Elementgruppen
Auch: EG · Strukturgruppen der Wertung
Einteilung der Elemente eines Gerätes in vier Gruppen, aus denen eine Übung jeweils Teile enthalten muss.
| Pl. | Verein | S | U | N |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Mannschaft A | - | - | - |
| 2 | Mannschaft B | - | - | - |
| 3 | Mannschaft C | - | - | - |
Elementgruppen sind das Ordnungsprinzip jeder Geräteübung. Sie fassen Elemente mit ähnlicher Bewegungsstruktur zusammen und schreiben vor, dass eine Übung aus jeder Gruppe Teile enthalten muss. [1] An den meisten Geräten gibt es vier Gruppen. [1] Am Reck sind es Langhangschwünge mit und ohne Drehungen, Flugelemente, stangennahe und Adler-Elemente sowie Abgänge. [1] Wer eine Gruppe auslässt, verliert die zugehörigen Punkte, auch wenn alle gezeigten Elemente gelingen. [1] Die Gruppen sichern damit die Vielseitigkeit einer Übung. [1] Sie sind kein Nebenaspekt, sondern der Bauplan. [2] Ohne sie könnte eine Übung aus zehn ähnlichen Elementen bestehen. [1] Genau das soll verhindert werden. [1]
Am Barren
Jedes Gerät hat seine eigene Einteilung. Am Barren umfasst die erste Gruppe Elemente im Stütz oder durch den Stütz auf beiden Holmen, die zweite Elemente, die im Oberarmstütz beginnen, die dritte Schwungelemente durch den Hang an einem oder zwei Holmen sowie Unterschwünge, die vierte die Abgänge. [3] Die erste Gruppe ist zugleich die größte am Gerät. [4] Sie enthält unter anderem Riesenfelgen auf einem Holm, Diamidov, Tanaka, Moy und Tippelt. [4] Weil dort die meisten Elemente stehen, füllt sie sich fast von selbst. [4] Die übrigen Gruppen müssen bewusst bedient werden. [3]
Am Pauschenpferd
Am Pferd folgt die Einteilung den Bewegungsarten. Die erste Gruppe umfasst Einbeinschwünge und Scheren, die zweite Kreis- und Thomasflanken mit und ohne Spindeln und Handstände, Kehrschwünge, Russenwendeschwünge, Flops und kombinierte Elemente. [1] Die dritte Gruppe enthält Wanderelemente einschließlich Kroll, Tong Fei, Wu Gonian und Roth sowie Spindeln mit Wandern, die vierte die Abgänge. [1] Weil an diesem Gerät ohnehin nur 15 bis 20 Elemente vorrangig genutzt werden, ist die Auswahl innerhalb der Gruppen überschaubar. [4] Die Zuordnung entscheidet trotzdem über die Wertung. [1]
An den Ringen
Zwei der vier Ringegruppen sind Kraftgruppen. Genannt werden Schwungelemente zum Handstand mit zwei Sekunden Haltezeit, Kraft- und Halteelemente mit zwei Sekunden, Schwung- zu Kraftelemente mit zwei Sekunden sowie die Abgänge. [1] Damit unterscheiden sich die Ringe deutlich von allen anderen Geräten, an denen Schwungelemente überwiegen. [1] Wer eine vollständige Ringeübung zeigen will, muss also sowohl schwingen als auch halten können. [1] Genau diese Verbindung macht das Gerät so anspruchsvoll. [1]
Der Zweck
Elementgruppen verhindern einseitige Übungen. Ohne sie könnte ein Turner zehn Elemente derselben Art aneinanderreihen und damit die Stärken des Gerätes ausblenden. [1] Das Regelwerk formuliert für das Reck ausdrücklich, dass eine moderne Übung abwechselnd stangennah und mit Abstand zur Reckstange geturnt werden soll, damit die Vielfältigkeit des Gerätes gezeigt werden kann. [1] Die Elementgruppen setzen genau diesen Anspruch in eine überprüfbare Regel um. [1] Sie sind damit ein Instrument der Übungsästhetik. [2]
In der D-Note
Die Gruppen wirken sich direkt auf die Wertung aus. Am Stufenbarren, am Reck, am Schwebebalken und am Boden beinhaltet die D-Note den Schwierigkeitswert und die Kompositionsanforderungen. [2] Die Kompositionsanforderungen sind dabei nichts anderes als die Vorgabe, aus welchen Elementgruppen eine Übung Teile enthalten muss. [2] Am Sprung entfallen sie, weil dort ein einzelnes Element gewertet wird. [2] Wer eine Gruppe nicht bedient, verliert deren Anteil an der D-Note. [1]
Die Zuordnung einzelner Elemente
Manchmal hängt die Gruppe von der Ausgangslage ab. Ein Stemmaufschwung am Barren gehört zur zweiten Gruppe, wenn er im Oberarmstütz beginnt, und zur dritten, wenn er aus dem Langhang kommt. [3] Ebenso gehört eine Stützkehre aus dem Stütz zur ersten Gruppe, im Anschluss an eine Stemme dagegen zur zweiten. [3] Für die Übungsplanung ist diese Unterscheidung entscheidend, weil sie über die Erfüllung der Anforderungen bestimmt. [3] Kampfrichter prüfen sie anhand der Mitschrift. [4]
Die Verbindung zu den Strukturgruppen
Neben der Wertungseinteilung gibt es eine bewegungswissenschaftliche. Die Sportwissenschaft ordnet Turnelemente in acht Strukturgruppen: Felgbewegungen, Auf- und Umschwungbewegungen, Stemmbewegungen, Kippbewegungen, Sprungbewegungen, Rollbewegungen, Beinschwungbewegungen und Überschlagbewegungen. [4] Diese Einteilung folgt der Bewegungsstruktur, die Elementgruppen des Regelwerks dagegen der Wettkampflogik. [4] Beide überschneiden sich, sind aber nicht identisch. [4] Wer beide kennt, versteht eine Übung von zwei Seiten. [1]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Code de Pointage 2022, Reck Schwäbischer Turnerbund
- Arbeitshilfe zum Wettkampfprogramm Kür modifiziert, Leistungsklassen 1 bis 4 Kari-Turnen, Gerätturnen weiblich
- Symbolheft für das Gerätturnen der Männer Fédération Internationale de Gymnastique
- Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
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