Abwehrspiel: Technik & Systeme

Heraustreten

Auch: Herausgehen · Anstechen

Das Vorrücken eines Abwehrspielers aus der Abwehrreihe dem Ball führenden Angreifer entgegen, um ihn früh zu stören, einen Wurf zu verhindern oder ihn zur Seite abzudrängen; danach fällt der Verteidiger wieder in die Reihe zurück.

Heraustreten heißt das Vorrücken eines Abwehrspielers aus der Abwehrreihe, dem Ball führenden Angreifer entgegen. Ziel ist, ihn früh zu stören, einen freien Wurf zu verhindern und ihn zur Seite abzudrängen. Auch in der 6:0-Abwehr stehen die Spieler nicht dauerhaft auf sechs Metern. [2] Attackiert ein Rückraumspieler die Formation, wird er meist spätestens auf etwa acht Metern angegriffen. [2] Nach der Aktion fällt der Verteidiger wieder in die Reihe zurück, damit hinter ihm keine Lücke bleibt. [1] Wer heraustritt und wer absichert, müssen die Verteidiger in jeder Situation abstimmen. [2] Im Schulsport heißt das schnelle Vor und Zurück auch Anstechen. [3]

Wann heraustreten

Nach handball-world hängt der Zeitpunkt des Heraustretens stark vom Angreifer ab. [2] Ist der Spieler besonders wurfstark, verteidigt die Deckung ihn früher. [2] Hat er dagegen wenig Wurfqualität und kommt eher über sein Eins gegen eins, wird er erst defensiver angenommen. [2] Andernfalls hätte ein Werfer zu viel Platz, und ein Wurf wäre kaum zu verteidigen. [2] Die Schwierigkeit der 6:0-Abwehr liegt darin, dass es keine Rollen gibt, die nur offensiv oder nur defensiv sind. [2] Funktioniert die Kommunikation nicht, ist auch sie anfällig für Gegentreffer. [2]

Der Ablauf in der 6:0-Abwehr

handballtraining.de beschreibt das Heraustreten in einer aktiven 6:0-Abwehr. [1] Der Halbverteidiger tritt stets gegen den Ball führenden Halbspieler im Rückraum heraus. [1] Sucht dieser den Laufweg über die Mitte, übernimmt ihn der Innenverteidiger. [1] Der Halbverteidiger lässt sich dann zurückfallen und verschiebt hinter dem Innenverteidiger zur Ballseite. [1] So entsteht ein Dreieck, das den Kreis absichert. [1] Der Abwehrspieler auf der Halbposition kann durch sein Heraustreten zudem den Druck auf die Entscheidung des Spielmachers erhöhen. [1]

Offensiv oder defensiv

Das Bundesamt für Sport beschreibt, dass sich jede Grundaufstellung in der Abwehr defensiv oder offensiv interpretieren lässt. [3] In der klassischen 6:0 verlässt ein Verteidiger den Riegel nur, wenn ein Angreifer gefährlich anläuft. [3] Theoretisch kann daraus aber auch ein 0:6-System werden, in dem alle Verteidiger sehr offensiv stehen. [3] Für die Schule empfiehlt das Bundesamt eine offensive und ballorientierte Ausrichtung, weil das Ziel ist, möglichst bald wieder in Ballbesitz zu kommen. [3] Also: nicht reagieren, sondern agieren, stören, täuschen und vorwegnehmen. [3]

Anstechen im Schulsport

In einer Übung des Bundesamts für Sport spielen drei Angreiferinnen gegen zwei Verteidigerinnen, eine Angreiferin steht am Kreis. [3] Berührt eine Verteidigerin die Ballführerin vor der Freiwurflinie, darf diese kein Tor mehr erzielen. [3] Die Verteidigerinnen schieben schnell vor und zurück, das sogenannte Anstechen, und verhindern so einen Pass an den Kreis. [3] Ziel der Übung ist, Anstechen und das Abdecken des Kreisläufers zu verbinden. [3] Als Variante zählt ein Anspiel an den Kreis für die Angreifer einen Punkt. [3]

Gegen den heraustretenden Verteidiger

Die Rahmentrainingskonzeption des DHB beschreibt umgekehrt, was Angreifer gegen einen heraustretenden Verteidiger lernen. [4] Mit seitlichen Bewegungen und Stoßbewegungen sollen sie sich ihm gegenüber einen räumlich-dynamischen Vorsprung verschaffen. [4] Dabei werden gezielt die Nahtstellen angelaufen. [4] Im Aufbautraining I üben Verteidiger dafür offensive, defensive und vorwegnehmend offensive Grundbewegungen. [4] Heraustreten und Zurückfallen werden so von beiden Seiten geschult.

Risiken

Jedes Heraustreten öffnet hinter dem Verteidiger einen Raum. Kreisläufer versuchen genau dort zu sperren und sich dann abzusetzen. Deshalb muss ein Nachbar absichern, sobald ein Verteidiger herausgeht. Wer zu früh oder zu weit heraustritt, wird leicht mit einer Täuschung überlaufen. Gute Abwehrreihen treten deshalb nur so weit heraus, wie es die Wurfgefahr verlangt, und kehren sofort zurück.

Abgrenzung

Das Heraustreten ist die Bewegung nach vorn, das Zurückgehen oder Absinken die Bewegung zurück in die Reihe. Beide gehören zusammen und werden im Lexikon eigens beschrieben, ebenso wie das Übergeben und Übernehmen.

Auf einen Blick

Typische Entfernung
Angreifer wird spätestens auf etwa acht Metern angegriffen
Gegen Werfer
wurfstarke Spieler früher, Durchbruchsspieler defensiver annehmen
Schulsport
schnelles Vor und Zurück, auch Anstechen genannt

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Abwehrsystem: Die 6:0 Abwehr, Grundprinzipien handballtraining.de
  2. So funktionieren Abwehr und Deckung im Handball handball-world.news
  3. mobile 5/06: Handball, rassiges Hin und Her Bundesamt für Sport BASPO
  4. Rahmentrainingskonzeption des Deutschen Handball-Bundes 2005 bis 2008 Deutscher Handballbund (bereitgestellt vom HV Rheinland)

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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