Betreten des Torraums
Auch: Kreis betreten
Das regelwidrige Berühren des Torraums einschließlich der Torraumlinie durch einen Feldspieler; je nach Lage folgt Abwurf, Freiwurf oder 7-m-Wurf.
Der Torraum vor jedem Tor gehört dem Torwart, Feldspieler dürfen ihn nicht betreten. [1] Als betreten gilt er schon, wenn ein Feldspieler ihn mit irgendeinem Körperteil berührt, und auch die Torraumlinie zählt dazu. [1] Was dann geschieht, hängt davon ab, ob ein Angreifer oder ein Abwehrspieler die Regel verletzt und ob er sich einen Vorteil verschafft. [1] Die Folgen reichen vom Abwurf über den Freiwurf bis zum 7-m-Wurf. [1] Seit dem 1. Juli 2025 gilt auch für Abwehrspieler eindeutig, dass schon das Berühren der Torraumlinie als Betreten zählt. [2] In der Schweiz und im Schulsport heißt der Torraum oft einfach Kreis. [4]
Was als Betreten gilt
Die Torraumlinie ist Teil des Torraums, den sie begrenzt. [1] Ein Fuß auf der Linie reicht deshalb bereits aus. [1] Über dem Torraum ist dagegen Platz für spektakuläre Aktionen. Ein Ball, der sich in der Luft über dem Torraum befindet, darf gespielt werden. [1] Entscheidend ist, dass der Ball bei einem Sprungwurf in den Kreis vor der Landung geworfen wird, sonst zählt das Tor nicht. [4]
Angreifer im Torraum
Berührt ein Angreifer mit Ball den gegnerischen Torraum, entscheiden die Schiedsrichter auf Abwurf. [1] Dasselbe gilt für einen Angreifer ohne Ball, wenn er sich durch das Betreten einen Vorteil verschafft. [1] Das Schweizer Schulheft beschreibt es knapp, wer als Angreiferin im oder auf dem Kreis steht, verursacht einen Abwurf für die verteidigende Mannschaft. [4] Der Torwart bringt den Ball dann aus seinem Torraum wieder ins Spiel. [1] Für Angreifer war die Linie schon vor 2025 eine klare Grenze, ein Fuß auf der Linie bedeutete Abwurf. [2]
Abwehrspieler im Torraum
Betritt ein Abwehrspieler seinen eigenen Torraum und erlangt dadurch einen Vorteil, gibt es Freiwurf für die Angreifer. [1] Vereitelt er durch das Betreten eine klare Torgelegenheit, entscheiden die Schiedsrichter auf 7-m-Wurf. [1] Bei leerem Tor ist nach den Schweizer Regelfragen grundsätzlich von einer klaren Torgelegenheit auszugehen. [3] Wer einen Wurf auf das leere Tor im Torraum abwehrt oder fängt, wird zusätzlich direkt hinausgestellt. [1] Wiederholtes Betreten des Torraums aus taktischen Gründen gilt als unsportlich und wird progressiv bestraft. [1]
Die Änderung von 2025
Bis Mitte 2025 war die Lage für Abwehrspieler weniger streng. Damals hieß es, mit Betreten sei nicht das bloße Berühren der Torraumlinie gemeint, sondern ein deutliches Eintreten. [2] Seit dem 1. Juli 2025 zählt auch das Berühren der Linie. [2] Kay Holm, Leiter Lehre im Schiedsrichterwesen des Deutschen Handballbundes, nennt den Grund. Bisher gab es einen Abwurf, wenn ein Angreifer auf der Linie stand, ein Abwehrspieler auf der Linie blieb dagegen folgenlos, und diese Grauzone sei nun behoben. [2] Einen 7-m-Wurf gibt es aber weiterhin nur, wenn eine klare Torgelegenheit verhindert wird, sonst einen Freiwurf. [2]
Wann nichts passiert
Nicht jedes Betreten wird geahndet. Ungestraft bleibt ein Spieler, der den Torraum betritt, nachdem er den Ball gespielt hat, solange das für die Gegner keinen Nachteil bedeutet. [1] Auch wer ohne Ball den Torraum betritt und sich dadurch keinen Vorteil verschafft, wird nicht bestraft. [1] Wer also im Sprung wirft und erst danach im Torraum landet, bleibt straffrei, wenn das den Gegner nicht benachteiligt. [1] Was ein Vorteil ist, müssen die Schiedsrichter im Einzelfall beurteilen. [3]
Dem Ball nachsetzen
Der Schweizerische Handball-Verband erklärt das an einem Beispiel. Ein Flügelspieler wirft, der Torwart wehrt ab, und der Ball rollt aus dem Torraum zurück ins Feld. [3] Verlässt der Werfer den Torraum nicht auf kürzestem Weg, um dem Ball nachzulaufen, ist das ein klarer Vorteil und nicht erlaubt. [3] Dasselbe gilt, wenn er den Torraum zwar auf kürzestem Weg, aber an einem anderen Ort verlässt, als er ihn betreten hat. [3] Kommt er am selben Ort zurück und deckt dabei den Ball vor einem bereitstehenden Abwehrspieler ab, liegt ebenfalls ein Vorteil vor. [3] Nur wenn kein Gegenspieler den Ball erreichen könnte, darf er nachsetzen. [3]
Ball im eigenen Torraum
Auch der Ball selbst hat im Torraum eigene Regeln. Spielt eine Mannschaft den Ball in den eigenen Torraum, zählt das Tor, wenn er ins Tor gelangt. [1] Bleibt er im Torraum liegen oder berührt der Torwart ihn, ohne dass er ins Tor geht, gibt es Freiwurf für den Gegner. [1] Im Schulsport heißt das, ein Rückpass zum Torhüter im Kreis ist nicht erlaubt. [4] Durchquert der Ball dagegen den Torraum und kommt ins Spielfeld zurück, ohne dass der Torwart ihn berührt, wird weitergespielt. [1]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- DHB-Zusatzbestimmungen zu den internationalen Handballregeln (Stand 1. Juli 2025) Deutscher Handballbund
- Diese Änderungen im Regelwerk treten zum 1. Juli in Kraft handball-world
- Regelfragen 1 bis 98 (September 2020) Schweizerischer Handball-Verband
- Monatsthema 08/2012: Handball Bundesamt für Sport BASPO
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