Gesundheit & Prävention

Gewichtsdruck

Auch: Gewichtsmanagement · Energiedefizit im Sport

Der Druck, ein niedriges Körpergewicht zu halten, und seine gesundheitlichen Folgen.

In ästhetischen Sportarten wird das Körpergewicht häufig zum Thema. Fachlich beschrieben wird das Problem als relatives Energiedefizit im Sport: Es tritt auf, wenn die Energieaufnahme nicht ausreicht, um den Energiebedarf des Körpers zu decken, insbesondere in Verbindung mit intensivem Training. [1] Als kritisch gilt eine Energieverfügbarkeit unter 30 Kilokalorien je Kilogramm fettfreier Masse, als günstig etwa 45. [1] Besonders gefährdet sind Disziplinen mit Gewichtsdruck sowie ästhetische Sportarten wie Turnen und Tanz. [1] Als Ursachen werden unzureichende Nahrungszufuhr trotz hohem Trainingspensum, restriktive Diäten, ausgelassene Mahlzeiten, psychosozialer Druck durch Trainer, Gleichaltrige oder Medien sowie eine Vorgeschichte von Essstörungen genannt. [1] Damit ist der Druck nicht nur individuell, sondern auch strukturell bedingt. [1] Er entsteht im Umfeld. [3] Dort lässt er sich auch verändern. [3] Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. [1] Bei Verdacht ist fachliche Hilfe nötig. [1] Sie sollte früh gesucht werden. [1]

Die gesundheitlichen Folgen

Ein anhaltendes Energiedefizit wirkt auf den ganzen Körper. Beschrieben werden hormonelle Störungen, eine verminderte Knochendichte mit erhöhtem Risiko für Ermüdungsbrüche sowie Herz-Kreislauf-Probleme. [1] Hinzu kommen eine erhöhte Infektanfälligkeit, psychische Belastungen wie Depressionen und Angst sowie Schlafstörungen und kognitive Beeinträchtigungen. [1] Gerade die verminderte Knochendichte ist im Turnen kritisch, weil Landungen hohe Kräfte erzeugen. [2] Für Sprünge werden Bodenreaktionskräfte von bis zu 12 bis 15 G genannt. [2] Beides zusammen erhöht das Risiko für Knochenschäden. [1] Der Zusammenhang ist gut beschrieben. [1]

Die Warnzeichen

Es gibt erkennbare Hinweise. Genannt werden Gewichtsschwankungen, unregelmäßige Menstruationszyklen, häufige Verletzungen und Infekte, anhaltende Erschöpfung und eine nachlassende Leistung. [1] Gerade der letzte Punkt ist wichtig, weil ein Energiedefizit die Leistung senkt statt sie zu steigern. [1] Wer diese Zeichen bemerkt, sollte handeln. [1] Eine frühe Intervention wird ausdrücklich empfohlen. [1] Auch die Trainerseite ist gefragt. [3] Sie sieht die Aktiven regelmäßig. [3]

Die Rolle des Umfelds

Der Druck entsteht selten allein. Psychosozialer Druck durch Trainer, Gleichaltrige oder Medien wird ausdrücklich als Ursache genannt. [1] Das Schutzkonzept des Turnverbandes beschreibt, wie herabwürdigende Kommentare, absichtliche Ausgrenzung oder gezielte Angriffe auf Persönlichkeit oder Leistung ein Klima sozialer Isolation und psychischer Belastung schaffen. [3] Betroffene fühlen sich häufig hilflos und isoliert. [3] Deshalb sei es wichtig, alle Sportlerinnen und Trainerinnen gleich und mit Respekt zu behandeln. [3] Auch unter den Aktiven soll ein wertschätzendes Miteinander gelten. [3] Das betrifft Äußerungen über Körper und Gewicht unmittelbar. [3]

Die Vorbeugung

Empfohlen wird ein strukturiertes Vorgehen. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung entsprechend dem Trainingsumfang, eine Mahlzeitenplanung in Absprache mit den Trainerinnen sowie interdisziplinäre Unterstützung durch Ernährungsberatung, Sportmedizin und Psychologie. [1] Eine frühe Intervention bei Symptomen wird ausdrücklich genannt. [1] Im Leistungssport bestehen dafür Strukturen: Olympiastützpunkte begleiten medizinisch, sportfachlich, beruflich und persönlich. [4] Genannt werden unter anderem Laufbahnberatung, Sportpsychologie und Ernährungsberatung. [4] Diese Angebote sollten genutzt werden. [4] Sie stehen Kaderathletinnen offen. [4]

Der Zusammenhang mit dem Trainingsumfang

Energiebedarf und Trainingsumfang hängen zusammen. Ein Defizit entsteht besonders in Verbindung mit intensivem Training. [1] Im Leistungssport findet an Bundesstützpunkten tägliches Training statt. [4] Damit steigt der Energiebedarf erheblich. [1] Wer den Umfang erhöht, muss die Zufuhr anpassen. [1] Sonst entsteht ein Defizit, auch ohne bewusste Diät. [1] Genau darin liegt die Tücke. [1]

Im Wachstumsalter

Besonders kritisch ist die Wachstumsphase. In dieser Zeit ist der Wachstumsknorpel die empfindlichste Struktur im Stütz- und Bewegungsapparat. [2] Überlastungsschäden entstehen dort schneller als beim Erwachsenen. [2] Eine verminderte Knochendichte verstärkt dieses Risiko zusätzlich. [1] Deshalb ist Gewichtsdruck bei Kindern und Jugendlichen besonders problematisch. [1] Er trifft einen Organismus im Aufbau. [2] Folgen können langfristig sein. [1]

Die Einordnung

Gewichtsdruck ist kein Randthema des Turnens. Weil ästhetische Sportarten ausdrücklich als gefährdet gelten und die Folgen von Knochendichte bis zur psychischen Gesundheit reichen, gehört das Thema in jede Trainerausbildung. [1] Der Verband hat mit seinem Schutzkonzept einen Rahmen geschaffen, der herabwürdigendes Verhalten ausdrücklich benennt. [3] Für die Praxis bedeutet das: keine Kommentare über Körper und Gewicht, Ernährung als Teil der Trainingsplanung, frühe fachliche Hilfe. [1] Damit lässt sich viel verhindern. [1] Die Verantwortung liegt beim Umfeld. [3] Nicht bei den Aktiven allein. [3]

Auf einen Blick

Fachbegriff
relatives Energiedefizit im Sport
Betroffen
ästhetische Sportarten wie Turnen und Tanz
Kritische Grenze
unter 30 Kilokalorien je Kilogramm fettfreier Masse

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Ernährungs- und Gewichtsmanagement, relatives Energiedefizit im Sport Athletes in Mind
  2. Orthopädische Spätschäden beim Gewichtheben und Geräteturnen ATOS News, Fachmagazin
  3. Schutzkonzept Safe Sport im Deutschen Turner-Bund Deutscher Turner-Bund
  4. Stützpunkte im Leistungssport Landessportverband Schleswig-Holstein

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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