Würfe & Torabschluss

Rückraumwurf

Auch: Fernwurf · Distanzwurf

Der Torwurf eines Rückraumspielers aus der zweiten Reihe, meist aus acht bis zehn Metern über oder an der Abwehr vorbei; er ist eines der wichtigsten Angriffsmittel gegen defensive Abwehrreihen, trifft aber seltener als Würfe aus Tornähe.

Rückraumwurf heißt der Torwurf eines Rückraumspielers aus der zweiten Reihe, meist aus acht bis zehn Metern. Geworfen wird über die Abwehr hinweg, an einem Block vorbei oder durch eine Lücke. Gegen defensive Abwehrformationen ist der Distanzwurf oft die wichtigste Lösung. [3] Rückraumspieler werfen deshalb im Schnitt am härtesten aller Feldspieler. [2] Allerdings treffen Würfe aus neun Metern deutlich seltener als Würfe aus Tornähe. [1] Spitzenmannschaften versuchen deshalb, möglichst viele Würfe nahe am Tor herauszuspielen. [4] Der Rückraumwurf bleibt trotzdem unverzichtbar, weil er die Abwehr zwingt, herauszutreten, und so Räume am Kreis öffnet.

Die Zahlen

handballytics wertete in der Handball-Bundesliga über 75.000 Würfe aus drei Spielzeiten nach dem Wurfort aus. [1] Aus neun Metern Mitte kamen 23,5 Prozent aller Würfe, sie trafen zu 43 Prozent. [1] Von links trafen 44 Prozent, von rechts 42 Prozent, jeweils bei rund 6 Prozent aller Würfe. [1] Würfe aus sechs Metern mit Verteidiger zwischen Ball und Tor trafen nur zu rund 50 Prozent. [1] In einer internationalen Datenbank lagen Neun-Meter-Würfe zwischen 38 und 46 Prozent. [1]

Die härtesten Werfer

Eine Studie mit 48 jungen Elitespielern maß im Sprungwurf die Ballgeschwindigkeit nach Positionen. [2] Rückraumspieler warfen mit 25,1 Metern pro Sekunde am schnellsten. [2] Die Autoren erklären das damit, dass Rückraumspieler im Spiel häufig aus der Distanz werfen. [2] Sie sind zudem oft für die Annahme von Torwartpässen und Sprungwürfe im Übergangsspiel zuständig. [2] Rückraumspieler gelten als die Hauptwerfer und Spielgestalter einer Mannschaft, mit hoher Ballgeschwindigkeit und gutem Eins gegen eins. [2]

Gegen defensive Abwehrreihen

Eine Übungsreihe aus der Fachzeitschrift handballtraining, die die Europäische Handballföderation bereitstellt, beschreibt die Entwicklung in der B-Jugend. [3] Weil dort kaum noch offensiv verteidigt wird, werden die Tiefenräume der Abwehr deutlich kleiner. [3] Defensivere Abwehrformationen verlangen dann häufiger den Distanzwurf als Lösung, während das Umspielen und der Abschluss aus der Nähe an Bedeutung verlieren. [3] Bei Jungen steigert sich die Wurfkraft in dieser Phase deutlich, unterstützt durch bessere Hebel- und Kraftverhältnisse. [3] Mädchen dagegen spielen ab der B-Jugend mit größerem Ball, was den Distanzwurf eher zum Problem macht. [3]

Der Spielstil des Meisters

Die Handball-Bundesliga zeigt in ihrer Zahlenkolumne ÜberZahl, wie der Meister 2025/26 mit dem Distanzwurf umging. [4] Der SC Magdeburg hatte im Positionsangriff mit 6,1 Metern die kürzeste durchschnittliche Wurfdistanz der Liga. [4] Gleichzeitig nahm er ligaweit die wenigsten Distanzwürfe aus mehr als 8,5 Metern. [4] Seine erwartete Trefferquote auf Basis aller Abschlüsse lag bei 66,6 Prozent, so hoch wie bei keinem anderen Team. [4] Die Mannschaft suchte nach der Kolumne konsequent Abschlüsse mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit. [4]

Technik

Die meisten Rückraumwürfe sind Sprungwürfe, weil der Werfer so über die Arme der Abwehr kommt. Gegen einen herausgetretenen Verteidiger nutzen Rückraumspieler auch den Schlagwurf aus dem Stand oder den Hüftwurf am Block vorbei. Entscheidend ist der Moment: Der Wurf muss kommen, bevor die Abwehr einen geschlossenen Block bildet. Eine vorherige Wurftäuschung kann den Block auslösen und den Weg frei machen.

Abwehr und Torwart

Die Abwehr antwortet mit dem Block, meist gegen die Wurfarmseite des Werfers. Der Torwart übernimmt dann die andere Ecke, oft die kurze. Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, müssen sich Blockspieler und Torwart vorher absprechen. Gelingt dem Werfer ein Wurf in die vom Block abgedeckte Ecke, ist der Torwart meist ohne Chance.

Abgrenzung

Vom Rückraumwurf zu unterscheiden ist der Durchbruch, bei dem der Rückraumspieler bis vor den Torraum läuft. Beide gehören zusammen: Wer gut aus der Distanz trifft, zwingt die Abwehr heraus und öffnet damit Wege für den Durchbruch. Im Lexikon sind Sprungwurf, Durchbruch und Block eigens beschrieben.

Auf einen Blick

Trefferquote 9 m (Handball-Bundesliga)
42 bis 44 %, aus der Mitte 23,5 % aller Würfe
Ballgeschwindigkeit junger Rückraumspieler
25,1 m/s im Sprungwurf
Meister 2025/26
wenigste Distanzwürfe über 8,5 m der Liga

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Expected Goals: Wurfeffizienz handballytics
  2. Differences in game-based performance by playing position in young elite male team handball players Frontiers in Sports and Active Living, über PubMed Central
  3. Freies, kooperatives Spiel, Teil 1: Variables Passen und Laufwege in der Stoßbewegung (handballtraining 2/09) European Handball Federation (Lehrmaterial)
  4. ÜberZahl, die Zahlenkolumne: Warum der SC Magdeburg Deutscher Meister wurde Handball-Bundesliga

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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