Aufgrätschen
Auch: Aufgrätschen aus dem Rückschwung · Grätschaufgang
Beinschwungbewegung, bei der die gestreckten Beine gegrätscht außen an den Händen vorbei auf die Stange geführt werden.
Aufgrätschen bedeutet, die gestreckten Beine geöffnet außen an den Händen vorbei auf die Stange zu führen. Die KNSU führt es als Element 82 der Beinschwungbewegungen am Reck, unmittelbar hinter dem Aufbücken. [1] Beinschwungbewegungen erreichen den Wechsel des Verhaltens zum Gerät durch schwungvolle Beintätigkeit, und die grätschende Ausführung ist eine der sechs beidbeinigen Varianten. [1] Die Impulsübertragung geht dabei von den Beinen auf den ganzen Körper aus. [1] Die Hauptfunktionsphase ist durch elementspezifische Körperhaltungen und Beinschwünge gekennzeichnet. [1]
Die typische Verbindung
Im Wettkampf steht das Aufgrätschen fast immer in einer Kette. Die Übungsvorschläge des Deutschen Turner-Bundes für den Wettkampf III führen die Folge Rückschwung, Aufgrätschen und Grätsch-Felgunterschwung mit halber Drehung in den Stand als Abgang einer Reckübung auf. [2] Diese eine Verbindung erfüllt dort gleich zwei Kompositionsanforderungen. [2] Der Ausgangswert einer solchen Übung setzt sich aus den Kompositionsanforderungen und den Schwierigkeitswerten zusammen. [2]
Der Weg der Beine
Beim Grätschen entscheidet der Abstand. Die Beine müssen weit genug geöffnet werden, um außen an den eigenen Händen vorbeizukommen, dürfen aber nicht so weit auseinandergehen, dass die Spannung verloren geht. Bleiben sie zu eng, hängt der Oberschenkel an der Hand, und der Schwung bricht genau dort ab, wo er gebraucht wird. [1] Die Systematik hält dazu fest, dass der Beinschwung den Krafteinsatz der Arme verringert, der für die Verlagerung des Schultergürtels sonst nötig wäre. [1] Genau dieser Vorteil geht verloren, wenn die Beine an den Händen hängen bleiben.
Als Flugelement
Aus derselben Bewegung entsteht ein Element ohne Bodenkontakt. Beim Ausgrätschen werden die Beine während der Flugphase weit gegrätscht und gestreckt gehalten, und am Ende steht das Fangen der Stange zum flüssigen Weiterturnen. [3] Verlangt ist eine flüssige Aufwärtsbewegung. [3] Nicht anerkannt wird das Element, wenn der Hang nicht erreicht wird, wenn die Beine auf dem Holm aufliegen oder aufschlagen oder wenn es als Abgang geturnt wird. [3] Das Leitbild ordnet das Ausgrätschen ausdrücklich der Oberstufe zu, es ist also kein Schulelement für Anfänger. [3]
Bis in den Handstand
Nach oben führt der Aufgrätschumschwung. Die Kampfrichterlisten führen den Aufgrätsch- oder Aufbückumschwung zum Handstand als B-Teil und damit als Element mit eigenem Schwierigkeitswert. [4] Dieselbe Liste kennt außerdem den Umschwung vorwärts mit Rückgrätschen in den Hang, auch aus der Kippe geturnt. [4] Die Grätsche ist damit nicht nur eine Anfängerlösung, sondern eine eigenständige Technik, die bis in die höheren Wertstufen reicht. [4]
Der Grätsch-Felgunterschwung
Am bekanntesten ist die Kombination mit dem Unterschwung. Das Leitbild für Reck und Stufenbarren erlaubt beim Unterschwung ausdrücklich die Grätsch- und die Bückform. [3] Es gelten dieselben Kriterien wie sonst: die Hüfte bei der Einleitung in Stangennähe, die Schiffchenstellung während der Aufwärtsbewegung, danach die dynamische Streckung des Arm-Rumpf-Winkels und eine Hüfte über Stangenhöhe. [3] In der KNSU-Systematik heißt dieses zusammengesetzte Element Aufgrätsch-Felgunterschwung. [1]
Mit halber Drehung
Häufig kommt eine Drehung dazu. In den Übungsvorschlägen endet der Grätsch-Felgunterschwung mit einer halben Drehung im Stand, was ihn als Abgang aufwertet. [2] Die Kampfrichterlisten führen den Felgabschwung aufgegrätscht, aufgebückt oder frei ebenfalls mit halber Drehung zum Vorschwung als B-Teil. [4] Die Drehung wird eingeleitet, wenn der Körper bereits gestreckt ist, damit sie die Flugbahn nicht stört. [3] Eine zu früh begonnene Drehung kostet Höhe und damit den geforderten Hüftweg über Stangenhöhe. [3]
Der Unterschied zum Aufbücken
Beide Elemente sind eng verwandt und doch getrennt gezählt. In den Listen der nationalen Elemente stehen Aufbücken aus dem Rückschwung und Aufgrätschen aus dem Rückschwung nebeneinander und gelten dort als gleiche Elemente. [4] Die Systematik der KNSU vergibt ihnen dagegen zwei Nummern, weil sich die Beinführung unterscheidet. [1] Für die Praxis heißt das: Wer beide beherrscht, hat trotzdem nur ein Wahlelement, kann aber flexibler auf den vorhandenen Schwung reagieren. [4]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Strukturübersicht von Turnelementen im Gerätturnen KNSU, Universität Koblenz
- Übungsvorschläge WK III, Kür modifiziert LK 4 Deutscher Turner-Bund, Jugend trainiert
- Leitbilder Reck und Stufenbarren, Turn10 Schwäbischer Turnerbund
- Nationale Elemente und häufige A, B, C-Teile, Reck Kari-Turnen, Kampfrichterwesen
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.