Halteteil
Auch: statisches Element · Halteelement · Kraftteil
Turnelement, bei dem eine Position im Kräftegleichgewicht gehalten wird, im Wettkampf mindestens zwei Sekunden lang.
Ein Halteteil ist ein Turnelement, bei dem nicht die Bewegung zählt, sondern das Stehenbleiben. Statische Übungen zielen darauf, ein Gleichgewicht zwischen inneren und äußeren Kräften herzustellen, wobei eine bestimmte Körperposition für einen festgelegten Zeitraum gehalten wird. [1] Nach den Wettkampfbestimmungen sind das mindestens zwei Sekunden. [2] Wer früher löst, bekommt das Element nicht anerkannt, so sauber die Position auch war.
Warum zwei Sekunden lang wirken
Zwei Sekunden klingen nach wenig und sind im Turnen sehr viel. Der Körper steht dabei in einer Position, in der Hebel und Schwerkraft maximal gegen ihn arbeiten, etwa im Kreuzhang mit waagerecht ausgestreckten Armen. Jedes Zittern, jedes Absinken der Hüfte und jede Winkelabweichung ist dabei sichtbar, weil kein Schwung den Fehler überdeckt. Halteteile sind deshalb der ehrlichste Teil einer Übung. Hinzu kommt, dass die Zeit erst zählt, wenn die Position wirklich erreicht ist, und nicht schon während des Hineingehens. Wer den Zeitpunkt falsch einschätzt, verliert das Element trotz sichtbarer Anstrengung.
Typische Halteteile
Zu den bekanntesten statischen Elementen zählen der Winkelstütz am Boden, an den Ringen oder am Barren sowie die Schwalbe an den Ringen und am Barren. [2] An den Ringen gilt der Kreuzhang mit ausgestreckten Armen als das kennzeichnende Element überhaupt. [4] Am Boden gehören Handstand und Standwaage dazu, auf dem Schwebebalken kommen Gleichgewichtselemente wie Standwaage und Kniewaage hinzu. An den Ringen verbinden die Übungen ausdrücklich Halte- und Schwungelemente miteinander, sodass beide Fähigkeiten in derselben Übung nachgewiesen werden müssen. [4] Am Pauschenpferd dagegen kommen Halteteile praktisch nicht vor, dort dominiert das ununterbrochene Kreisen.
Der Handstand als Sonderfall
Handstände zählen zu den statischen Übungen, bei denen ein Gleichgewicht von inneren und äußeren Kräften erzielt und die Position für zwei Sekunden gehalten werden soll. [1] Gleichzeitig ist der Handstand die Durchgangsposition unzähliger Schwungelemente. Statische Übungen können nämlich ebenso notwendige Ausgangs- oder Endlagen bestimmter Übungen darstellen. [1] Der Handstand ist damit Halteteil und Werkzeug zugleich.
Schnell oder langsam hinein
Wie eine Halteposition erreicht wird, ist nicht festgelegt. Die notwendigen Teilverlagerungen des Körpers können sowohl langsam als auch schnell erfolgen. [1] Man kann also in den Handstand schwingen, hüpfen oder sich langsam hineindrücken. Für die Wertung macht das einen erheblichen Unterschied, weil der langsame Weg deutlich mehr Kraft verlangt und entsprechend höher eingestuft wird.
Kraft als Voraussetzung
Halteteile sind der Grund, warum Turnen als Kraftsportart gilt. Gefordert sind eine große Vielfalt motorischer Fertigkeiten, dazu Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und koordinative Fähigkeiten. [3] Für Elemente wie den Kreuzhang braucht es jahrelangen, vorsichtigen Aufbau, weil die Belastung fast vollständig auf Schultern, Ellenbogen und Sehnen liegt. Kein anderes Element wird so oft zu früh versucht und so oft mit Beschwerden bezahlt. Im Breitensport haben Kraftteile deshalb wenig verloren, dort genügen Vorformen mit verkürztem Hebel, etwa gebeugte Varianten oder Halten an der Wand. Erst wenn diese Vorformen mühelos gelingen, ist der Weg zum eigentlichen Element sinnvoll.
In der Übung richtig platziert
Weil Halteteile Kraft kosten, entscheidet ihre Platzierung über den Erfolg der ganzen Übung. Wer ein anspruchsvolles Halteelement an den Schluss legt, riskiert, dass die Kraft für den Abgang fehlt. Wer es zu früh setzt, verschenkt Frische für die schwierigen Schwungteile. Die Zusammenstellung einer Kür ist deshalb immer auch eine Frage der Kraftverteilung über die gesamte Übungsdauer. An den Ringen etwa entscheidet die Reihenfolge darüber, ob die Arme im letzten Halteteil noch ruhig bleiben. Trainerinnen planen solche Übungen deshalb rückwärts, vom Abgang her, und setzen die Kraftelemente dorthin, wo sie noch sicher gelingen.
Bewertet wird beides
Halteteile fließen in beide Noten ein. Über die Schwierigkeitsnote zählt, welches Element gezeigt wird, über die Ausführungsnote, wie sauber es steht. Die Ausführungsnote beginnt bei 10,00 Punkten, von denen jeder Fehler abgezogen wird. [3] Bei Halteteilen sind das typischerweise unruhige Positionen, zu kurze Haltezeit oder abweichende Körperwinkel. Ein wackeliger Kreuzhang bringt deshalb weniger als ein sauber gehaltenes, einfacheres Element. Diese Rechnung ist im Turnen der Normalfall: Die Schwierigkeitsnote ist nach oben offen, die Ausführungsnote nicht. [3] Wer Elemente wählt, die er nur knapp beherrscht, verliert am Ende häufig mehr, als er über die Schwierigkeit gewinnt.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
- Kernmodell Technik im Gerätturnen Sportdidaktik, FHNW
- Kunstturnen weiblich Österreichischer Fachverband für Turnen
- Die Geräte Turnier der Meister, Cottbus
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