Regeln: Spielen des Balles & Torraum

Vorwarnzeichen

Das Handzeichen Nr. 17, bei dem ein Schiedsrichter den Arm hebt, um eine Tendenz zum passiven Spiel anzuzeigen; danach bleiben der angreifenden Mannschaft höchstens vier Pässe bis zum Torwurf.

Das Vorwarnzeichen ist das Handzeichen, mit dem die Schiedsrichter eine Tendenz zum passiven Spiel anzeigen. [1] Unter den offiziellen Handzeichen trägt es die Nummer 17, der Schiedsrichter hebt dazu den Arm. [1] Das Zeichen gibt der ballbesitzenden Mannschaft die Gelegenheit, ihre Angriffsweise umzustellen und so den Ballverlust zu vermeiden. [1] Ändert sich nichts, kann jederzeit auf passives Spiel entschieden werden. [1] Seit dem 1. Juli 2022 bleiben der Mannschaft nach dem Zeichen noch höchstens vier Pässe bis zum Torwurf. [3] Umgangssprachlich wird das passive Spiel auch Zeitspiel genannt. [3]

Wer es zeigt und wie lange

Erkennt ein Feld- oder Torschiedsrichter eine Entwicklung zu passivem Spiel, hebt er den Arm. [1] Die Schiedsrichter sollen das Zeichen möglichst in dem Moment zeigen, in dem ein Spieler den Ball unter Kontrolle gebracht hat. [1] Der Arm bleibt oben, bis der Angriff beendet ist oder das Zeichen seine Gültigkeit verliert. [1] Ein Angriff beginnt mit dem Ballbesitz und endet mit einem Tor oder einem Ballverlust. [1] Solange der Ball nicht im Spiel ist, darf das Zeichen nicht gezeigt werden, wohl aber sobald er wieder im Spiel ist. [1]

Wann es angebracht ist

Die Erläuterungen nennen typische Situationen für das Vorwarnzeichen. Dazu gehört, dass Spieler nach einer Balleroberung langsam von der eigenen in die gegnerische Hälfte gehen. [1] Auch ein verspäteter Spielerwechsel, wenn die Mannschaft ihre Aufbauphase bereits begonnen hat, kann das Zeichen auslösen. [1] Im Positionsangriff sprechen Pässe in den hinteren Teil des Spielfelds und Pässe zu Mitspielern in Rückwärtsbewegung dafür. [1] Ebenso ein ballführender Spieler, der sich vom Tor wegdreht, oder Passwege, die eine aktive Abwehr blockiert. [1] Allgemein gilt das, wenn das Tempo des Angriffs unterbrochen wird. [1]

Wann es nicht gezeigt wird

Bei klaren und starken Vorwärtsbewegungen der Angreifer soll das Zeichen nicht kommen, ebenso wenig, wenn ein taktisches Mittel mit einem Tempowechsel beginnt. [1] Direkt nach einem Freiwurf erhält die Mannschaft zunächst die Möglichkeit zu einer neuen Aufbauphase. [1] Kay Holm vom Deutschen Handballbund stellt klar, dass eine lange Angriffsdauer allein kein Grund ist. [4] Unterbricht die Abwehr das Spiel ständig durch Fouls, ist die Forderung nach dem Vorwarnzeichen nicht durch das Regelwerk gedeckt. [4] Belohnt werden soll gutes Verschieben und schnelle Beine, nicht ständiges Festhalten des Ballführers. [4]

Vier Pässe nach dem Zeichen

Nach dem Vorwarnzeichen hat die angreifende Mannschaft höchstens vier Pässe, um den Angriff mit einem Torwurf abzuschließen. [1] Wird der fünfte Pass angenommen, gibt es Freiwurf für den Gegner. [1] Bis Mitte 2022 durfte die Mannschaft nach dem Zeichen noch sechs Pässe spielen. [3] So stand es auch in den Regelfragen des Schweizerischen Handball-Verbands vom September 2020. [2] Nationale Verbände dürfen je nach Alter und Leistungsstand abweichen, höchstens sechs Pässe sind aber erlaubt. [1]

Wann es aufgehoben wird

Normalerweise bleibt das Zeichen bis zum Ende des Angriffs bestehen. In zwei Fällen verliert es aber seine Wirkung. [1] Der erste Fall ist ein Torwurf, nach dem der Ball vom Tor oder Torwart direkt zur angreifenden Mannschaft zurückprallt oder ihr ein Ein- oder Abwurf zusteht. [1] Der zweite Fall ist eine persönliche Strafe gegen einen Spieler oder Offiziellen der abwehrenden Mannschaft. [1] Dann darf die Mannschaft eine neue normale Aufbauphase spielen. [1] Eine Ermahnung des gegnerischen Trainers hebt das Zeichen dagegen nicht auf, weil sie keine Strafe im Sinne der Regeln ist. [2]

Verzögerte Würfe

Auch wer Würfe verzögert, kann das Vorwarnzeichen sehen. Als Beispiele nennen die Erläuterungen das Vortäuschen, den Ort eines Freiwurfs nicht zu kennen. [1] Beim Anwurf gehören ein Torwart, der den Ball langsam herausgibt, oder ein bewusst schlechter Pass zur Mitte dazu. [1] Die Schiedsrichter weisen die Mannschaften an, solche Verzögerungen zu unterlassen, sobald sie diese zum ersten Mal bemerken. [1] Kurz vor Spielende oder in Unterzahl wird ihnen empfohlen, eher ein Time-out zu geben, statt die Uhr laufen zu lassen. [1]

Kurz vor Schluss

In der letzten Minute ist das Zeichen besonders umstritten. Wenige Sekunden vor Spielende hätte es keine Folgen mehr und wäre deshalb nicht sinnvoll. [1] Die Schiedsrichter sollen es zeigen, sobald klare Merkmale erfüllt sind, und dabei Restspielzeit und Spielstand berücksichtigen. [1] Der angreifenden Mannschaft muss aber genug Zeit für eine normale Aufbauphase bleiben. [1] Die Schweizer Regelfragen schildern einen Fall, in dem das Warnzeichen 16 Sekunden vor Schluss kam. [2] Danach muss eine deutliche Angriffshandlung erkennbar sein, sonst ist auf passives Spiel zu entscheiden. [2]

Auf einen Blick

Handzeichen
Nr. 17, erhobener Arm
Danach erlaubt
höchstens 4 Pässe bis zum Torwurf (bis Mitte 2022: 6)
Aufgehoben
bei Abpraller zum Angreifer oder Strafe gegen die Abwehr

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. DHB-Zusatzbestimmungen zu den internationalen Handballregeln (Stand 1. Juli 2025) Deutscher Handballbund
  2. Regelfragen 1 bis 98 (September 2020) Schweizerischer Handball-Verband
  3. Handball: Kleine Regel-Revolution! Änderungen bei Zeitspiel, Anwurf und Kopftreffern SPORT1
  4. 7 populäre Regelirrtümer: Die Doppelbestrafung gibt es nicht handball-world

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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