Elemente am Boden

Handstand abrollen

Auch: Handstand mit Abrollen · Handstandabrollen

Verbindung aus Handstand und Rolle vorwärts, bei der der Körper aus der Senkrechten mit rundem Rücken abrollt und ohne Hände aufsteht.

Das Handstandabrollen verbindet zwei bereits bekannte Elemente zu einem neuen. Aus dem geraden Handstand fällt der Turnende mit möglichst gestreckten Armen über, das Kinn geht zur Brust in die Rundrückenposition, danach folgen Abrollen und Aufstehen durch Anhocken wie bei der Rolle vorwärts. [1] Die Systematik führt drei Varianten, nämlich das Handstandabrollen über den Grätschstand sowie mit gestreckten und mit gebeugten Armen. [2] Damit ist es das erste Element, in dem eine gehaltene Position in eine Rotation übergeht.

Die Voraussetzungen

Ohne fünf Fähigkeiten gelingt die Verbindung nicht. Genannt werden Körperkontrolle, Stützkraft, Mittelkörperkraft in der überstreckten und in der gerundeten Position, ein offener Arm-Rumpf-Winkel, Gleichgewichtsfähigkeit und das Aufstehen durch Anhocken. [1] Der Handstand muss dabei bereits bekannt und die Voraussetzungen dafür erarbeitet sein. [1] Wer im Handstand noch wackelt, kann den Moment des Überfallens nicht steuern und fällt statt zu rollen. Deshalb steht dieses Element nach dem Handstand und nicht daneben.

Der methodische Weg

Erarbeitet wird die Bewegung im Baukastensystem. Genutzt werden die Vorübungen für Rolle vorwärts, Handstand und Felgrolle, und begonnen wird von hinten, also mit dem Schiffchen in Rundrückenposition, dem Schaukeln und dem Aufstehen. [1] An der Sprossenwand folgen Hände an der Wand in Rückenlage und Kerze mit geraden Armen, danach Abrollen und Aufstehen. [1] Anschließend wird aus dem Liegestütz an einer Wand hochgelaufen und mit Sicherheitsstellung abgerollt. [1]

Das Überfallen üben

Der Übergang von der Senkrechten in die Rotation ist der Kern. Geübt wird das Überfallen mit gestreckten Armen in der Rundrückenposition, also mit dem Kopf auf der Brust wie zuvor bei der Kerze, wobei die Hilfestellung bremst und dem Lernenden dadurch Zeit gibt. [1] Danach folgt die Wiederholung des Aufschwingens zum flüchtigen Handstand mit Hilfe, und erst zuletzt das Aufschwingen zum Handstand mit anschließendem Abrollen. [1] Der Aufbau trennt damit konsequent die beiden Teilbewegungen.

Mit dem Kasten als Erleichterung

Auch der Weg über eine Erhöhung ist erprobt. Ein Kind legt sich mit dem Bauch auf den Kasten, sodass der Hüftknick genau am Kastenrand liegt, setzt die Hände schulterbreit am Boden auf und drückt sich fest und weit vom Boden weg, während Helfende die Beine bis zur Senkrechten heben. [3] Aus dieser Position folgt das Abrollen, indem die Schultern nach vorn geschoben, die Arme leicht gebeugt und der Blick auf die Füße gerichtet wird. [3] Alternativ wird an der Wand hochgegangen und von dort abgerollt. [3]

Hilfestellung

Die Hilfe begleitet die gesamte Bewegung. Sie steht seitlich, arbeitet allein oder zu zweit, hilft im Aufschwung, stabilisiert im Handstand und bremst beim Abrollen. [1] Davon zu unterscheiden ist die Sicherheitsstellung, bei der die Helfenden zu allem bereit sind, aber nicht aktiv eingreifen. [1] Der Übergang von der aktiven Hilfe zur Sicherheitsstellung markiert den Lernfortschritt und ist damit selbst ein methodischer Schritt. Erst danach wird frei geturnt.

Typische Fehler

Neben den Fehlern der Rolle vorwärts gibt es zwei eigene. Sind die Arme gebeugt, entsteht ein senkrechter Fall auf die Schulterpartie, es wird nicht gerollt und der Turnende kommt nicht zum Stand. [1] Ist das Kinn gerade oder hoch, bleibt der Rücken gerade und die Rundung fehlt, die für das Abrollen nötig ist. [1] Beide Fehler haben dieselbe Ursache, nämlich eine zu späte oder fehlende Umstellung von der gestreckten in die gerundete Körperposition. [1]

Im Wettkampf

In den Bewertungsleitbildern erscheint das Element als Erweiterung des Handstands. Für den Handstand selbst gelten ein Schulterwinkel von 180 Grad, gestreckte Arme, ein gestreckter Körper ohne Hohlkreuz, geschlossene Beine und eine Fixierung der Position über zwei Sekunden. [4] Im nationalen Elementkatalog steht das Aufschwingen zum flüchtigen Handstand ausdrücklich auch mit Abrollen. [4] Die Kombination ist damit sowohl Schulelement als auch anerkanntes Wettkampfteil in den unteren Leistungsklassen.

Auf einen Blick

Ablauf
aus dem geraden Handstand überfallen, Kinn zur Brust, abrollen
Zwei Formen
mit gestreckten und mit gebeugten Armen
Häufigster Fehler
gebeugte Arme und dadurch senkrechter Fall auf die Schulter

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Methodische Hinweise zur Umsetzung im Sportunterricht, Boden Schule TURNT, Deutscher Turner-Bund
  2. Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
  3. Bodenturnen, methodischer Aufbau der Grundfertigkeiten im Gerätturnen Gesund und Munter, Bewegungsmaterialien
  4. Nationale Elemente und häufige A, B, C-Teile, Boden Kari-Turnen, Kampfrichterwesen

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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