Linksaußen
Auch: LA
Die Angriffsposition auf der linken Seite nahe der Seitenlinie; der Linksaußen wirft meist aus spitzem Winkel, läuft oft zum Kreis ein und ist im Gegenstoß häufig als Erster vorn.
Linksaußen heißt die Angriffsposition auf der linken Seite des Spielfelds, gesehen in Wurfrichtung der angreifenden Mannschaft. Das DHB-Trainercenter kürzt sie mit LA ab, das Gegenstück auf der anderen Seite heißt RA. [1] Der Spieler steht in der Regel nahe der Seitenlinie, dort, wo Torraumlinie und Spielfeldrand zusammenlaufen. Von hier aus bleibt ihm für den Torwurf nur ein schmaler Winkel. [1] Außenspieler gehören zu den schnellsten Spielern einer Mannschaft und starten im Gegenstoß meist als Erste. [4] Im Positionsangriff läuft der Linksaußen häufig zum Kreis ein und arbeitet dort zeitweise als zweiter Kreisläufer. [2] In der Handball-Bundesliga traf ein Wurf von Linksaußen über drei Spielzeiten in 62 Prozent der Fälle. [3] Die meisten Linksaußen sind Rechtshänder, schon weil die große Mehrheit aller Handballer mit rechts wirft. [2]
Wenig Raum, spitzer Winkel
Die Position der Außenspieler ist laut DHB-Trainercenter vor allem durch ihre besondere Abschlusssituation geprägt. [1] Für Anlauf und Absprung haben LA und RA wenig Zeit und vor allem wenig Raum. [1] Trotzdem müssen sie weit und hoch springen können, um aus dem schwierigen Wurfwinkel eine erfolgversprechende Abwurfposition zu erreichen. [1] Der Linksaußen springt deshalb möglichst weit in Richtung Tormitte ab und verbessert so seinen Winkel in der Luft. Den Luftraum über dem Torraum darf er dabei nutzen, solange er den Ball vor der Landung abgegeben hat.
Was Außenspieler trainieren
Im Athletiktraining stehen eine koordinativ verbesserte Anlauf- und Absprungbewegung sowie Beschleunigung, Sprungkraft und Rumpfstabilität im Vordergrund. [1] Wegen des Längenwachstums und der zunehmenden Muskelmasse gewinnen im Jugendalter Übungen zu Lauf, Sprung und Landung zusätzlich an Bedeutung. [1] Technisch soll der Außenspieler den Ball einhändig im Anlauf annehmen und ihn dabei gleichsam mitnehmen. [1] Hinzu kommt die Ballannahme im Sprung, wie sie beim Kempa-Trick verlangt wird. [1] Die dank besserer Sprungathletik längere Flugphase soll er gezielt für den Wurf nutzen. [1]
Die Trefferquote
Wie schwer der Abschluss von außen ist, zeigen die Wurfdaten der Handball-Bundesliga. [3] handballytics wertete über 75.000 Würfe aus drei Spielzeiten aus und kam für Linksaußen auf eine Trefferquote von 62 Prozent. [3] Würfe von der Kreismitte trafen dagegen zu 83 Prozent, Würfe aus neun Metern Mitte nur zu 43 Prozent. [3] In einer internationalen Datenbank mit inzwischen mehr als 30.000 Würfen aus Champions League, Welt- und Europameisterschaften lag Linksaußen bei 63 Prozent. [3]
Erster im Gegenstoß
Außenspieler gelten als schnell und wendig und sind stark bei Kontern und Würfen aus spitzem Winkel. [4] Eine Studie der Universität Salzburg mit 48 jungen Elitespielern, darunter neun Linksaußen und acht Rechtsaußen, belegt das mit Messwerten. [4] Die Außen liefen die ersten zehn Meter eines Gegenstoßes im Schnitt in 1,78 Sekunden, Kreisläufer brauchten 1,89 Sekunden. [4] Im Sprungwurf erreichten sie 0,39 Meter Sprunghöhe, rund 30 Prozent mehr als die Kreisläufer. [4]
Einlaufen als zweiter Kreisläufer
Eine Analyse von 58 Spielen der Europameisterschaft 2022 erfasste 491 Angriffe, in denen ein Außen zum zweiten Kreisläufer wurde und am Ende ein Wurf stand. [2] In 60,1 Prozent dieser Fälle war es der Linksaußen, in 39,9 Prozent der Rechtsaußen. [2] Meist liefen die Außen um die Abwehr herum ein und hatten den Ball dabei in 81,1 Prozent der Fälle nicht. [2] Nur in 9,2 Prozent der Situationen bekamen sie an der Sechs-Meter-Linie selbst den Ball. [2] Ihre Aufgabe war vor allem, einen bestimmten Abwehrspieler zu binden oder die Abwehr so zu stören, dass ein Mitspieler aus der Mitte werfen konnte. [2]
Warum meist Rechtshänder
Dass der Linksaußen häufiger einläuft als sein Gegenüber, führen die Autoren der EM-Analyse auf die Händigkeit zurück. [2] Für einen Rechtshänder auf links zeigt der Wurfarm beim Absprung zur Spielfeldmitte, was den nutzbaren Winkel vergrößert. Ein Linkshänder müsste auf dieser Seite dagegen mit dem Wurfarm an der Seitenlinie werfen. Deshalb besetzen Mannschaften die linke Außenposition fast immer mit Rechtshändern.
Entscheiden statt nur werfen
Neben dem Wurf verlangt die Position laut DHB-Trainercenter ein gutes Verhalten im Eins gegen eins. [1] Dazu gehört die Entscheidung, ob der Außen selbst durchbricht oder den Ball weiterspielt. [1] Pässe zur anderen Außenposition oder zum Kreisspieler gehören ebenfalls dazu, notfalls als Kempa-Zuspiel. [1] Weil der Außen im Angriff die meiste Zeit keinen Ball hat, lebt die Position stark von der Laufarbeit ohne Ball. [2]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Positionsspezifisches Angriffsspiel (Aufbautraining 2) DHB-Trainercenter, Deutscher Handballbund
- Analysis of Movement and Actions of Wingers as Second-Line Players in Organized Attack in Handball Journal of Human Kinetics
- Expected Goals: Wurfeffizienz handballytics
- Differences in game-based performance by playing position in young elite male team handball players Frontiers in Sports and Active Living, über PubMed Central
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