Regeln: Spielen des Balles & Torraum

Klare Torgelegenheit

Auch: klare Torchance

Eine in Erläuterung 6 der Spielregeln definierte Wurfchance, die kein Gegenspieler mehr mit erlaubten Mitteln verhindern kann; wird sie regelwidrig vereitelt, gibt es einen 7-m-Wurf.

Eine klare Torgelegenheit ist eine Wurfchance, die so gut ist, dass ihr regelwidriges Vereiteln mit einem 7-m-Wurf beantwortet wird. [1] Wann eine solche Chance vorliegt, legen die Erläuterungen zu den Spielregeln in drei Fällen fest. [1] Gemeinsam ist ihnen meist, dass kein Gegenspieler mehr in der Lage wäre, den Wurf mit erlaubten Mitteln zu verhindern. [1] Der Begriff spielt auch bei Wechselfehlern, bei Eingriffen von außen und in den letzten 30 Sekunden eine Rolle. [1] Kay Holm vom Deutschen Handballbund betont, dass es für die Schiedsrichter genau darauf ankommt, ob eine Torgelegenheit verhindert worden ist. [2]

An der Torraumlinie

Der erste Fall betrifft einen Spieler, der an der gegnerischen Torraumlinie bereits Ball- und Körperkontrolle hat. [1] Bekommt er die Gelegenheit zum Torwurf, ohne dass ein Gegenspieler ihn mit zulässigen Mitteln daran hindern könnte, liegt eine klare Torgelegenheit vor. [1] Das gilt auch, wenn der Spieler den Ball noch nicht hat, aber für eine unmittelbare Ballannahme bereit ist. [1] Dann darf kein Gegenspieler in der Lage sein, die Ballannahme mit zulässigen Mitteln zu verhindern. [1] Wer in dieser Lage regelwidrig eingreift, verursacht einen Siebenmeter. [1]

Der Gegenstoß

Der zweite Fall ist der Gegenstoß. Ein Spieler mit Ball- und Körperkontrolle läuft oder prellt allein auf den Torwart zu, und kein Gegenspieler kann noch vor ihn kommen und ihn stoppen. [1] Auch hier genügt es, wenn er für die Ballannahme bereit ist und der Torwart sie durch einen Zusammenprall verhindert. [1] In diesem Sonderfall spielen die Positionen der Abwehrspieler keine Rolle. [1] Der Schweizerische Handball-Verband erklärt, dass der Torwart nach einem solchen Zusammenprall disqualifiziert wird. [3] Sind die Schiedsrichter überzeugt, dass der Angreifer sonst an den Ball gekommen wäre, gibt es zusätzlich einen 7-m-Wurf. [3]

Das leere Tor

Der dritte Fall tritt ein, wenn der Torwart seinen Torraum verlassen hat und ein Gegenspieler mit Ball- und Körperkontrolle eine klare und ungehinderte Gelegenheit hat, den Ball ins leere Tor zu werfen. [1] Nach den Zusatzbestimmungen setzt das voraus, dass der Spieler den Ball hat und klar versucht, direkt auf das leere Tor zu werfen. [1] Diese Definition gilt unabhängig von der Art des Vergehens und davon, ob der Ball im Spiel war. [1] Spielt eine Mannschaft ohne Torwart und verliert den Ball, ist nach den Schweizer Regelfragen grundsätzlich von einer klaren Torgelegenheit auszugehen. [3]

Was einen Siebenmeter auslöst

Auf 7-m-Wurf wird entschieden, wenn Spieler oder Offizielle der gegnerischen Mannschaft eine klare Torgelegenheit irgendwo auf der Spielfläche regelwidrig vereiteln. [1] Dasselbe gilt für einen unberechtigten Pfiff einer anderen Person als der Schiedsrichter während einer solchen Chance. [1] Auch wenn Zuschauer die Spielfläche betreten oder ein Pfiff aus dem Publikum den Spieler stoppt, gibt es einen Siebenmeter. [1] Bei höherer Gewalt wie einem Stromausfall im Moment einer klaren Torgelegenheit ist die Regel entsprechend anzuwenden. [1]

Vorteil geht vor

Nicht jedes Foul an einem Spieler mit klarer Chance führt zum Siebenmeter. Bleibt er trotz der Regelwidrigkeit unter voller Ball- und Körperkontrolle, wird nicht auf 7-m-Wurf entschieden, auch wenn er anschließend vergibt. [1] Erzielt er trotz des Fouls ein Tor, gilt das Tor. [1] Verliert er wegen des Fouls jedoch so eindeutig die Kontrolle, dass die Chance nicht mehr besteht, folgt der Siebenmeter. [1] Die Schiedsrichter sollen erst eingreifen, wenn sie sicher sind, dass diese Entscheidung tatsächlich angezeigt ist. [1]

Keine Doppelbestrafung

Häufig wird ein Siebenmeter mit Zeitstrafe als doppelte Strafe empfunden. Kay Holm stellt klar, dass der Siebenmeter nur die Spielfortsetzung bestimmt, so wie nach einem normalen Foul ein Freiwurf folgt. [2] War das Foul bei der klaren Torgelegenheit so heftig, dass es eine Strafe braucht, ist das die persönliche Strafe für den foulenden Spieler. [2] Auch das Betreten des Torraums durch einen Abwehrspieler führt nicht automatisch zum Siebenmeter. [2] Es kommt darauf an, ob er sich dadurch einen Vorteil verschafft und eine Torgelegenheit verhindert hat. [2]

Wie klar ist klar?

Auch eine klare Torgelegenheit ist kein sicheres Tor. Das Portal handballytics hat Trefferquoten nach Wurfort für die Handball-Bundesliga berechnet, auf Grundlage von über 75.000 Würfen aus drei Spielzeiten. [4] Danach ist ein Gegenstoß, der von der rechten Seite aus sechs Metern abgeschlossen wird, 0,82 Tore wert. [4] Ein Wurf aus der Kreismitte kommt auf 0,83 Tore, ein Wurf von Linksaußen auf 0,62 Tore. [4] Das Modell geht auf eine Idee des italienischen Trainers Sergio Palazzi zurück, der dafür eine eigene Wurfdatenbank aufbaute. [4]

Auf einen Blick

Drei Fälle
an der Torraumlinie, im Gegenstoß, vor dem leeren Tor
Bei Vereitelung
7-m-Wurf
Kein 7-m-Wurf
wenn der Spieler die Kontrolle behält oder trotzdem trifft

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. DHB-Zusatzbestimmungen zu den internationalen Handballregeln (Stand 1. Juli 2025) Deutscher Handballbund
  2. 7 populäre Regelirrtümer: Die Doppelbestrafung gibt es nicht handball-world
  3. Regelfragen 1 bis 98 (September 2020) Schweizerischer Handball-Verband
  4. Expected Goals: Wurfeffizienz in der Handball-Bundesliga handballytics.de (Julian Rux)

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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