Torwart gegen Außen
Auch: Außenabwehr des Torwarts · Abwehr von Außenwürfen
Das Verhalten des Torwarts gegen Würfe von den Außenpositionen: Er steht nah am kurzen Pfosten, deckt die kurze Ecke ab, tritt dem springenden Werfer winkelverkleinernd entgegen und wehrt in die lange Ecke ab.
Torwart gegen Außen heißt das Verhalten des Torwarts gegen Würfe von den Außenpositionen. Der Werfer hat dort einen spitzen Winkel, springt aber oft weit in den Torraum hinein und verbessert so seine Position. Die Methodik der Europäischen Handballföderation beschreibt eine eigene Grundstellung am Pfosten. [1] Das DHB-Trainercenter lehrt im Aufbautraining 1, winkelverkleinernd herauszutreten und in die lange Ecke abzuwehren. [2] Die kurze Ecke deckt der Torwart dabei ab. [2] Bei der Männer-WM 2015 wurden 62 Prozent der Außenwürfe zu Toren. [3] Bei der Frauen-WM 2017 erreichten die Torhüterinnen gegen Würfe von außen im Schnitt 36,74 Prozent Paraden. [4] Außenwürfe sind damit leichter zu halten als Würfe vom Kreis, aber schwerer als Rückraumwürfe. [4]
Grundstellung am Pfosten
Hat ein Außenspieler den Ball, ändert der Torwart nach der EHF-Methodik seine Haltung. [1] Bei einem Wurf aus größerer Entfernung steht er nah am Pfosten und hebt den pfostennahen Arm am Pfosten hoch, den anderen auf Brusthöhe. [1] Das Gewicht liegt vor allem auf dem pfostennahen Fuß. [1] So kann er Würfe in die lange Ecke abwehren. [1] Bei Würfen aus kurzer Entfernung schließt er zusätzlich die Füße. [1] Bei sehr spitzem Winkel berührt er den Pfosten mit dem Körper. [1]
Heraustreten nach DHB
Nach dem DHB-Trainercenter bewegt sich der Torwart aus der Ausgangsstellung am Pfosten mit ein bis zwei Schritten in Richtung des springenden Werfers. [2] Seine Position richtet sich nach dem zu erwartenden Abwurfort. [2] Er deckt die kurze Ecke ab und agiert in die lange Ecke. [2] Die pfostennahe Hand dient dabei als Schutzhand, um Kopftreffer zu vermeiden. [2] Erst im Aufbautraining 1 werden diese Techniken eingeführt, angepasst an das Längenwachstum der Jugendlichen. [2] Später lernen die Torhüter auch, an Oberkörper und Hand früh einen Wurf in die kurze Ecke oder einen Dreher zu erkennen. [2]
Typische Fehler
Die EHF-Methodik nennt als häufigen Fehler, dass Torhüter bei Würfen von Außen die kurze Ecke zu früh verlassen. [1] Der Werfer kann den Ball dann zwischen Torwart und Pfosten unterbringen. [1] Auch eine zu frühe Reaktion auf eine Täuschung und ein zu weites Herauslaufen, das einen Heber ermöglicht, zählen dazu. [1] Gegen flache Außenwürfe setzt der Torwart den Ausfallschritt ein, bewegt sich dabei aber senkrecht zur Torlinie. [1]
Was die WM 2015 zeigt
Die Analyse der Männer-WM 2015 in Biology of Sport zählte 909 Würfe von Außen, aus denen 566 Tore fielen. [3] Das entspricht 62 Prozent. [3] Die Fangquote der Torhüter bei Außenwürfen lag 2015 bei 30 Prozent, bei der WM 2013 noch bei 35 Prozent. [3] Dafür gab es 2013 mehr Außenwürfe, 2015 dagegen mehr Würfe vom Kreis. [3] Die Autoren deuten das als Hinweis darauf, dass die Teams stärker über den Kreis spielten. [3]
Was die WM 2017 zeigt
Eine Studie zur Frauen-WM 2017 in Deutschland wertete die Paraden nach Wurfposition aus. [4] Am häufigsten hielten die Torhüterinnen Würfe aus dem Rückraum über neun Meter, im Schnitt 43,81 Prozent. [4] Danach folgten die Würfe von den Außenpositionen mit 36,74 Prozent. [4] Würfe vom Kreis lagen bei 31,48 Prozent, Durchbrüche und Siebenmeter waren am schwersten zu halten. [4]
Training
Die EHF-Methodik schlägt eine einfache Vorübung vor: Zwei Spieler auf den Außenpositionen nahe dem Torraum passen sich den Ball zu, und der Torwart passt Position und Haltung laufend dem Ball an. [1] Gegen Außen wird mit wechselnden Werfern von beiden Seiten geübt, die mal in die kurze, mal in die lange Ecke werfen oder Dreher und Heber einstreuen. Der Torwart lernt so, den Abwurfort zu lesen und sein Heraustreten passend zu timen.
Abgrenzung
Torwart gegen Außen ist ein Sonderfall des Stellungsspiels. Im Lexikon sind Außenwurf, Dreher, Heber und Stellungsspiel eigens beschrieben.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Basic Handball Methods (1997) European Handball Federation, bereitgestellt von USA Team Handball
- Torwartspiel (Aufbautraining 1) DHB-Trainercenter, Deutscher Handballbund
- Performance analysis of male handball goalkeepers at the World Handball championship 2015 Biology of Sport, über PubMed Central
- Efficiency of the goalkeepers in the women's World Handball Championship in Germany 2017 Revista Brasileira de Cineantropometria & Desempenho Humano, über SciELO
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.