Sprungkrafttraining
Auch: Plyometrie · plyometrisches Training · Schnellkrafttraining der Beine · Reaktivkrafttraining
Training, das die Fähigkeit verbessert, schnell und hoch abzuspringen, vor allem mit plyometrischen Sprungformen und Übungen aus dem Gewichtheben; im Handball wichtig für Sprungwurf, Block und Antritt.
Sprungkrafttraining heißt das Training der Fähigkeit, den eigenen Körper schnell und kraftvoll vom Boden zu lösen. Das DHB-Athletikkonzept ordnet Sprungformen der Schnellkraft zu, also der Fähigkeit, den Körper oder einen Gegenstand mit hoher Geschwindigkeit zu bewegen. [1] Sprungkraft, Wurfhärte und Schnelligkeit nennt das Konzept als Schlüsselbegriffe der Leistungsvoraussetzungen im Handball. [1] Nach einer Übersichtsarbeit fallen die meisten Tore durch Sprungwürfe. [4]
Warum es im Handball zählt
In einem Spiel kommt es nach einer zitierten Studie zu knapp 500 hochintensiven Aktionen mit fast 300 Richtungswechseln. [4] Sprungwürfe und Täuschungen mit Richtungswechsel verlangen eine hohe Kraftentwicklung in kurzer Zeit. [4] Plyometrisches Training gilt deshalb als passend, weil seine Bewegungsmuster denen des Spiels ähneln: Beschleunigen, Springen, Richtungswechsel. [4] Auch das Athletikkonzept betont, dass alle Zielbewegungen des Handballs in erster Linie von den Kraftfähigkeiten abhängen. [1] Neben einer guten Sprunghöhe müssen Spieler Sprünge auch wiederholt und effektiv abrufen können. [4] Die Übersicht empfiehlt Plyometrie deshalb ausdrücklich, um die Leistung zu verbessern. [4]
Methoden
Grundlage der Plyometrie ist der Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus: Auf eine nachgebende, exzentrische Muskelarbeit folgt unmittelbar eine schnelle, konzentrische. [3] [4] Für viele Übungen reicht das eigene Körpergewicht, zusätzliche Lasten sind nicht nötig. [4] Das Athletikkonzept nennt außerdem Übungen aus dem olympischen Gewichtheben wie Umsetzen und Reißen, die eng mit Sprung und Antritt zusammenhängen. [1] Der Drop Jump gilt dort als Sonderform, die Reaktivkraft, die auch von der Elastizität der Sehnen abhängt. [1]
Tests und Orientierungswerte
Das DHB unterscheidet den Squat Jump ohne Ausholbewegung, den Counter Movement Jump mit Ausholbewegung und den Drop Jump als Reaktivsprung. [1] Beim Drop Jump wird ein Reaktivkraft-Index berechnet, die Sprunghöhe geteilt durch die Bodenkontaktzeit. [1] Für Spielerinnen im Grundlagentraining nennt das Konzept beim Counter Movement Jump einen Orientierungswert von 26 bis 29 Zentimetern. [1] Ab dem Aufbautraining 1 werden die Werte nach Positionen getrennt, Außenspielerinnen sollen dort 31 bis 34 Zentimeter erreichen. [1]
Was Studien zeigen
Eine Meta-Analyse von 2024 fasste 20 Studien mit 563 Handballern zusammen. [3] Plyometrisches Training zeigte große Effekte auf den Counter Movement Jump mit und ohne Armeinsatz, auf den Squat Jump und mittlere bis große auf den Weitsprung. [3] Verbessert wurden auch Sprint, Richtungswechsel, Maximalkraft und Leistung, nicht aber das Gleichgewicht. [3] Programme über mehr als acht Wochen brachten beim Sprint deutlich größere Fortschritte als kürzere. [3] Bei leichteren Spielern bis 66,6 Kilogramm fielen die Verbesserungen der Richtungswechsel deutlich größer aus. [3] In früheren Vergleichen war Plyometrie ähnlich wirksam wie Krafttraining oder exzentrisches Training. [3]
Jugend und Erwachsene
Bisher wurde Plyometrie in Studien oft mit anderen Trainingsformen kombiniert, ihr eigener Effekt war deshalb schlecht beziffert. [2] Eine Meta-Analyse von 2026 untersuchte reines Plyometrietraining ohne weitere Maßnahmen in 14 Studien mit 350 Handballern. [2] Es verbesserte Counter Movement Jump und Squat Jump deutlich, hatte aber keinen nachweisbaren Effekt auf Sprints über 10, 20 oder 30 Meter. [2] Signifikant waren die Sprungverbesserungen vor allem bei Spielern unter 18 Jahren, bei Erwachsenen nicht. [2] Die Autoren wiesen zugleich auf Hinweise für Publikationsverzerrungen hin. [2] Sie fordern standardisierte, handballspezifische Plyometrieprogramme. [2]
Dosierung
Nach einer Übersichtsarbeit zu Spitzenspielern verbessert Plyometrie allein oder zusätzlich zum Handballtraining die Leistung, wenn sie mindestens sechs Wochen lang mit zwei Einheiten pro Woche durchgeführt wird. [4] Empfohlen wird sie auch während der Saison, um die Schnellkraft zu erhalten. [4] Wie bei jedem Krafttraining sollen Belastung und Erholung nach dem Athletikkonzept in einem passenden Verhältnis stehen, weil zu viel wie zu wenig Training das Verletzungsrisiko erhöhen kann. [1]
Abgrenzung
Sprungkrafttraining zielt auf den Absprung, Wurfkrafttraining auf den Wurfarm und Schnelligkeitstraining auf Antritt und Richtungswechsel. Im Lexikon sind Athletikkonzept, Sprungwurf, Springerknie und Schnelligkeitstraining eigens beschrieben.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Athletikkonzept des DHB, Version 2.0 (Stand 15.10.2024) Deutscher Handballbund, DHB-Trainercenter
- Effects of standalone plyometric training on vertical jump and linear sprint performance in handball athletes: a systematic review and meta-analysis Frontiers in Physiology (2026)
- Effects of Plyometric Training on Physical Fitness Attributes in Handball Players: A Systematic Review and Meta-Analysis Journal of Sports Science and Medicine (Wang u. a., 2024)
- Effects of Additional Plyometric Training on the Jump Performance of Elite Male Handball Players: A Systematic Review International Journal of Environmental Research and Public Health (2023), PubMed Central
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