Geräte & Anlage

Einturnbereich

Auch: Aufwärmbereich · Einturnzeit

Der Bereich und die zugemessene Zeit, in denen sich Turnende unmittelbar vor dem Wettkampf am Gerät einturnen dürfen.

Der Einturnbereich ist der Ort und zugleich die Zeitspanne, in der sich Turnende unmittelbar vor ihrem Wettkampfdurchgang am Gerät einturnen. Bei den Männern beträgt die Einturnzeit an jedem Gerät dreißig Sekunden je Turner, auch am Barren, wobei die Ausschreibung abweichende Regelungen zulassen kann. [1] Diese Sekunden sind der einzige Kontakt mit dem konkreten Gerät vor der gewerteten Übung. Entsprechend hoch ist ihr Wert, denn jede Halle fühlt sich anders an, und schon eine andere Mattenlage verändert den Absprung. Genutzt werden sie meist für den Aufgang und für die kritischste Stelle der Übung.

Die Zeiten im Frauenbereich

Bei den Frauen ist die Zeit nach Geräten gestaffelt. Vorgesehen sind drei Sprünge am Sprung, je fünfzig Sekunden am Stufenbarren einschließlich der Holmpräparation sowie je dreißig Sekunden am Schwebebalken und am Boden. [2] Dass ausgerechnet der Stufenbarren mehr Zeit bekommt, liegt an der Vorbereitung der Holme, die ohne Magnesia und Präparation nicht sicher zu greifen sind. [2] Die längere Zeit ist also keine Bevorzugung, sondern eine technische Notwendigkeit.

Einturnen in der Mannschaft

Bei Mannschaftswettkämpfen wird die Zeit nicht pro Person, sondern als Block vergeben. Die Mannschaft verfügt über eine vorgegebene Einturnzeit und ist selbst dafür verantwortlich, dass innerhalb dieser Zeit jede Turnerin eine Einturnmöglichkeit erhält. [2] Bei gemischten Gruppen verfügt dagegen jede Turnerin über ihre persönliche Einturnzeit, und die Reihenfolge sollte dieselbe sein wie im Wettkampf. [2] Damit wird das Einturnen selbst zur organisatorischen Aufgabe der Trainerin.

Was danach noch erlaubt ist

Nach dem Einturnen ist das Gerät für die Turnenden gesperrt. Nach der Einturnzeit oder während einer Wettkampfpause darf das Gerät zwar präpariert werden, am Stufenbarren durch höchstens zwei Personen, geturnt werden darf daran aber nicht. [2] Im internationalen Regelwerk ist für die Präparation der Barrenholme geregelt, dass im Mehrkampf- und im Gerätefinale nur drei Personen auf dem Podium erlaubt sind, nämlich der Turner, sein Trainer und eine weitere akkreditierte Person. [3]

Was das Überziehen kostet

Die Einturnzeit wird überwacht wie die Übungszeit. Das Überschreiten der Einturnzeit kostet nach einer Verwarnung drei Zehntel von der Endnote. [2] Zuständig ist die erste D-Kampfrichterin, die den ordnungsgemäßen Ablauf am Gerät einschließlich der Einturnzeit sicherstellt, unterstützt von Assistentinnen, die die Einhaltung der Zeiten überwachen. [2] Während der Einturnzeit darf die Trainerin ihre Mannschaft oder Turnerin am Gerät begleiten. [2]

Der Übergang zur Übung

Zwischen Einturnen und Wettkampf liegt ein festes Ritual. Der Turner zeigt seine Bereitschaft durch Hochheben eines Armes dem Oberkampfrichter an und darf die Übung erst nach dessen Aufforderung beginnen. [1] Nach der Freigabe des Geräts ist die Übung spätestens nach dreißig Sekunden zu beginnen. [1] Im Frauenbereich entspricht dem der Übungsbeginn innerhalb von dreißig Sekunden nach Freigabe durch die erste D-Kampfrichterin. [2]

Nach einem Sturz

Auch für den Abbruch gibt es eine Uhr. Die Übung ist spätestens dreißig Sekunden nach einem Sturz vom Gerät fortzusetzen. [1] Das Regelwerk der Männer kennt dafür den eigenen Begriff des Einturnens nach Sturz, für den ebenfalls Zeitgrenzen gelten. [3] Eine Übung, die aus Gründen unterbrochen werden musste, die außerhalb der Verantwortung des Turners liegen, darf dagegen wiederholt werden. [1] Der Unterschied zwischen eigenem Fehler und fremder Störung ist damit klar geregelt.

Warum die Zeit so knapp ist

Dreißig Sekunden je Gerät wirken wenig, sind aber Ergebnis einer Abwägung. Je mehr Einturnzeit vergeben wird, desto länger dauert ein Wettkampf, und desto ungleicher werden die Bedingungen zwischen früh und spät startenden Riegen. Deshalb prüft das Kampfgericht auch die Anzahl der Sprünge im Einturnen und die Einturnzeit am Barren ausdrücklich. [3] Das eigentliche Aufwärmen findet deshalb vorher statt, in einem separaten Bereich oder in der Nebenhalle. Stützpunkthallen halten dafür eigene Flächen bereit, etwa eine sechzehn Meter lange Trampolinbahn und Methodikgeräte neben den Wettkampfgeräten. [4]

Auf einen Blick

Einturnzeit Männer
30 Sekunden je Turner und Gerät
Einturnzeit Frauen
50 Sekunden am Stufenbarren, 30 an Balken und Boden, 3 Sprünge
Überschreitung
nach Verwarnung 0,30 Punkte von der Endnote

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Aufgabenbuch P-Übungen männlich Bayerischer Turnerverband, Turngau Mittelfranken
  2. Arbeitshilfe zum Wettkampfprogramm Kür modifiziert, Leistungsklassen 1 bis 4 Kari-Turnen, Gerätturnen weiblich
  3. Code de Pointage 2022, Barren und Allgemeiner Teil Schwäbischer Turnerbund
  4. Landesstützpunkt Turnen Schleswig-Holsteinischer Turnverband

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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