Helfereinweisung
Auch: Einweisung der Helfenden · Helferbriefing
Vorbereitung der helfenden Personen auf Griff, Ansatzstelle, Funktion und Zeitpunkt der Hilfestellung.
Ohne Einweisung ist Hilfestellung Glückssache. Um dem Turnenden Sicherheit zu geben und möglichen Fehlern vorzubeugen, muss der Helfende genau in den gewünschten Helfergriff eingewiesen werden. [1] Weil alle Helfergriffe an verschiedenen Körperteilen angesetzt werden können und das Helfen auf unterschiedliche Art möglich ist, muss vor dem Helfen klar sein, wie das Helfen erfolgen soll. [1] Die Einweisung klärt genau das. [1] Sie ist damit kein Beiwerk, sondern Voraussetzung. [1]
Die fünf Anforderungen
Die Systematik nennt fünf Punkte, auf die zu achten ist. Der Helfende muss den gewünschten Helfergriff und dessen Funktion kennen, sich des auszuführenden Turnelements bewusst sein, weder an Gelenken noch an der Wirbelsäule stützen, den Turnenden aktiv unterstützen und sich nah am Turnenden befinden. [1] Die dritte Bedingung ist eine reine Sicherheitsregel, die übrigen betreffen die Wirksamkeit. [1] Alle fünf gelten für jeden der sechs Helfergriffe gleichermaßen. [1]
Die sechs Fragen
Vor jeder Hilfe sind sechs Dinge zu klären. Wichtig ist zu wissen, welcher Helfergriff bei welchem Element Anwendung findet, an welchem Körperteil er angesetzt wird, welche Art des Helfens gewählt wird, über welchen Zeitraum die Hilfe angewandt wird, zu welchem Zeitpunkt sie beginnt und endet und in welche Richtung sie auszuführen ist. [1] Erst wenn alle sechs Punkte beantwortet sind, ist die Hilfe planbar. [1] Sie bilden zusammen die Checkliste jeder Einweisung. [1]
Die Diskussion unter Helfenden
Einweisung ist kein Vortrag, sondern ein Gespräch. Die Helfer sollten die verschiedenen Möglichkeiten des Helfens diskutieren, wobei es um die Auswahl des Helfergriffes, um das Ansetzen des Griffes am Körper und die Art des Helfens zu welchem Zeitpunkt gehen muss. [1] Können die Helfer diese Aufgabe nicht selbstständig lösen, muss die Lehrkraft eine Variante vorgeben. [1] Damit wird das Helfen zugleich zu einem Lerninhalt für die Helfenden. [3]
Warum Helfen Unterrichtsinhalt ist
Die Fähigkeit zu helfen gehört zur Sportart. Die Handlungsfähigkeit im Gerätturnen umfasst ausdrücklich den Bereich des Helfens, Sicherns und Korrigierens neben dem bewegungstechnischen, konditionellen und organisatorischen Bereich sowie dem Gestalten, Wettkämpfen und Bewerten. [3] Ziel ist, dass der Unterricht von den Turnenden mitorganisierend, teils selbstorganisierend und mitverantwortlich getragen werden kann. [3] Wer einweisen kann, hat die Bewegung verstanden. [1]
Die Regeln im Unterricht
Neben der Einweisung stehen allgemeine Regeln. Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen sollten Regeln aufgestellt werden, die beim Gerätturnen zu beachten sind, um Unfälle zu verhindern; diese Unterweisung ergänzt die individuelle Helfereinweisung. [4] Dazu kommt die passende Aufsicht, die zu den wichtigsten und wirksamsten Präventionsmaßnahmen zählt. [4] Beides zusammen bildet den organisatorischen Rahmen. [4]
Das Verbot der Gelenkstütze
Eine Regel ist absolut. Der Helfende darf weder an Gelenken noch an der Wirbelsäule stützen. [1] Der Grund liegt darin, dass Gelenke unter Belastung nur in bestimmte Richtungen beweglich sind und ein Griff sie in eine andere Richtung zwingen kann. [4] Die Wirbelsäule wiederum ist gegen seitlichen Druck besonders empfindlich. [4] Gefasst wird deshalb an Oberarm, Oberschenkel, Hüfte, Becken oder Rumpf. [1]
Die Nähe
Die letzte Anforderung wird am häufigsten übersehen. Der Helfende muss sich nah am Turnenden befinden, weil ein Griff über Distanz nicht rechtzeitig greift. [1] Grundsätzlich ist der bewegungsbegleitenden Sicherung gegenüber der abwartenden Sicherheitsstellung der Vorrang zu geben. [3] Beim Helfen wird aktiv in die Bewegung eingegriffen, beim Sichern dagegen nur im Notfall. [2] Wer zu weit weg steht, kann weder das eine noch das andere leisten. [1] Fehlende oder unzureichende Hilfestellung wird ausdrücklich als Unfallursache beim Turnen am Gerät genannt, neben unzureichender Stützkraft, fehlender Körperspannung und falschem Griff. [3] Wer richtig hilft, senkt das Risiko also nachweisbar. [3] Genau deshalb gehört das Helfen in jede Turnstunde. [1]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Helfergriffe und Arten des Helfens KNSU, Universität Koblenz
- Geräteturnen, Definition Helfen und Sichern mobilesport.ch, Bundesamt für Sport
- Grundlegende Gesichtspunkte zum Gerätturnen, Sportskript SC Gerätturnen Berlin
- Gerätturnen in der Schule, DGUV Information 202-114 Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.