Spagat
Auch: Spagatparade · Spagatabwehr · Schrittsprung
Die Abwehr flacher Würfe in die untere Torecke, bei der der Torwart ein Bein weit zur Seite in die Ecke schiebt, oft bis in eine spagatähnliche Position, und den Arm parallel über dem Bein ausstreckt.
Spagat heißt im Handball eine Abwehrtechnik des Torwarts gegen flache Würfe in die untere Ecke. Der Torwart schiebt ein Bein weit zur Seite in die bedrohte Ecke und streckt den Arm parallel darüber aus. Die Methodik der Europäischen Handballföderation beschreibt dafür einen weiten Ausfallschritt oder einen Spagat. [1] Das DHB-Trainercenter lehrt im Aufbautraining 1 eine spagatähnliche Rutschtechnik. [2] Sie gilt als weniger verletzungsträchtig als der ältere Hürdensitz. [2] Die Spagatparade ist besonders wichtig, weil die unteren Ecken häufig anvisiert werden. [4] Bei der Männer-WM 2015 gingen die meisten Würfe in die untere linke Ecke aus Sicht des Torhüters, gefolgt von der unteren rechten. [4] Die Technik verlangt viel Beweglichkeit.
Ausführung nach der EHF-Methodik
Flache Bälle unterhalb der Hüfte wehrt der Torwart nach der EHF-Methodik mit Beinen und Händen ab. [1] Nahe, flache Bälle stoppt er mit der Fußinnenseite oder dem Schienbein nach einem Schritt zum Ball. [1] Gehen sie in die Torecke, macht er einen weiten Ausfallschritt oder einen Spagat und streckt den Arm über dem Bein und parallel dazu aus. [1] Der Fuß des abwehrenden Beins steht senkrecht zum Schienbein, die Ferse bleibt am Boden. [1] Der Oberkörper neigt sich zu diesem Bein und vergrößert so die Reichweite der Hand. [1] Gegen Würfe von Außen wendet der Torwart dieselbe Technik an, bewegt sich dabei aber senkrecht zur Torlinie. [1]
Die Rutschtechnik des DHB
Im Aufbautraining 1 erweitert das DHB-Trainercenter die Schrittsprungtechnik gegen flache Bälle um eine Variante. [2] Der Torwart rutscht über die Ferse mit dem gestreckten Schwungbein in die bedrohte Ecke. [2] Er landet in einer spagatähnlichen Position auf dem Gesäß. [2] Diese Technik ist nach dem DHB wesentlich weniger verletzungsträchtig als die veraltete Hürdensitztechnik, weil das unkontrollierte Aufschlagen des Knies auf dem Hallenboden weitgehend vermieden wird. [2] Zudem lassen sich damit beide Abwehrecken besser abdecken. [2] Dem Längenwachstum der Jugendlichen soll die Technik angepasst werden. [2]
Fehler vermeiden
Beim Spagat soll sich der Torwart nach der EHF-Methodik nicht mit der Hand am Boden abstützen. [1] Flache Bälle sollen nicht mit einer Flugparade abgewehrt werden. [1] Die Abwehr mit dem Bein geht schneller, und eine Flugparade verzögert den Start des Gegenstoßes. [1] Zudem kostet sie Kraft und birgt Verletzungsgefahr. [1] Ein weiterer häufiger Fehler ist, das Bein bei flachen Würfen zu früh zu heben. [1]
Schonend für Gelenke
Auch einfache Schritte zur Seite können die Gelenke belasten. Die Schweizer Plattform mobilesport.ch weist darauf hin, dass bei der Fußabwehr tiefer Bälle das Bein abgewinkelt werden und die Fußspitze zur Seite zeigen sollte. [3] Sonst wirken bei der Landung große seitliche Kräfte auf das Fußgelenk. [3] Die Ausfallschrittbewegung soll deshalb vorher gezeigt und möglichst automatisiert werden. [3] Wer Beschwerden in Hüfte, Leiste oder Knie bemerkt, sollte sie ärztlich abklären lassen, denn dieser Text ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
Warum die unteren Ecken zählen
Die Analyse der WM 2015 in Biology of Sport zeigte, dass die Würfe nicht gleichmäßig auf das Tor verteilt waren. [4] Die meisten Würfe zielten auf die untere linke Ecke aus Sicht des Torhüters, gefolgt von der unteren rechten. [4] Die Autoren empfehlen, im Training gezielt die Torbereiche mit niedriger Fangquote zu üben. [4] Eine schnelle, saubere Spagatparade gehört deshalb zum Grundrepertoire jedes Torhüters.
Training
Spagat und Ausfallschritt werden zuerst langsam und ohne Wurf geübt, etwa mit Beinschwüngen an der Sprossenwand, wie sie auch die EHF-Methodik vorschlägt. [1] Danach folgen Würfe in die unteren Ecken mit steigendem Tempo. Regelmäßiges Dehnen und Kräftigen der Hüftmuskulatur hilft, die nötige Beweglichkeit aufzubauen.
Abgrenzung
Der Spagat ist eine Form der Fußabwehr für weit entfernte flache Bälle. Nahe Bälle wehrt der Torwart mit einem kürzeren Schritt ab. Im Lexikon sind Fußabwehr und Hampelmann eigens beschrieben.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Basic Handball Methods (1997) European Handball Federation, bereitgestellt von USA Team Handball
- Torwartspiel (Aufbautraining 1) DHB-Trainercenter, Deutscher Handballbund
- Handball, Torwart: Etwas Technik Bundesamt für Sport BASPO
- Performance analysis of male handball goalkeepers at the World Handball championship 2015 Biology of Sport, über PubMed Central
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.