Hocksprung
Auch: Sprung mit Hocken
Sprung, bei dem beide Knie in der Flugphase deutlich angezogen und wieder geöffnet werden.
Der Hocksprung ist ein Sprung, bei dem beide Knie in der Flugphase angezogen werden. In der Bewegungssystematik erscheint er als Sprung mit Hocken unter den Sprungbewegungen, am Schwebebalken zusätzlich als Hocksprung und als Hocksprung im Abgang. [1] Er gehört damit zu den wenigen Elementen, die an mehreren Geräten in nahezu gleicher Form vorkommen. Sein Reiz liegt darin, dass er wenig Voraussetzungen verlangt und trotzdem sofort sichtbar macht, wie viel Sprunghöhe vorhanden ist.
Die Position muss sichtbar sein
Für die Wertung zählt die Erkennbarkeit. In den Bewertungsleitbildern für den Sprung gilt als Optimalausführung, dass in der Hockposition die Beine geschlossen sind, und nicht anerkannt wird ein Element, bei dem keine Hockposition erkennbar ist. [4] Übertragen auf den Hocksprung heißt das: Ein angedeutetes Anwinkeln genügt nicht, die Knie müssen deutlich zum Körper kommen. Zugleich müssen sie rechtzeitig wieder geöffnet werden, damit die Landung auf den Füßen erfolgt. [4]
Warum Höhe alles bestimmt
Die Position braucht Zeit, und Zeit heißt Höhe. Je höher der Sprung, desto mehr Zeit bleibt für die Positionen wie Hocksprung oder Spreizsprung. [2] Wer flach springt, hockt entweder gar nicht oder öffnet zu spät und landet mit gebeugten Knien. Deshalb wird im Aufbau zuerst die Sprunghöhe entwickelt und danach die Form in der Luft. Gefordert sind dafür Explosivkraft, ein prellender Absprung, Mittelkörperstabilität und nachgebende Kraft für die Landung. [2]
Der Absprung
Der Hocksprung wird beidbeinig gesprungen. Bei einfachen Sprüngen wie ihm werden eine gute Sprungkraft und eine Impulsübertragung durch abgebremsten Armschwung benötigt. [2] Der Arm schwingt nach vorne oben und wird gestoppt, sobald die Füße den Boden verlassen, sodass der Impuls in den Rumpf übergeht. [1] Erst danach werden die Knie angezogen. Wer beides gleichzeitig macht, verliert Höhe, weil das Anhocken den Körperschwerpunkt nicht anhebt, sondern nur die Beine bewegt.
Im Elementkatalog
Als Wertungselement ist der Hocksprung mehrfach verankert. Die nationale Elementeliste des Gerätturnens weiblich führt ihn am Boden und am Schwebebalken jeweils als nationales Element mit einem Schwierigkeitswert von fünf Hundertsteln. [3] Am Balken steht er in der Grundliste, am Boden ebenfalls. [3] Er ist damit eines der wenigen Elemente, die ohne Rotation und ohne Handstütz gewertet werden, und für viele Turnende das erste eigene Wertungselement überhaupt.
Am Schwebebalken
Auf zehn Zentimetern Breite verändert sich die Aufgabe. Der Hocksprung erscheint dort sowohl als Element innerhalb der Übung als auch als Hocksprung im Abgang. [1] Die Schwierigkeit liegt weniger im Sprung als in der Landung, denn der Turnende muss nach dem Öffnen der Knie exakt auf dem Balken aufkommen. Deshalb wird er dort zunächst auf einer Linie am Boden, danach auf einer Turnbank und erst zuletzt auf dem Balken geturnt. [2]
Typische Fehler
Die Fehlerbilder entsprechen denen aller vertikalen Absprünge. Genannt werden Vorlage beim Absprung, steife Landung, ungenügende Impulsübertragung durch schlechten Rhythmus, unzureichende Voraussetzungen in Kraft und Beweglichkeit sowie fehlende Mittelkörperstabilität. [2] Beim Hocksprung kommt der spezifische Fehler des zu späten Öffnens hinzu, bei dem die Knie noch angezogen sind, während die Füße bereits den Boden erreichen. Das führt zu einer harten Landung mit gebeugten Beinen. [4]
Im Unterricht
Für die Schule ist der Hocksprung ein dankbares Element. Er lässt sich in großen Gruppen aus dem Sitz auf Langbänken üben, partnerweise mit vorgegebenen Pausen oder im Stationstraining als Zirkel. [2] Weil er weder Gerät noch Hilfestellung braucht, eignet er sich als Einstieg in jede Turnstunde. Zugleich schult er genau den Absprung, der später für Sprungrolle, Überschlag und Salto gebraucht wird. [1] Wenige Elemente liefern in so kurzer Zeit so viel Grundlage, und keines davon braucht so wenig Aufbau. [2] Für die Bewertung genügt am Ende eine erkennbare Hockposition und eine kontrollierte Landung auf beiden Füßen. [4]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
- Methodische Hinweise zur Umsetzung im Sportunterricht, Boden Schule TURNT, Deutscher Turner-Bund
- Gerätturnen weiblich, Nationale Elemente 2024 Kari-Turnen, Technisches Komitee Gerätturnen
- Turn10, Leitbilder Sprung Deutscher Turner-Bund
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.