Harzverbot und harzfreie Bälle
Auch: Haftmittelverbot · harzfreier Ball
Das Verbot von Harz und anderen Haftmitteln in vielen kommunalen Sporthallen; gespielt wird dann mit harzfreien Bällen, die seit 2022 kleiner sein dürfen.
Viele Städte und Gemeinden verbieten in ihren Sporthallen Harz und andere Haftmittel. Der Grund sind die klebrigen Rückstände, die nur mit großem Aufwand wieder vom Boden zu entfernen sind. [2] Betroffen sind vor allem Mehrzweckhallen, die am nächsten Morgen von Schulklassen oder anderen Vereinen genutzt werden. [2] Vereine mit eigener Halle können dagegen meist selbst entscheiden, ob sie Haftmittel zulassen. [2] Für Handballer bedeutet ein Harzverbot, dass sie ohne Haftmittel spielen müssen. Damit das trotzdem funktioniert, gibt es harzfreie Bälle, die kleiner und leichter sind. [1] Zwischen Hallen, Kommunen und Ligen ist so ein regelrechter Flickenteppich entstanden. [2]
Ein Beispiel aus einer Satzung
Wie ein Verbot aussieht, zeigt die Satzung der Stadt Wuppertal über die Benutzung städtischer Sportanlagen aus dem Jahr 2011. Darin ist die Nutzung von Haftmitteln, etwa Harz für Handballer, ausdrücklich verboten. [4] Ausnahmen gelten nur für Mannschaften der Bundesligen, wenn der Sportfachverband das zulässt. [4] In diesen Fällen muss der Nutzer die Rückstände unmittelbar nach der Nutzungszeit entfernen, sonst geschieht das auf seine Kosten. [4] Auch Abfall muss so geräumt werden, dass die Unterhaltsreinigung ohne weitere Vorbereitung möglich ist. [4]
Wo ein Verbot nicht greift
Ganz frei sind die Hallenbetreiber dabei nicht. In allen Spielklassen des Deutschen Handballbunds und in den Regionalligen der Landesverbände muss die Nutzung eines Haftmittels gestattet sein. [1] Das betrifft Erwachsene und den Nachwuchs bis zur männlichen C- und weiblichen B-Jugend. [1] Landesverbände dürfen nur befristete Ausnahmen für einzelne Mannschaften zulassen, nicht für ganze Spielklassen. [1] Wer in diesen Ligen spielt, braucht also eine Halle, in der Harz erlaubt ist.
Darunter entscheiden die Verbände
Unterhalb der Regionalliga entscheiden die Landesverbände, ob ein generelles Harzverbot gilt oder die Vereine in Absprache mit dem Hallenbetreiber Haftmittel nutzen dürfen. [2] Der Hessische Handballverband erlaubt Haftmittel zum Beispiel erst ab der Regionalliga. [2] In Schleswig-Holstein regelt die Hausordnung der jeweiligen Halle, ob und welche Wachsprodukte erlaubt sind. [3] Harzdepots an den Schuhen sind in den Oberligen und Verbandsligen des Landes untersagt. [3]
Der harzfreie Ball
Um den geringeren Halt ohne Haftmittel auszugleichen, erlaubt die IHF seit 2022 kleinere Bälle. [2] Ein harzfreier Ball der Größe 3 misst 55,5 bis 57,5 Zentimeter und wiegt 400 bis 425 Gramm. [1] Ein harzfreier Ball der Größe 2 misst 51,5 bis 53,5 Zentimeter bei 300 bis 325 Gramm. [1] Den kleineren Ball der Größe 2 spielen im Bereich des Deutschen Handballbunds die Frauen, die weibliche A- und B-Jugend sowie die männliche B- und C-Jugend. [1] In Hessen wird unterhalb der Regionalliga seit der Saison 2024/25 mit diesen kleineren Bällen gespielt. [2]
Langsamer ohne Harz
Ganz ausgleichen lässt sich der fehlende Halt aber nicht. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum maß 2023 mit einem alten und einem neuen harzfreien Ball Wurfgeschwindigkeiten von 77,2 und 77,6 Kilometern pro Stunde. [2] Mit Harz flog der Ball dagegen 80,7 Kilometer pro Stunde schnell. [2] Der kleinere Ball holt den Nachteil also nur zu einem kleinen Teil auf.
Der selbstklebende Ball
Lange ruhte die Hoffnung auf einem Ball, der von selbst haftet. Der Deutsche Handballbund untersuchte einen solchen selbstklebenden Handball einige Jahre in eigenen Arbeitsgruppen. [2] In den Versuchsreihen ließ die Klebewirkung aber zu schnell nach. [2] Neue Oberflächen, etwa aus Mikrofaser-Polyurethan, sollen mehr Halt ohne Klebstoff bringen, sind aber noch Gegenstand der Forschung. [2] In absehbarer Zeit dürften solche Bälle im Spielbetrieb noch keine große Rolle spielen. [2]
Nachteil beim Aufstieg
Ein Harzverbot hat sportliche Folgen. Vereine, die im Liga- und Trainingsbetrieb ohne Haftmittel auskommen müssen, mussten in Qualifikationsspielen zur höheren Liga teils plötzlich mit Harz spielen, ohne Vorbereitung. [2] Als Ausweg empfiehlt das Fachportal, das Gespräch mit dem Hallenbetreiber zu suchen, etwa über wasserlösliche Haftmittel oder eine Reinigung durch den Verein selbst. [2] So lässt sich ein Verbot manchmal in eine Erlaubnis mit Auflagen verwandeln.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- DHB-Zusatzbestimmungen zu den internationalen Handballregeln (Stand 1. Juli 2025) Deutscher Handballbund
- Handball-Harz: Wenn die Patte zum Problem wird Sportplatzwelt
- Durchführungsbestimmungen Saison 2025/2026 Handballverband Schleswig-Holstein
- Satzung über die Benutzung städtischer Sportanlagen vom 08.03.2011 Stadt Wuppertal
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.