Bewegungsgruppen & Grundtechniken

Grätschen

Auch: Grätsche · Aufgrätschen

Beidbeinige Beinschwungbewegung mit seitlich geöffneten Beinen, die als Aufgang, Sprungform und Elementmerkmal vorkommt.

Grätschen ist die beidbeinige Beinschwungbewegung mit seitlich geöffneten Beinen. Sie steht in der Systematik neben dem Hocken, Bücken, Flanken, Kehren und Wenden als eine der beidbeinigen Ausführungen. [1] Am Reck erscheint sie als Aufgrätschen, also als Aufgang in den Stütz mit gegrätschten Beinen, und in Verbindung mit einer anderen Kernaktion als Aufgrätsch-Felgunterschwung. [1] Am Sprunggerät ist die Grätsche eine der beiden klassischen Sprungformen neben der Hocke. Das Wort gehört damit zum Grundwortschatz an fast allen Geräten.

Ein Wort von Jahn

Der Grätschsprung gehört zum ältesten Bestand der Turnsprache. Von Friedrich Ludwig Jahn stammen die Bezeichnungen Kehre, Wende, Spreize, Kreis, Schere, Mühle, Rad, Schraube sowie Hock- und Grätschsprung, und diese Bezeichnungen sind auch heute noch Bestandteile der Turnterminologie. [2] Beibehalten wurden bei der Neufassung jene Begriffe, die sich eindeutig definieren ließen, sodass bewegungstechnischer Sachverhalt und Bezeichnung übereinstimmen. [2] Das Grätschen erfüllt diese Bedingung, weil es eine klar beschreibbare Beinstellung meint.

Als Kompositum

Häufig erscheint das Grätschen als Teil eines zusammengesetzten Namens. Weist ein Element Merkmale zweier Strukturgruppen auf, wird ein Kompositum aus den jeweiligen Gruppenbegriffen gebildet, und als Beispiel nennt die Terminologie die Sprunggrätsche am Sprungpferd, die Sprungbewegungen und Beinschwungbewegungen mit der Untergruppe Grätschen verbindet. [2] Nach demselben Muster entsteht am Reck der Aufgrätsch-Felgunterschwung aus Beinschwung- und Felgbewegungen. [1] Der Name verrät damit die Herkunft des Elements.

Am Sprunggerät

Beim Sprung ist die Grätsche die Standardform neben der Hocke. Die Strukturübersicht führt den Sprung mit Grätschwinkel und den Sprung mit Hocken in derselben Gruppe der Sprungbewegungen auf. [1] Beide beginnen mit einem beidbeinigen Absprung und einem Handstütz auf dem Gerät und unterscheiden sich nur in der Beinführung. Für die Bewertung gelten dieselben Kriterien, nämlich aktiver Armzug, stabilisierte Hüfte und gestreckte Arme beim Stützen. [4] Nur die geforderte Beinposition wechselt.

Wann Grätschen ein Fehler ist

Nicht überall ist die geöffnete Beinhaltung erwünscht. Untypisches Grätschen wird im Regelwerk ausdrücklich unter den ästhetischen Fehlern geführt und je nach Ausmaß mit gestaffelten Abzügen belegt. [3] Am Pauschenpferd gilt zusätzlich, dass Wendeschwünge mit geschlossenen Beinen geturnt werden und Grätschen zu entsprechenden Abzügen führt. [4] Grätschen ist damit in manchen Elementen die geforderte Form und in anderen ein Fehler. Entscheidend ist immer, was das jeweilige Element vorschreibt.

Als Körperposition

Neben der Bewegung gibt es die Position. Gegrätscht ist eine Körperhaltung, die in Hang, Stütz und Flug auftreten kann, etwa im Grätschwinkelhang oder beim Grätschsitz. [1] Die Bewegung Grätschen führt zu dieser Position oder nutzt sie, um ein Gerät zu überqueren. In der Terminologie werden Positionen und Bewegungen deshalb getrennt geführt, auch wenn dasselbe Wort erscheint. [2] Für das Lesen von Elementnamen ist diese Unterscheidung wichtig, weil sonst unklar bleibt, ob eine Haltung oder eine Aktion gemeint ist.

Beweglichkeit als Voraussetzung

Wie weit gegrätscht werden kann, entscheidet die Hüfte. Für saubere Grätschformen braucht es Beweglichkeit in der Adduktorenmuskulatur, sonst bleiben die Beine zu eng oder die Knie beugen sich. [3] Weil Winkelabweichungen mit gestaffelten Abzügen belegt sind, wirkt sich fehlende Beweglichkeit unmittelbar auf die Note aus. [3] Deshalb gehört das Dehnen im Turnen zum Grundlagentraining und nicht zum Abschlussprogramm. Bei Kindern ist die Grätsche dagegen meist unproblematisch.

Im Schulsport

Die Grätsche über den Kasten ist eines der bekanntesten Schulturnelemente. Sie verlangt einen beidbeinigen Absprung, einen sauberen Handstütz und das rechtzeitige Öffnen der Beine, und sie scheitert meist am zu späten Stütz. [4] Als Vorform dient das Aufgrätschen auf den Kasten, bei dem der Turnende nicht überquert, sondern sitzen bleibt. [1] Danach folgt die Überquerung mit niedriger Höhe. Der Aufbau entspricht damit genau dem, was die Strukturgruppen nahelegen, nämlich vom Teilelement zum vollständigen Sprung. [1]

Auf einen Blick

Ausführung
beidbeinig, Beine seitlich geöffnet
Am Reck
Aufgrätschen und Aufgrätsch-Felgunterschwung
Achtung
untypisches Grätschen zählt als ästhetischer Fehler

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
  2. Zur Terminologie des Gerätturnens bei Jahn und heute, Jahn-Report 32 GYMmedia, Jahn-Report
  3. Code de Pointage 2022, Allgemeiner Teil Schwäbischer Turnerbund
  4. Turn10, Leitbilder Sprung Deutscher Turner-Bund

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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