3:3-Abwehr
Auch: 3:3-Deckung · Drei-drei-Abwehr
Ein sehr offensives Abwehrsystem mit drei Verteidigern am Kreis und drei vorgezogenen Spielern, die den gesamten gegnerischen Rückraum früh angreifen; im Nachwuchs dient es als Lern-Abwehr, im Spitzenhandball ist es selten.
3:3-Abwehr heißt ein Abwehrsystem mit drei Verteidigern am Kreis und drei vorgezogenen Spielern davor. Nach handball-world werden dabei alle Rückraumspieler offensiv verteidigt. [1] Die Tiefenräume hinter der vorderen Linie sind entsprechend groß. [1] Im Spitzenhandball ist die 3:3 selten: In der Handball-Bundesliga machte sie in der Saison 2023/24 nur 0,8 Prozent der Abwehrphasen aus. [2] Im Nachwuchs hat sie dagegen einen festen Platz. [3] Das DHB-Trainercenter nennt sie neben der 1:5 als Lern-Abwehr im Grundlagentraining. [3] Die Internationale Handballföderation zählt die 3:3 wie die 3:2:1 zu den tief gestaffelten Systemen. [4] Die 6:0 bezeichnet sie dagegen als flache Abwehr. [4]
Lern-Abwehr im Nachwuchs
Im Grundlagentraining verteidigen die Mannschaften nach dem DHB-Trainercenter gemäß Wettspielstruktur in einer 1:5- oder 3:3-Abwehr, fortgeschrittene Teams auch in einer 3:2:1. [3] Jeder Verteidiger ist dabei für einen bestimmten Raum zuständig. [3] Die 3:3 kann alternativ zur 1:5 gespielt werden. [3] Sie muss gespielt werden, wenn die gegnerischen Außen als Eckenaußen in den Ecken des Spielfelds stehen. [3] Mannschaftstaktische Anforderungen stehen dabei nicht im Fokus. [3] Die Systeme bilden vielmehr einen Rahmen für die individuelle Ausbildung und sind deshalb als Wettkampfvorgabe festgeschrieben. [3]
Im Schulhandball
Die Schulhandball-Reihe der Internationalen Handballföderation empfiehlt für fortgeschrittene Lernende Druckabwehren wie 3:3, 5:1 oder 3:2:1. [4] Im Spiel sechs gegen sechs sollen die Schüler lernen, welche Einschränkungen Systeme mit unterschiedlicher Linienstruktur stellen. [4] Dazu zählt die IHF die 3:3, die 5:1, die 4:2 und die 3:2:1. [4] Auch im modernen Handball verteidigen die Systeme nach der IHF unabhängig von der Grundordnung sehr drückend und vorausschauend. [4] Ziel ist, Fehler zu provozieren und den Ball schnell zurückzugewinnen. [4]
Wann sie funktioniert
Nach handball-world kann eine 3:3 nur funktionieren, wenn die verteidigende Mannschaft schneller und wacher ist als die angreifende. [1] Sie bietet sich etwa für kleingewachsene Mannschaften an, die große Gegenspieler so früh stören und verteidigen können. [1] Das Risiko ist hoch. [1] Der gegnerische Kreisläufer hat sehr viel Platz am Kreis, und auch die Außen können wirkungsvoll einlaufen. [1] Ein verlorenes Eins gegen eins führt in der 3:3 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Torchance. [1]
Belastung
Die Bundesliga-Studie in Frontiers in Sports and Active Living fand in der 3:3 die kürzesten Abwehrphasen, im Schnitt 17,2 Sekunden. [2] Für die verteidigende Mannschaft schätzte das Modell in der 3:3 rund 75,7 Abbremsungen pro zehn Minuten gegenüber 30,0 in der 6:0. [2] Die Autoren raten wegen der geringen Zahl von nur 98 Phasen aber zur Vorsicht bei diesem Ergebnis. [2] Sie vermuten, dass offensive Formationen wie die 3:3 größere Räume schaffen, die eng gedeckt werden müssen. [2] Verteidiger müssen dort öfter auf Einläufer, Täuschungen und Richtungswechsel reagieren. [2]
Technik und Aufgaben
Die drei vorderen Verteidiger stehen jeweils gegen einen Rückraumspieler und versuchen, Pässe abzufangen und den Spielaufbau weit vor dem Tor zu stören. Die drei hinteren sichern den Kreis und die Außenpositionen. Weil die Räume zwischen den Linien groß sind, muss jeder vordere Verteidiger sein Eins gegen eins gewinnen. Läuft ein Angreifer an den Kreis ein, müssen die Verteidiger ihn sauber übergeben oder begleiten.
Abgrenzung
Die 3:3 ist mit der 1:5 und der 3:2:1 eine typische Zwei-Linien-Abwehr. Von der 3:2:1 unterscheidet sie sich dadurch, dass es keinen einzelnen Verteidiger in der Mitte zwischen den Linien gibt. Im Lexikon sind diese Systeme eigens beschrieben.
Gegen die 3:3 angreifen
Gegen eine 3:3 suchen Angreifer gezielt die großen Räume hinter der ersten Linie. Einlaufende Außen, Kreisanspiele und Durchbrüche nach einem gewonnenen Eins gegen eins sind die typischen Mittel. Für Nachwuchsmannschaften ist das eine gute Schule im Spiel in Breite und Tiefe.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- So funktionieren Abwehr und Deckung im Handball handball-world.news
- How different defensive formations affect physical match demands in the German Handball-Bundesliga: a comparison of the attacking and defending team Frontiers in Sports and Active Living
- Alle Ziele auf einen Blick (Grundlagentraining) DHB-Trainercenter, Deutscher Handballbund
- Handball at School Booklet Series International Handball Federation
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.