Stoßbewegung
Auch: Stoßen in die Lücke · Anstoßen
Die dynamische Vorwärtsbewegung eines Angreifers, meist eines Rückraumspielers, mit oder vor der Ballannahme in Richtung Tor; sie zwingt die Abwehr zum Reagieren, bedroht die Nahtstellen und schafft Raum für Wurf, Durchbruch oder Pass.
Stoßbewegung heißt im Handball die dynamische Vorwärtsbewegung eines Angreifers in Richtung Tor, meist kurz vor oder mit der Ballannahme. Die Rahmentrainingskonzeption des DHB zählt sie zu den Angriffsgrundbewegungen auf der eigenen Position. [1] Mit ihr soll sich der Angreifer gegenüber dem heraustretenden Abwehrspieler einen räumlich-dynamischen Vorsprung verschaffen. [1] Ziel ist vor allem das Anlaufen der Nahtstellen, also der Räume zwischen zwei Verteidigern. [1] Aus der Stoßbewegung heraus wirft der Spieler, bricht durch oder passt zum nächsten Mitspieler. [3] Mit der Regelwidrigkeit Stoßen, bei der ein Gegenspieler weggestoßen wird, hat der Begriff nichts zu tun. Gemeint ist allein das Anlaufen auf die Abwehr.
Einführung im Grundlagentraining
Im Grundlagentraining mit 13 bis 14 Jahren wird nach der Rahmentrainingskonzeption das Positionsspiel eingeführt. [1] Dazu gehören die Positionen LA, RA, KM, RL, RM und RR und die Ausbildung von Grundbewegungen auf der eigenen Position. [1] Genannt werden seitliche Bewegungen und die Stoßbewegung. [1] Eine Ausarbeitung der Universität Bremen zur Umsetzung der Rahmentrainingskonzeption beschreibt die Aufgaben genauer. [3] Das Stoßen auf die Nahtstellen, die Ballannahme in der Vorwärtsbewegung und der anschließende Durchbruch gehören danach zu den Hauptinhalten. [3]
Gradlinig oder raumentlastend
Eine Übungsreihe aus der Fachzeitschrift handballtraining, die die Europäische Handballföderation bereitstellt, unterscheidet verschiedene Laufwege. [2] Beim gradlinigen Stoßen laufen die Spieler mit der Ballannahme direkt Richtung Tor, gehen in die Wurfauslage und beobachten dabei das Tor. [2] Rechtshänder stehen in der Wurfauslage grundsätzlich mit dem linken Fuß vorn, auch auf der rechten Position. [2] Beim raumentlastenden Stoßen laufen sie zuerst nach innen und dann zur Ballannahme nach außen, was eine Lauftäuschung nachahmt. [2] Dafür müssen sie früher starten, um beim Pass des Vorgängers schon in Bewegung zu sein. [2]
Die Nahtstelle bedrohen
Im Zusammenspiel von Rückraum und Außen soll das Stoßen und Rückstoßen die Nahtstelle zwischen dem äußeren und dem zweiten Abwehrspieler bedrohen. [2] So kommt entweder der Außenspieler in Wurfposition, oder der Rückraumspieler kann parallel Richtung Zentrum stoßen. [2] Im Spielaufbau empfiehlt der Beitrag zuerst schnelles Spiel mit hohem Passtempo, um die Abwehr zu bewegen. [2] Danach folgt druckvolles Spiel, das die Abwehr durch gezieltes Anstoßen auf die Nahtstellen und Eins-gegen-eins-Aktionen bindet. [2]
Laufwege im Training
Eine Übungssammlung zum Passspiel, die der Badische Handball-Verband bereitstellt, variiert die Laufwege der Halbspieler. [4] Rückraum links und Rückraum rechts stoßen dabei im eigenen Spielstreifen oder bogenförmig zur Spielfeldmitte oder zur Seite. [4] Die Pässe werden aus der Wurfauslage gespielt oder als Sprungwurf-, Handgelenk-, Druck- und Bodenpässe. [4] Gepasst wird fortlaufend aus der und in die dynamische Vorwärtsbewegung. [4] Später kommen zwei Kreisläufer dazu, die nach jedem Pass die Seite wechseln. [4]
Warum sie wirkt
Eine Stoßbewegung zwingt den Abwehrspieler zur Entscheidung, ob er heraustritt oder in der Reihe bleibt. Tritt er heraus, öffnet sich hinter ihm ein Raum, bleibt er stehen, kann der Angreifer aus der Wurfauslage werfen. Stößt der Angreifer genau auf die Nahtstelle, müssen sich sogar zwei Verteidiger abstimmen. Je später er seine Entscheidung trifft, desto schwerer ist er zu verteidigen.
Häufige Fehler
Ein häufiger Fehler ist, ohne Tempo oder zu früh anzulaufen, sodass der Angreifer schon vor dem Pass am Verteidiger steht. Ebenso wirkungslos ist eine Stoßbewegung, die nur auf den Gegenspieler zielt und nicht auf die Lücke daneben. Wer nach dem Anlaufen nicht in die Wurfauslage kommt, strahlt keine Torgefahr aus. Auch das Weiterspielen nach der Stoßbewegung gehört deshalb fest ins Training.
Abgrenzung
Die Stoßbewegung ist die Grundlage für mehrere kooperative Mittel, vor allem für den Parallelstoß, bei dem mehrere Rückraumspieler nacheinander anlaufen. [2] Das Stoßen als Regelwidrigkeit beschreibt dagegen das Wegstoßen eines Gegenspielers mit Körpereinsatz. Beide Begriffe stehen im Lexikon unter eigenem Stichwort.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Rahmentrainingskonzeption des Deutschen Handball-Bundes 2005 bis 2008 Deutscher Handballbund (bereitgestellt vom HV Rheinland)
- Freies, kooperatives Spiel, Teil 1: Variables Passen und Laufwege in der Stoßbewegung (handballtraining 2/09) European Handball Federation (Lehrmaterial)
- Spielformen zur praktischen Umsetzung der Rahmentrainingskonzeption des Deutschen Handball-Bundes Universität Bremen, Institut für Sportwissenschaft (bereitgestellt vom Bremer Handballverband)
- Wie schule und verbessere ich das Passspiel? (Lehrgangsunterlage, Beiträge aus handballtraining) Badischer Handball-Verband
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.