Ellenbogenüberstreckung
Auch: Hyperextension im Ellenbogen · Überstreckung beim Stützen
Belastung des Ellenbogens über die normale Streckstellung hinaus, meist beim Stützen.
Der Ellenbogen ist im Turnen ein Stützgelenk. Beim Handstand, beim Rad, beim Überschlag und beim Sprung wird das Körpergewicht über den gestreckten Arm geleitet. [3] Wird das Gelenk dabei über die normale Streckstellung hinaus belastet, entstehen Spitzenlasten an Knochen und Bändern. [2] In der sportmedizinischen Literatur werden Frakturen am Ellenbogen ausdrücklich als typische Verletzung im Kindes- und Jugendalter genannt, neben Epiphysen- und Apophysenverletzungen sowie Kniegelenksläsionen. [2] Der Grund liegt im wachsenden Skelett: Bei Kleinkindern gilt das Knochengewebe als kritische Struktur, bei Jugendlichen der Wachstumsknorpel. [2] Erst bei jungen Erwachsenen ist es der Kapselbandapparat. [2] Beim Turnen entstehen erhebliche Stützbelastungen an den Geräten. [1] Beschwerden am Ellenbogen gehören ärztlich abgeklärt. [2] Dieser Text ersetzt keine Untersuchung. [2] Er beschreibt den Zusammenhang. [1] Über die Behandlung entscheidet die Ärztin. [2]
Der Mechanismus
Kritisch ist der durchgestreckte Arm. Landet oder stützt jemand mit vollständig gestrecktem Ellenbogen, wird die Kraft nicht mehr muskulär abgefangen. [3] Stattdessen wirkt sie unmittelbar auf die Gelenkflächen. [1] Bei Sprüngen werden Bodenreaktionskräfte von bis zu 12 bis 15 G genannt. [1] Auch beim Abstützen nach einem Sturz treten hohe Spitzen auf. [2] Genau deshalb wird das Abrollen als Technik gelehrt. [4] Es verteilt die Energie. [4]
Die Stützelemente
Stützen kommt überall vor. Die Strukturübersicht führt Stemmbewegungen und Kippbewegungen als eigene Gruppen, die auf Stützpositionen aufbauen. [3] Handstandvarianten bilden einen eigenen Bereich neben den Grundschwüngen. [3] Auch Sprung- und Überschlagbewegungen enthalten kurze, sehr intensive Stützphasen. [3] Damit ist der Ellenbogen an fast jedem Gerät beteiligt. [3] Die Wiederholungszahlen summieren sich. [2] Genau darin liegt das Risiko. [1]
Die Vorbeugung durch Kraft
Muskulatur fängt Kräfte ab. Im ganzjährigen Sportgeschehen muss ein entsprechendes Kraft- und Spannungstraining eingebaut werden. [3] Ein schnelles und sicheres Lernen neuer Elemente wird erst möglich, wenn bereits zu Lernbeginn ein ausreichend hohes Niveau der speziellen Leistungsvoraussetzungen vorhanden ist. [3] Fehlt die Stützkraft, kommt es zu typischen Fehlern, etwa zum Einknicken der Arme. [3] Übungen zur Schulung der Kraft vermindern zugleich die Beanspruchungen für Gelenke. [3] Gezieltes Krafttraining hat im Turnen nachweislich Schäden reduziert. [1] Für den Ellenbogen gilt dasselbe. [1]
Die Vorbeugung durch Technik
Technik verteilt die Last. Eine leicht federnde Armhaltung fängt Kräfte besser ab als ein vollständig durchgestreckter Arm. [3] Ein schnelles und sicheres Lernen neuer Elemente ist erst bei ausreichenden Leistungsvoraussetzungen möglich, weshalb schrittweise an Stützelemente herangeführt wird. [3] Erst wenn die Grundposition sicher gehalten wird, steigt die Belastung. [3] Auch das kontrollierte Abrollen nach einem Sprung wird eigens gelehrt. [4] Es federt die Aufprallenergie ab. [4] Und entlastet die Arme. [1]
Das Wachstumsalter
Im Wachstum ist Vorsicht geboten. Die Skelettentwicklung geht dem Muskelwachstum zeitlich voraus, wobei sich die verschiedenen Muskelgruppen zeitversetzt entwickeln. [2] Daraus entstehen Disharmonien der Funktionsketten. [2] In der Pubertät folgt das Längenwachstum der oberen Extremität zuletzt, beginnend an den Händen. [2] In dieser Phase sind Stützbelastungen besonders sorgfältig zu dosieren. [2] Überlastungsschäden entstehen vor allem durch einseitige Belastung. [2] Abwechslung ist deshalb Teil der Vorbeugung. [2]
Die Beschwerden
Anhaltende Schmerzen sind ein Warnsignal. Weil sich Verletzungsmuster im Wachstumsalter deutlich von denen Erwachsener unterscheiden, ist eine altersgerechte Abklärung nötig. [2] Bei Kindern stehen knöcherne Verletzungen im Vordergrund, bei Erwachsenen Kapselbandverletzungen. [2] Eine frühzeitige Abklärung gilt als entscheidend. [2] Weitertrainieren mit Schmerzen verlängert den Verlauf. [1] Deshalb sollten Beschwerden angesprochen werden. [3] Auch von der Übungsleitung. [3]
Die Einordnung
Die Überstreckung des Ellenbogens ist kein eigenes Krankheitsbild, sondern ein Belastungsmuster. Sie tritt überall dort auf, wo mit gestrecktem Arm gestützt wird. [3] Weil das im Turnen unvermeidlich ist, zielt die Vorbeugung auf Kraft, Technik und Umfang. [1] Für die Praxis heißt das: Stützkraft zuerst, dann Höhe und Geschwindigkeit. [3] Bei Beschwerden gilt Entlastung und ärztliche Abklärung. [2] Damit lässt sich das Risiko begrenzen. [1] Ausschließen lässt es sich nicht. [2]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Orthopädische Spätschäden beim Gewichtheben und Geräteturnen ATOS News, Fachmagazin
- Sportschäden im Kindes- und Jugendalter Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin
- Gerätturnen in Schule und Verein, sicher und attraktiv Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
- Parkour im Schulsport Sichere Schule, Unfallkasse Nordrhein-Westfalen
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.