Grundtechniken: Fangen, Passen, Prellen & Täuschen

Pass

Auch: Zuspiel · Passen

Das gezielte Zuspielen des Balls an einen Mitspieler; der Pass soll den Ball auf dem schnellsten und kürzesten Weg in eine für den Torwurf günstige Situation bringen und ist das Grundgerüst jedes Angriffs.

Ein Pass ist das gezielte Zuspielen des Balls an einen Mitspieler. Er soll den Ball auf dem schnellsten und kürzesten Weg zu einem Partner oder in eine für den Torwurf günstige Situation bringen. [1] Neben dem Prellen gehören Passen und Fangen zu den wichtigsten Grundfertigkeiten des Handballs. [1] Im Spitzenhandball ist das Passspiel die Grundlage, um eine gute Wurfposition gegen die Abwehr herauszuarbeiten. [3] Die meisten Pässe laufen über die drei Rückraumspieler, die das Angriffsspiel strukturieren. [3] Für die Regeln spielt die Zahl der Pässe vor allem beim passiven Spiel eine Rolle. [2] Je nach Lage gibt es verschiedene Passarten, vom Schlagwurfpass über den Sprungpass bis zum Bodenpass. Gegen moderne Abwehrsysteme steigt das Risiko von Passfehlern, weshalb Präzision und Timing entscheidend sind. [4]

Grundsätze

Eine Unterrichtshilfe auf dem Lehrportal KNSU der Universität Koblenz nennt drei Grundsätze für das Passen. [1] Der Ball soll auf dem kürzesten und schnellsten Weg zugespielt werden. [1] Vor dem Pass nimmt der Passgeber Blickkontakt zum Mitspieler oder Ziel auf. [1] Außerdem wählt er die einfachste Zuspielart, die zur Situation passt. [1] Im Unterricht wird zuerst aus dem Stand gepasst, damit genug Zeit für die genaue Technik bleibt. [1] Erst danach folgen Pässe in der Bewegung und im ganzen Raum. [1]

Der Pass aus dem Stand

Ein Rechtshänder steht beim Pass schulterbreit, mit dem linken Bein leicht vorn, und hält den Ball mit beiden Händen vor der Brust. [1] Zum Ausholen führt er den Ball zur rechten Schulter, löst dort die linke Hand und verlagert das Gewicht nach hinten. [1] Mit einem Stemmschritt kehrt er die Bewegung um und bringt Schulter und Wurfarm schnell nach vorn. [1] Der Ellenbogen ist dabei etwa auf Ohrhöhe, Ober- und Unterarm bilden ungefähr einen rechten Winkel. [1] Nach dem Abwurf klappt das Handgelenk ab, und das hintere Bein fängt den Körper ab. [1]

Häufige Fehler

Typische Fehlerbilder sind ein fehlender Stemmschritt und das falsche Bein vorn beim Wurf. [1] Oft wird die Wurfarmschulter nicht zurückgeführt oder der Arm zu tief geführt. [1] Ein weiterer Fehler ist, dass die Hand mit dem Ball beim Wurf vor dem Ellenbogen ist. [1] Solche Fehler kosten Genauigkeit und Tempo und machen den Pass für die Abwehr leichter lesbar.

Wie viel gepasst wird

Eine Netzwerkanalyse von 22 Spielen der Europameisterschaft 2018 erfasste 17.420 Pässe in 3.100 Angriffseinheiten. [3] Im Spiel sechs gegen sechs wurden im Schnitt 5,5 Pässe pro Angriffseinheit gespielt, mit siebtem Feldspieler 6,5. [3] Die Rückraumspieler waren fast an jeder Angriffseinheit beteiligt und strukturierten das Zusammenspiel. [3] Außen und Kreisläufer spielten dagegen nur in jeder dritten oder vierten Einheit mit. [3] Die Autoren erklären das damit, dass Rückraumspieler Angriffe oft möglichst früh selbst abschließen. [3]

Pässe und passives Spiel

Zeigen die Schiedsrichter das Vorwarnzeichen für passives Spiel, hat die angreifende Mannschaft höchstens vier Pässe für einen Torwurf. [2] Nationalverbände dürfen für einzelne Alters- und Leistungsklassen abweichen, höchstens aber sechs Pässe erlauben. [2] Nicht als Pass zählt ein Zuspiel, das wegen eines geahndeten Fouls nicht kontrolliert werden kann. [2] Auch ein Pass oder Wurf, den die Abwehr ins Seiten- oder Toraus lenkt, wird nicht gezählt. [2] Blockt ein Abwehrspieler dagegen einen Pass und der Ball kommt zur angreifenden Mannschaft zurück, zählt das als Pass. [2]

Passen gegen moderne Abwehr

Im Aufbautraining 1 treffen Jugendliche nach dem DHB-Trainercenter auf eine stark zur Ballseite verdichtende 3:2:1-Abwehr. [4] Die Verteidiger doppeln häufiger gegen den Ballhalter, wodurch das Risiko provozierter Passfehler steigt. [4] Die Angreifer brauchen deshalb zunehmend gemeinsame Lösungen statt reiner Einzelaktionen. [4] Auch die Torhüter sind stärker in die Spieleröffnung eingebunden und müssen schnell zwischen Kurz- und Langpass entscheiden. [4]

Passarten

Die häufigste Form ist der Schlagwurfpass aus dem Stand oder Lauf. Dazu kommen der Sprungpass über die Abwehr, der Bodenpass mit Aufsetzer und kurze Pässe aus dem Handgelenk, mit der Rückhand oder hinter dem Rücken. Das Anspiel an den Kreis und der Doppelpass sind eigene taktische Formen. Im Lexikon sind diese Passarten einzeln beschrieben, Rückhand- und Handgelenkspässe gemeinsam unter dem Rückhandpass.

Auf einen Blick

Pässe je Angriffseinheit, EM 2018
5,5 im Spiel sechs gegen sechs, 6,5 im Spiel sieben gegen sechs
Nach dem Vorwarnzeichen
höchstens 4 Pässe bis zum Torwurf (national bis 6 möglich)
Grundsätze
kürzester Weg, Blickkontakt, einfachste Zuspielart

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Passen und Fangen im Handball, Planungsentwurf KNSU, Universität Koblenz
  2. Spielregeln Hallenhandball (Stand 1. März 2025) International Handball Federation
  3. Passing Network Analysis of Positional Attack Formations in Handball Journal of Human Kinetics, über PubMed Central
  4. Alle Ziele auf einen Blick (Aufbautraining 1) DHB-Trainercenter, Deutscher Handballbund

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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