Haltezeit
Auch: Haltedauer · Zwei-Sekunden-Regel
Vorgeschriebene Dauer, die ein Halteelement gehalten werden muss, damit es als Wertteil zählt.
Die Haltezeit trennt eine Position von einer Durchgangslage. Wer eine Standwaage nur streift, zeigt kein Halteteil, sondern eine Bewegung. [1] Deshalb schreibt das Regelwerk für Halteelemente eine Mindestdauer vor. [1] Alle Halteelemente müssen mindestens zwei Sekunden gehalten werden; weniger als zwei Sekunden kosten 0,3 Punkte, gar kein Halt 0,5 Punkte und zusätzlich die Anerkennung des Elements. [1] Diese Regel stammt aus dem Ringeteil des Regelwerks und gilt sinngemäß an allen Geräten. [1] Sie ist eine der wenigen Vorgaben, die sich in Sekunden messen lassen. [1] Genau das macht sie gut überprüfbar. [1] Für Turnende bedeutet sie einen spürbaren Kraftaufwand. [1] Zwei Sekunden sind in einer Halteposition lang. [4]
Die Elementgruppen an den Ringen
An einem Gerät prägt die Haltezeit die ganze Systematik. An den Ringen verlangen drei der vier Elementgruppen jeweils zwei Sekunden Haltezeit: die Schwungelemente zum Handstand, die Kraft- und Halteelemente und die Schwung- zu Kraftelemente. [1] Nur die Abgänge kommen ohne Haltezeit aus. [1] Damit ist die Zwei-Sekunden-Regel an den Ringen keine Randbedingung, sondern die zentrale Anforderung. [1] Sie erklärt, warum das Gerät als das kraftaufwendigste gilt. [1]
Wie die Position erreicht werden muss
Nicht nur die Dauer zählt, auch der Weg dorthin. Haltepositionen müssen direkt, mit gestreckten Armen und ohne Positions- und Haltungskorrekturen erreicht werden. [1] Bei Bewegungen in ein Krafthalteelement dürfen die Schultern oder der Körper nicht über das Niveau der Endlage angehoben werden. [1] Ist die Abweichung größer als 45 Grad, wird das Element nicht anerkannt und mit 0,5 Punkten belegt, wobei die Halteposition selbst anerkannt werden kann, wenn sie die technischen Anforderungen erfüllt. [1]
Zu langes Halten
Auch das Gegenteil ist ein Fehler. Ein Halt von mehr als zwei Sekunden bei einem nicht aufgeführten Element wird jedes Mal mit 0,1 Punkten abgezogen; als Beispiele nennt das Regelwerk den Kipphang, den Sturzhang und den Hang rücklings. [1] Halten ist also nur dort erlaubt, wo es vorgesehen ist. [1] Am Pauschenpferd darf der Übungsfluss zu keinem Zeitpunkt unterbrochen werden. [3] Am Reck muss eine Übung ausschließlich aus Schwungelementen ohne jeden Halt oder Pausen bestehen. [2]
Am Schwebebalken
Auch im Breitensport gilt die Regel. Das Leitbild verlangt für die Standwaage, die Arabesque und den Handstand jeweils zwei Sekunden Haltedauer. [4] Nicht anerkannt werden sie bei einer Haltedauer unter einer Sekunde. [4] Damit gibt es dort zwei Schwellen: unter zwei Sekunden Abzug, unter einer Sekunde keine Anerkennung. [4] Für den Handstand kommt hinzu, dass eine erkennbare Fixierung in der senkrechten Position vorliegen muss. [4]
Am Barren
Dieselbe Vorgabe gilt für den Oberarmstand. Das Leitbild verlangt eine Haltedauer von zwei Sekunden, einen in der Senkrechten gestreckten Körper und Schultern auf Höhe der Holmoberkante. [4] Nicht anerkannt wird die Position bei einem Einhängen in die Ellbogen. [4] Für den Winkelstütz und den Grätschwinkelstütz gelten ebenfalls zwei Sekunden, gestreckte Arme und gestreckte, mindestens waagerechte Beine. [4] Unter einer Sekunde entfällt die Anerkennung. [4]
Die Zeitmessung
Gezählt wird ohne Uhr. Anders als bei Übungsdauer oder Karenzzeit, die von Zeitnehmerinnen überwacht werden, schätzen die Kampfrichterinnen die Haltezeit im Moment der Ausführung. [1] Deshalb sind die Schwellen bewusst grob gesetzt: zwei Sekunden für die volle Anerkennung, eine Sekunde als absolute Untergrenze. [4] Ein Halteteil, das sichtbar steht, erfüllt in aller Regel beide Vorgaben. [4] Ein nur gestreiftes nicht. [1]
Warum zwei Sekunden
Die Zahl ist ein Kompromiss aus Sichtbarkeit und Belastung. Kürzer wäre die Position für Zuschauer und Kampfrichter kaum als Halteteil erkennbar, länger würde die Kraftanforderung ins Unverhältnismäßige steigen. [1] Weil Haltepositionen ohne Korrekturen erreicht werden müssen, prüft die Regel zugleich die Kontrolle über den Weg dorthin. [1] Trainingsforschung zeigt, dass sich die Kraft für solche Elemente gezielt entwickeln lässt. [1] Sie ist also erlernbar. [4]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Code de Pointage 2022, Ringe Schwäbischer Turnerbund
- Arbeitshilfe zum Wettkampfprogramm Kür modifiziert, Leistungsklassen 1 bis 4 Kari-Turnen, Gerätturnen weiblich
- Symbolheft für das Gerätturnen der Männer Fédération Internationale de Gymnastique
- Turn10 Leitbild Barren Deutscher Turner-Bund
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.