Torwarttor
Auch: Wurf ins leere Tor · Tor des Torwarts · Empty-Net-Tor
Ein Tor, das der Torwart selbst erzielt, meist mit einem weiten Wurf aus dem eigenen Torraum ins leere gegnerische Tor, wenn der Gegner seinen Torwart für einen zusätzlichen Feldspieler herausgenommen hat.
Torwarttor heißt ein Tor, das der Torwart selbst erzielt. Meist wirft er dafür nach einer Parade oder einem Ballgewinn quer über das Feld ins leere gegnerische Tor. Möglich wird das, wenn der Gegner seinen Torwart für einen zusätzlichen Feldspieler herausgenommen hat. Nach handball-world kommen Torhüter spätestens durch die Nutzung des siebten Feldspielers zu einigen Toren. [1] In der Handball-Bundesliga traf Bart Ravensbergen in der Saison 2023/24 zehnmal und war damit der torgefährlichste Torhüter der Liga. [1] Die Regeln erlauben, dass alle Würfe unmittelbar zu einem Tor führen. [2] Das gilt auch für den Abwurf aus dem eigenen Torraum. [2] Schon die Methodik der Europäischen Handballföderation von 1997 beschreibt den direkten Wurf ins gegnerische Tor als Möglichkeit. [3]
Was die Regeln erlauben
Nach Regel 15 können alle Würfe unmittelbar zu einem Tor führen. [2] Eine Ausnahme betrifft nur das Eigentor beim Abwurf, das nicht möglich ist, solange der Ball nicht im Spiel ist. [2] Der Torwart darf also mit einem Abwurf direkt auf das gegnerische Tor werfen. [2] Den Torraum mit dem kontrollierten Ball darf er nach Regel 5:6 aber nicht verlassen. [2] Er wirft deshalb meist von der eigenen Torraumlinie aus, also über rund 34 Meter.
Schon vor 2016 möglich
Die Methodik der Europäischen Handballföderation beschreibt das Torwarttor bereits 1997. [3] Ist der gegnerische Torwart nach vorn gelaufen, um den Ball abzufangen, kann der Torwart den Ball direkt ins gegnerische Tor werfen und so ein Tor versuchen. [3] Damals kam das allerdings selten vor, weil Mannschaften ihren Torwart nur mit einem gekennzeichneten Feldspieler ersetzen konnten. Erst die Regeländerung von 2016 machte das leere Tor zu einem alltäglichen Bild.
Bundesliga-Statistik
handball-world wertete die Offensivstatistiken der Bundesliga-Torhüter der Saison 2023/24 aus. [1] Bart Ravensbergen von Frisch Auf Göppingen kam auf zehn Tore, obwohl er nur 24 Einsätze hatte. [1] Sein erster Verfolger war Nikola Portner vom SC Magdeburg. [1] Schon in der Vorsaison hatten die beiden Magdeburger Torhüter zusammen neun Treffer erzielt und die ersten beiden Plätze belegt. [1] Das zeigt nach handball-world, dass die Torhüter immer mehr Möglichkeiten zum eigenen Abschluss bekommen. [1]
Das Risiko des leeren Tors
Für die Mannschaft mit leerem Tor ist jeder Ballverlust gefährlich. Eine Studie in Acta Gymnica wertete 62 Spiele der Männer-EM 2020 aus. [4] Die unterlegenen Mannschaften kassierten signifikant mehr Gegentore ins leere Tor und mehr Gegenstoßtore als die Sieger. [4] Zugleich bot das Spiel mit zusätzlichem Feldspieler nach den Autoren in kritischen Spielphasen eine Chance auf vorteilhafte Angriffe. [4] Zu den untersuchten Merkmalen gehörten auch Fehlwürfe aufs leere Tor und fehlerhafte Wechsel. [4] Eine Mannschaft, die ohne Torwart angreift, muss also besonders sicher mit dem Ball umgehen.
Vorlagen statt Tore
Torhüter beteiligen sich nicht nur mit eigenen Toren am Angriff. Nach handball-world kamen Klemen Ferlin und Bertram Obling vom HC Erlangen in der Saison 2023/24 gemeinsam auf 18 Vorlagen. [1] Das Portal nennt den Gegenstoßpass als das Mittel, mit dem Torhüter so zu Assists kommen. [1] Dejan Milosavljev sammelte 14 Assists. [1] Beim THW Kiel kamen die Torhüter in der ganzen Saison dagegen nur auf drei Vorlagen. [1]
Technik
Ein Wurf ins leere Tor über fast das ganze Feld verlangt einen kräftigen, genauen Schlagwurf. Der Torwart muss schnell erkennen, dass das gegnerische Tor leer ist, und darf dabei keinen eigenen Mitspieler übersehen, der den Ball sicherer nach vorn tragen könnte. Verfehlt er, hat der Gegner den Ball und kann erneut mit einem zusätzlichen Feldspieler angreifen. Viele Trainer üben solche Würfe deshalb gezielt, damit der Torwart die Chance im Spiel sicher nutzen kann.
Abgrenzung
Das Torwarttor ist ein Sonderfall, der Konterpass die übliche Form, mit der der Torwart einen Angriff einleitet. Im Lexikon sind siebter Feldspieler, Torwartwechsel und Konterpass eigens beschrieben.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Offensivstatistiken der Torhüter: Dieser Keeper traf zweistellig handball-world.news
- Spielregeln Hallenhandball (Stand 1. März 2025) International Handball Federation
- Basic Handball Methods (1997) European Handball Federation, bereitgestellt von USA Team Handball
- The effects of the goalkeeper substitution rule as a new strategy in handball: Analysis of Men's European Handball Championship 2020 Acta Gymnica
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.