck, gehockte Beine, eine Landung im Querstand und eine aktive Landung. [2] Nicht anerkannt wird sie, wenn die Bewegung durch Berühren des Gerätes unterbrochen wird, wenn statt der Wende eine Flanke geturnt wird oder wenn die Drehung nach der 45-Grad-Regel nicht vollendet ist. [2] Drei Ausschlussgründe für ein einziges Element zeigen, wie genau hier hingesehen wird. [2]
Der Unterschied zur Hocke
Direkt neben der Hockwende steht im Leitbild die einfache Hocke zum Stand. Für sie gelten fast dieselben Merkmale: dynamischer Rückschwung, gestreckte Arme beim Stützen mit sofortigem Abdruck, gehockte Beine und eine aktive Landung. [2] Der einzige Unterschied liegt in der Drehung und damit in der Landerichtung. [2] Bei der Hocke wird zusätzlich das sogenannte Durchschieben als Nichtanerkennungsgrund genannt, also das Hindurchschieben der Beine statt eines echten Abdrucks. [2] Beide Elemente sind der Basisstufe und dem Schulbereich zugeordnet. [2]
Der sofortige Abdruck
Das entscheidende Detail steckt im Wort sofortig. Die Hände sollen das Gerät nur kurz berühren und sich unmittelbar wieder lösen, weil ein längeres Stützen die Bewegung anhält und aus dem Schwungelement ein Kraftelement macht. [2] Gestreckte Arme sind dafür Voraussetzung, denn nur aus dem gestreckten Arm lässt sich abdrücken. [2] Beugt der Turnende die Arme, sinkt der Körper ab und die Beine kommen nicht mehr über das Gerät. [1]
Die Impulsübertragung
Der Antrieb kommt aus den Beinen. Bei Beinschwungbewegungen ist die Hauptfunktionsphase durch elementspezifische Körperhaltungen und Beinschwünge gekennzeichnet, wobei eine Impulsübertragung von den Beinen auf den gesamten Körper erfolgt. [1] Dadurch wird der Krafteinsatz der Arme, der für die Verlagerung des Schultergürtels sonst nötig wäre, verringert. [1] Genau deshalb gelingt die Hockwende auch Turnenden, die für ein Kraftelement noch nicht stark genug sind. [1] Die Merkmale solcher Übungen sind häufig an Elemente weiterer Strukturgruppen gekoppelt. [1]
Am Barren
Am Barren erscheint die Hockwende sowohl im Verlauf einer Übung als auch als Abgang. Die Symbolschrift vermerkt eigens, wenn ein Abgang am Barrenende geturnt wird, weil dies die Wertigkeit des Elements verringert. [3] In der Elementgruppe der Abgänge orientieren sich die Symbole an denen der anderen Geräte und sind vorrangig durch die Kernelemente am Boden festgelegt. [3] Damit ist die Hockwende ein Element, das mit derselben Notation an mehreren Geräten auftaucht. [3]
Im Schulturnen
Für den Unterricht ist die Hockwende ein dankbares Ziel. Sie braucht weder Flugphase noch Drehung um die Breitenachse, sondern nur Schwung, Stützkraft und Mut zur Vierteldrehung. [2] Weil sie sich an niedrigen Geräten und über einen Kasten vorbereiten lässt, steht sie in vielen Lehrplänen früh. [1] Voraussetzung bleibt ein sicherer Rückschwung im Stütz, denn ohne Amplitude kommen die Beine nicht über das Gerät. [2] Die Landung im Querstand muss dabei von Anfang an mitgeübt werden. [2]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
- Leitbilder Reck und Stufenbarren, Turn10 Schwäbischer Turnerbund
- Symbolheft für das Gerätturnen der Männer Fédération Internationale de Gymnastique
- Grundlegende Gesichtspunkte zum Gerätturnen, Sportskript SC Gerätturnen Berlin
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.