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Training, Athletik & Methodik

Aufwärmen im Handball

Auch: Warm-up · Aufwärmprogramm · M.A.P.S.

Die strukturierte Vorbereitung auf Training und Spiel, nach dem DHB-Athletikkonzept in vier Phasen: Mobilisation, Aktivierung, Potenzierung und Spezifizierung; gut aufgebaute Aufwärmprogramme senken nachweislich das Verletzungsrisiko.

Aufwärmen heißt die Vorbereitung von Körper und Kopf auf Training oder Spiel. Ein Warm-up dauert nach dem DHB-Athletikkonzept in der Regel etwa 10 bis 30 Minuten, alle gewünschten Inhalte müssen in dieser kurzen Zeit systematisch Platz finden. [1] Ziel ist, dass die Spieler am Ende ihre volle körperliche und geistige Leistung abrufen können. [1] Gut aufgebaute Aufwärmprogramme senken zudem das Verletzungsrisiko. [1] [3] [4]

Das M.A.P.S.-Modell

Das Athletikkonzept gliedert das Warm-up in vier Phasen: Mobilisation, Aktivierung, Potenzierung und Spezifizierung. [1] Bei der Mobilisation werden ein oder mehrere Gelenke aktiv durch den ganzen Bewegungsradius geführt, abgestimmt auf die typischen Bewegungen des Handballs. [1] Das soll die Gelenke geschmeidiger machen und Rezeptoren in Gelenken und Gewebe anregen. [1] Die Aktivierung spricht gezielt einzelne Muskeln und Muskelgruppen an, erhöht die Muskelspannung und verbessert die Kraftübertragung für die späteren Bewegungen. [1] Außerdem steigen Dehnungstoleranz und Durchblutung, und der Stoffwechsel der Muskulatur kommt in Gang. [1] Die Phasen gehen fließend ineinander über, Mobilisationsübungen können durchaus aktivierend wirken. [1]

Potenzierung und Spezifizierung

Die Potenzierung umfasst intensive Übungen, die das Nerv-Muskel-System auf höchste Erregbarkeit bringen, etwa schnelle Bewegungen mit maximalem Tempo und plyometrische Übungen. [1] Dafür müssen die beteiligten Strukturen bereits gut aktiviert sein, um Verletzungen zu vermeiden, der Umfang bleibt niedrig, die Pausen lang. [1] In der Spezifizierung werden schließlich die Bewegungen und Handlungen des Handballs direkt vorbereitet. [1] Je nach Verein arbeiten die Spieler dann mit den Trainern, der medizinisch-athletischen Abteilung oder allein. [1]

Jedes Training eine Chance

Beweglichkeit und Stabilität gelten im Athletikkonzept als Grundvoraussetzung sportlicher Leistung. [1] Sie sollen deshalb über ein gezieltes, strukturiertes und vor allem fortschreitend gesteigertes Warm-up in jedem Training mitgeschult werden. [1] Die VBG beschreibt strukturierte Warm-up- und Cool-down-Routinen als effektive, zeitsparende Methoden der Prävention. [2] Angesichts dichter Wettkampfkalender gewinnt nach der VBG auch die Erholung an Bedeutung, Training und Erholung müssen gut aufeinander abgestimmt werden. [2] Die Faszienrolle empfiehlt sie zur Regeneration und als Ergänzung des Warm-ups. [2]

Prävention durch Aufwärmen

Eine Studie im British Medical Journal verglich bei 1.837 Handballern im Alter von 15 bis 17 Jahren ein strukturiertes Aufwärmprogramm mit einer Gruppe ohne Programm. [4] Das Programm schulte Wahrnehmung sowie Knie- und Sprunggelenkskontrolle bei Landungen und Drehbewegungen. [4] In der Saison traten in der Programmgruppe deutlich weniger Verletzungen auf, das relative Risiko lag bei 0,53. [4] Ein solches Programm kann die Zahl der Knie- und Sprunggelenksverletzungen bei jungen Sportlern also etwa halbieren. [4]

Eine Studie aus Deutschland

Achenbach und Kollegen teilten 23 Jugendmannschaften mit 279 Spielerinnen und Spielern in zwei Gruppen: 13 Teams machten eine Saison lang ein Präventionsprogramm, 10 Teams nicht. [3] Schwere Knieverletzungen traten in der Kontrollgruppe mit 0,33 pro 1.000 Stunden deutlich häufiger auf als in der Programmgruppe mit 0,04. [3] Insgesamt verletzten sich 24 Prozent der Spieler, bei 1,85 Verletzungen pro 1.000 Stunden Handball, Knieverletzungen waren die zweithäufigste Verletzungsart. [3] Bei anderen Verletzungen der Beine gab es keinen signifikanten Unterschied. [3] Die Autoren fordern, solche neuromuskulären Übungen fest ins Training und in die Trainerausbildung aufzunehmen. [3]

Das VBG-Programm

Die VBG hat für Handballer Präventionsübungen zusammengestellt, die von Sportwissenschaftlern auf Grundlage aktueller Erkenntnisse entwickelt wurden. [2] Sie umfassen dynamische Beweglichkeit, Körperkontrolle und Bewegungsqualität, Schulterkontrolle sowie Übungen mit der Faszienrolle. [2] In jedem Aufwärmprogramm sollten alle Bereiche vorkommen, empfohlen sind drei bis vier Übungen pro Bereich. [2] Kombinieren lassen sie sich mit Lauf- und Koordinationsübungen, Balltechnik oder Spielformen. [2] Handball hatte in der Saison 2019/20 nach dem Fußball die meisten verletzungsbedingten Ausfälle. [2]

Abgrenzung

Das Aufwärmen bereitet auf die Belastung vor, die Verletzungsprävention umfasst darüber hinaus Training, Belastungssteuerung und Ausrüstung. Im Lexikon sind Verletzungsprävention, Athletikkonzept, Kreuzbandriss und Aufbau einer Trainingseinheit eigens beschrieben.

Auf einen Blick

Dauer
nach dem DHB etwa 10 bis 30 Minuten
Phasen
Mobilisation, Aktivierung, Potenzierung, Spezifizierung
Wirkung
in einer Studie fast halbierte Knie- und Sprunggelenksverletzungen

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Athletikkonzept des DHB, Version 2.0 (Stand 15.10.2024) Deutscher Handballbund, DHB-Trainercenter
  2. Handball: Prävention und Trainingssteuerung VBG
  3. Neuromuscular exercises prevent severe knee injury in adolescent team handball players Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy (Achenbach u. a., 2018)
  4. Warm-up programme prevents knee and ankle injuries BMJ (2005), PubMed Central

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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