5:0+1 und 4:0+2
Auch: Plus-Deckung · Kombinierte Deckung · Einzelmanndeckung · Kurzdeckung
Kombinierte Abwehrsysteme, in denen ein oder zwei Verteidiger einen bestimmten Gegenspieler in enger Manndeckung aus dem Spiel nehmen, während die übrigen fünf oder vier Spieler eine Raumdeckung am Kreis bilden.
5:0+1 und 4:0+2 heißen kombinierte Abwehrsysteme, in denen ein oder zwei Verteidiger einen bestimmten Gegenspieler in enger Manndeckung nehmen. Die übrigen fünf oder vier Spieler verteidigen dahinter in einer Raumdeckung am Kreis. Die Methodik der Europäischen Handballföderation nennt die 5:0+1 das am häufigsten genutzte kombinierte System. [2] Nach handball-world will die Abwehr damit einen besonders starken Gegenspieler komplett aus dem Spiel nehmen. [1] Bei der 4:0+2 werden zwei Spieler kurz genommen. [1] Im Profihandball kommen diese Plus-Deckungen nahezu nie vor. [1] In unteren Ligen können sie aber den Spielverlauf auf den Kopf stellen. [1] Im Kinder- und Jugendhandball sind sie in vielen Verbänden ausdrücklich verboten. [3]
Gegen den besten Spieler
Nach der EHF-Methodik eignet sich die 5:0+1 gegen eine Mannschaft mit einem außergewöhnlich guten Spieler. [2] Meist ist das ein Rückraumschütze, es kann aber auch der Spielmacher sein. [2] Ein Verteidiger deckt ihn in Manndeckung, die anderen spielen Raumdeckung. [2] Auch der Kreisläufer kann so gedeckt werden. [2] Dann bilden die übrigen Verteidiger die Grundabwehr einige Meter weiter vom Tor entfernt, die EHF nennt das System 1+0:5. [2]
Risiko
Die Manndeckung eines Spielers vergrößert nach handball-world die Räume für alle anderen Angreifer. [1] Weil im Profihandball alle Spieler wirklich gut sind, ergibt die 5:0+1 dort wenig Sinn. [1] Auch in unteren Ligen braucht es dafür einen besonders schnellen, reaktionsstarken und wachen Verteidiger. [1] Ist er einmal überlaufen, ist ausgerechnet der beste Gegner frei. [1] Die Plus-Deckung ist deshalb eher ein gezieltes Mittel für bestimmte Gegner und Phasen als eine dauerhafte Lösung. [1]
In Überzahl und Unterzahl
Die EHF-Methodik beschreibt kombinierte Systeme auch für Phasen mit ungleicher Spielerzahl. [2] In eigener Unterzahl spielt die Abwehr fast immer eine 5:0, kann aber kurz und überraschend etwa in eine 4:0+1 wechseln, um eine Kombination des Gegners zu stören. [2] In eigener Überzahl werden neben Raumdeckungen mit vorgezogenen Verteidigern auch kombinierte Systeme wie die 5:0+1 bevorzugt. [2] Sind zwei Gegner hinausgestellt, wird auch die 4:0+2 genutzt, mit vier Spielern in Raum- und zweien in Manndeckung. [2]
Verbot im Nachwuchs
Die Rahmentrainingskonzeption des Handball-Verbands Sachsen definiert die Einzelmanndeckung als enge Deckung nur eines oder zweier Angreifer, während alle anderen Verteidiger zwischen Torraum- und Freiwurflinie agieren. [3] Um defensive Spielweisen mit manndeckenden Verteidigern zu verhindern, sind 5:0+1 und 4:0+2 in der D- und C-Jugend verboten. [3] Auch in Unterzahl dürfen keine Einzelmanndeckungen wie 4:0+1 oder 3:0+2 gespielt werden. [3] Der Handballverband Schleswig-Holstein untersagt die Einzelmanndeckung in den Oberligen der C-Jugend ebenfalls, ausdrücklich auch in Unterzahl. [4] Für die Zeit von Hinausstellungen ist in der C-Jugend zwar die Pflicht zur offensiven Zwei-Linien-Abwehr aufgehoben, das Verbot der Einzelmanndeckung gilt aber weiter. [3] In Unterzahl darf die C-Jugend dort stattdessen offensive Formationen wie 3:2 oder 1:4 oder eine defensive 5:0 wählen. [3]
Technik des manndeckenden Spielers
Der manndeckende Verteidiger bleibt eng am Gegenspieler und versucht, ihn schon an der Ballannahme zu hindern. Er stellt sich zwischen Gegner und Ball und läuft dessen Wege mit. Er darf ihn dabei nicht festhalten, sonst drohen Freiwurf und progressive Strafen. Gute Kurzdecker sind schnell, ausdauernd und können ihren Gegner lesen. Bei einer 4:0+2 müssen sich die beiden Kurzdecker zudem absprechen, damit sie sich bei Kreuzbewegungen nicht gegenseitig behindern.
Gegen die Plus-Deckung angreifen
Angreifer reagieren auf eine 5:0+1 oft, indem der gedeckte Spieler seinen Bewacher bewusst weit wegführt. So entstehen größere Räume für die übrigen vier Feldspieler gegen fünf Verteidiger. Andere Mannschaften stellen den gedeckten Spieler an den Kreis oder auf Außen, wo er weniger stört. Für die Abwehr heißt das: Die Spieler in der Raumdeckung müssen gegen die übrigen Angreifer besonders gut verschieben und helfen.
Abgrenzung
Plus-Deckungen verbinden Raum- und Manndeckung. Bei der offenen Manndeckung deckt dagegen die ganze Mannschaft Mann gegen Mann. Im Lexikon sind Manndeckung und Raumdeckung eigens beschrieben.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- So funktionieren Abwehr und Deckung im Handball handball-world.news
- Basic Handball Methods (1997) European Handball Federation, bereitgestellt von USA Team Handball
- Einheitliche Wettkampfstruktur für den Kinder- und Jugendhandball Handball-Verband Sachsen
- Durchführungsbestimmungen Saison 2025/2026 Handballverband Schleswig-Holstein
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.