Helfen, Sichern & Sicherheit

Helfen und Sichern

Auch: Hilfestellung · Helfen im Gerätturnen

Manuelle Unterstützung eines Turnenden während einer Bewegung, unterschieden nach Helfergriff, Ansatzstelle und Art der Hilfe.

Helfen ist im Gerätturnen eine eigene Fertigkeit, die gelernt sein will. Es geht dabei um das Helfen als manuelle Tätigkeit, also um die Frage, welche Helfergriffe es gibt und wie sie in unterschiedlichsten Turnsituationen angewendet werden. [1] Dazu kommen die Arten des Helfens und die Ansatzstellen der Helfergriffe am Körper. [1] Alle Helfergriffe können an verschiedenen Körperteilen angesetzt werden, weshalb vor dem Helfen klar sein muss, wie das Helfen erfolgen soll. [1] Wer einfach zugreift, hilft im Zweifel nicht, sondern stört. [1]

Die sechs Griffe

Die Systematik kennt sechs Helfergriffe. Genannt werden der halbe Klammergriff, der Klammergriff, der Dreh-Klammergriff rückwärts, der Dreh-Klammergriff vorwärts, der Kleidergriff und der Tragegriff. [1] Jeder von ihnen lässt sich an verschiedenen Körperstellen ansetzen, etwa am Oberarm, am Oberschenkel, an der Hüfte oder am Oberkörper. [1] Die Kombination aus Griff und Ansatzstelle ergibt die konkrete Hilfestellung für ein bestimmtes Element. [1] Deshalb gibt es keine allgemeingültige Hilfe, sondern immer eine für dieses eine Element. [1]

Die sechs Arten des Helfens

Der Griff sagt noch nichts darüber, was er bewirken soll. Der eingesetzte Helfergriff hat immer eine Funktion oder mehrere Funktionen in Kombination, und die Funktion der Hilfe kennzeichnet die Art des Helfens. [1] Unterschieden werden die Schubhilfe zum Schieben, die Stabilisierungs- oder Gleichgewichtshilfe zum Stabilisieren, die Zughilfe zum Ziehen, die Drehhilfe zum Drehen, die Tragehilfe zum Tragen und die kombinierte Hilfe, etwa Schieben und Drehen zugleich. [1] Wird also geschoben, spricht man von Schubhilfe. [1]

Die sechs Fragen vor dem Helfen

Vor jeder Hilfestellung sind sechs Dinge zu klären. Wichtig ist zu wissen, welcher Helfergriff bei welchem Element Anwendung findet, an welchem Körperteil er angesetzt wird, welche Art des Helfens gewählt wird, über welchen Zeitraum die Hilfe angewandt wird, zu welchem Zeitpunkt sie beginnt und endet und in welche Richtung sie auszuführen ist. [1] Erst wenn alle sechs Punkte geklärt sind, ist die Hilfe verlässlich. [1] Die Helfer sollten diese Fragen gemeinsam besprechen. [1]

Die Einweisung

Helfende brauchen eine Einweisung. Um dem Turnenden Sicherheit zu geben und möglichen Fehlern vorzubeugen, muss der Helfende genau in den gewünschten Helfergriff eingewiesen werden. [1] Dabei ist darauf zu achten, dass der Helfende den gewünschten Griff und dessen Funktion kennt, sich des auszuführenden Turnelements bewusst ist, weder an Gelenken noch an der Wirbelsäule stützt, den Turnenden aktiv unterstützt und sich nah am Turnenden befindet. [1] Können die Helfer die Auswahl nicht selbstständig treffen, muss die Lehrkraft eine Variante vorgeben. [1]

Sichern ist etwas anderes

Helfen und Sichern sind zwei verschiedene Tätigkeiten. Während beim Helfen aktiv in die Bewegung eingegriffen wird, bedeutet Sichern, bereitzustehen und nur im Notfall einzugreifen. [2] Grundsätzlich ist dabei der bewegungsbegleitenden Sicherung gegenüber der abwartenden Sicherheitsstellung der Vorrang zu geben. [4] Die Helfer sollten außerdem nicht in der Schwunglinie des Turnenden stehen, und ausreichend Matten müssen den Raum unter dem Gerät sichern. [4]

Warum es zur Sicherheit gehört

Fehlende oder unzureichende Hilfestellung ist eine dokumentierte Unfallursache. Die Schulunfallkasse nennt sie ausdrücklich neben unzureichender Stützkraft und falscher Hand- oder Armhaltung als Grund für Unfälle beim Turnen am Gerät. [3] Beim Abgang vom Gerät kommen ungeeignete Landematten, eine schlechte Mattenauslage mit Stolperstellen und Lücken sowie mangelnde Konzentration auf die Landung hinzu. [3] Wer hilft, senkt also nachweislich das Risiko. [3]

Helfen als Unterrichtsinhalt

Das Helfen ist nicht nur Mittel, sondern Lerninhalt. Die Handlungsfähigkeit im Gerätturnen umfasst ausdrücklich auch den Bereich des Helfens, Sicherns und Korrigierens neben dem bewegungstechnischen, konditionellen und organisatorischen Bereich. [4] Ziel ist, dass der Unterricht von den Turnenden mitorganisierend, teils selbstorganisierend und mitverantwortlich getragen werden kann. [4] Wer helfen kann, versteht die Bewegung besser, weil er ihren Ablauf antizipieren muss. [1]

Auf einen Blick

Sechs Helfergriffe
halber Klammergriff, Klammergriff, Dreh-Klammergriff vorwärts und rückwärts, Kleidergriff, Tragegriff
Sechs Arten
Schub-, Stabilisierungs-, Zug-, Dreh-, Trage- und kombinierte Hilfe
Verbot
nie an Gelenken oder an der Wirbelsäule stützen

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Helfergriffe und Arten des Helfens KNSU, Universität Koblenz
  2. Geräteturnen, Definition Helfen und Sichern mobilesport.ch, Bundesamt für Sport
  3. Gerätturnen in der Schule, DGUV Information 202-114 Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
  4. Grundlegende Gesichtspunkte zum Gerätturnen, Sportskript SC Gerätturnen Berlin

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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