Regelwidrigkeiten & Strafen

Blaue Karte

Auch: Disqualifikation mit Bericht

Die Karte, die ein Schiedsrichter nach der roten Karte zusätzlich zeigt, wenn der Disqualifikation ein schriftlicher Bericht folgt; über weitere Strafen wie Sperren entscheidet dann eine Disziplinarinstanz.

Die Blaue Karte zeigt an, dass einer Disqualifikation ein schriftlicher Bericht folgt. [1] Der Schiedsrichter hält sie nach der roten Karte zur Information zusätzlich hoch. [1] Mannschaftsverantwortliche und Delegierter sind dann unmittelbar über die Entscheidung zu informieren. [1] Eingeführt hat sie der Weltverband IHF zum 1. Juli 2016, zusätzlich zu Gelb und Rot. [4] Nach einer Blauen Karte entscheidet eine Disziplinarinstanz über weitere Sanktionen wie Sperren oder Geldstrafen. [4] Die Karte selbst dient also vor allem der Information über das weitere Verfahren. [1]

Wofür sie steht

Die Schweizer Regelfragen erklären den Zweck. Wird ein Spieler disqualifiziert, müssen die Schiedsrichter zusätzlich entscheiden, ob das Vergehen eine weitere Sanktion nach sich ziehen soll. [3] In diesem Fall schreiben sie einen Bericht und zeigen nach der roten auch die Blaue Karte. [3] Damit bringen sie zum Ausdruck, dass es sich um eine besonders gefährliche oder besonders unsportliche Aktion handelt. [3] In der Schweiz ist in besonderen Fällen nach Entscheid des Verbands auch ein Bericht ohne Blaue Karte möglich. [3]

Die Vergehen

Eine Disqualifikation mit Bericht ist bei zwei Gruppen von Vergehen vorgesehen. [1] Zur ersten gehören Aktionen, die die Schiedsrichter als besonders rücksichtslos, besonders gefährlich, vorsätzlich oder arglistig einstufen. [1] Dazu zählt eine vorsätzliche oder arglistige Aktion ohne jeden Bezug zu einer Spielhandlung. [1] Zur zweiten Gruppe gehört besonders grob unsportliches Verhalten, etwa Beleidigungen oder Drohungen. [1] Ebenso dazu gehört das Eingreifen eines Offiziellen ins Spiel oder das Vereiteln einer klaren Torgelegenheit durch einen Spieler, der unerlaubt die Spielfläche betritt. [1]

Beleidigung und Bedrohung

Beleidigungen oder Drohungen können sich gegen Mit- und Gegenspieler, Offizielle, Schiedsrichter oder Zuschauer richten. [2] Sie können durch Worte, Gesten, Mimik oder Körperkontakt geschehen, wozu nach dem Schiedsrichterportal des Deutschen Handballbundes auch das Anspucken gehört. [2] Spucken vor einem Dritten wird dagegen nach IHF-Auslegung nur als grob unsportlich ohne Bericht bestraft. [2] Beleidigungen gelten als besonders grob unsportlich, weil sie nicht nur die Grenzen der Fairness, sondern auch anerkannte Grundsätze des menschlichen Miteinanders verletzen. [2]

Wenn Offizielle eingreifen

Greift ein Trainer bei Anweisungen an seine Mannschaft versehentlich ins Spielgeschehen ein, gibt es eine sofortige Hinausstellung. [2] Für eine Disqualifikation muss das Verhalten nach dem Schiedsrichterportal eine gewisse Schwere, Gefahr oder die klare Absicht einer böswilligen Handlung haben. [2] Greift ein Offizieller auf der Spielfläche oder vom Auswechselraum aus ein, um das Spiel zu stören, etwa durch Blocken, Abfangen von Pässen oder Festhalten von Spielern, folgt die höchste Strafe des Regelwerks. [2] Solche Verhaltensweisen schaden nach dem Portal dem Image der Sportart. [2]

Rot ohne Bericht

Nicht jede rote Karte bekommt eine blaue dazu. Grob unsportliches Verhalten führt zur Disqualifikation ohne Bericht. [2] Beispiele sind das demonstrative Wegwerfen des Balles nach einer Entscheidung, ein Torwart, der zeigt, dass er einen Siebenmeter nicht abwehren will, oder ein Revanchefoul direkt nach einem erlittenen Foul. [2] Wirft ein Spieler während einer Unterbrechung absichtlich einen Gegner an, ist das ebenfalls grob unsportlich. [2] Ein harter Wurf aus kurzer Entfernung kann aber als besonders rücksichtslos gelten und dann eine Disqualifikation mit Bericht verlangen. [2]

Die Einführung 2016

Die Blaue Karte war Teil einer großen Regelreform. Der Weltverband wollte damit vor allem Regelverstöße in der Schlussphase eines Spiels härter bestrafen. [4] Getestet wurden die neuen Regeln bei den Junioren- und Jugend-Weltmeisterschaften 2015, schon bei den Olympischen Spielen 2016 sollte danach gespielt werden. [4] Zeigt ein Schiedsrichter die Blaue Karte nach einem Platzverweis zusätzlich, wird automatisch ein schriftlicher Bericht verfasst. [4] Für weitere Sanktionen ist dann die Disziplinarkommission zuständig. [4]

In den letzten 30 Sekunden

Besondere Bedeutung hat die Schwere eines Vergehens in den letzten 30 Sekunden. Wird ein Vergehen nach Regel 8:5 oder 8:6 dann begangen, um ein Tor zu verhindern, ist es als besonders grob unsportlich zu beurteilen. [1] Der fehlbare Spieler wird disqualifiziert, und der Gegner erhält zusätzlich einen 7-m-Wurf. [1] Erzielt die gefoulte Mannschaft vor der Unterbrechung noch ein Tor, entfällt der Siebenmeter. [1]

Auf einen Blick

Eingeführt
1. Juli 2016
Bedeutung
Disqualifikation mit schriftlichem Bericht
Vergehen
nach Regel 8:6 und 8:10

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. DHB-Zusatzbestimmungen zu den internationalen Handballregeln (Stand 1. Juli 2025) Deutscher Handballbund
  2. Strafe für grob unsportliches Verhalten: Disqualifikation DHB-Schiedsrichterportal
  3. Regelfragen 1 bis 98 (September 2020) Schweizerischer Handball-Verband
  4. Regel-Revolution im Handball perfekt SPORT1

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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