WM-System
Auch: 3-2-2-3 · WM-Aufstellung
Ein historisches, offensiv geprägtes Spielsystem, dessen Spieleranordnung an die Buchstaben W und M erinnert.
Das WM-System war in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eine prägende Spielordnung und verdankt seinen Namen der Anordnung der Spieler auf dem Feld. [1] Von oben betrachtet erinnert diese an ein W und ein darüberliegendes M.
Woher der Name kommt
Der Name WM hat nichts mit der Weltmeisterschaft zu tun, sondern allein mit der Positionierung der Spieler. [3] Betrachtet man das System aus der Vogelperspektive, ergeben die Linien der Abwehr und des Angriffs die Form der beiden Buchstaben, ein W über einem M. [1] Diese anschauliche Ähnlichkeit gab dem System seinen bis heute gebräuchlichen Namen.
Die moderne Lesart
In heutiger Zählweise entspricht das WM-System etwa einem 3-2-2-3. [1] Es besteht also aus drei Verteidigern, zwei defensiven und zwei offensiven Mittelfeldspielern sowie drei Stürmern. Die zwei defensiven und die zwei offensiven Mittelfeldspieler bilden dabei die Mitte der beiden Buchstaben, während Abwehr und Sturm die äußeren Spitzen setzen.
Entstehung durch die Abseitsreform 1925
Es entstand als Reaktion auf eine Änderung der Abseitsregel im Jahr 1925, die die Zahl der nötigen Gegenspieler zwischen Angreifer und Torlinie von drei auf zwei senkte. [1] Der englische Trainer Herbert Chapman vom FC Arsenal zog daraufhin seinen zentralen Mittelläufer in die Abwehr zurück und füllte die Lücke im Mittelfeld mit einem zurückgezogenen Angreifer. [2] So wurde aus dem alten 2-3-5, der sogenannten Pyramide, das neue 3-2-2-3.
Sehr offensiv für seine Zeit
Für seine Zeit war das WM-System sehr offensiv, weil es fünf klar nach vorne orientierte Spieler vorsah. [2] Es verband erstmals eine dreifache Absicherung hinten mit einer starken Präsenz im Angriff. Die Formation war so erfolgreich, dass bis Ende der 1930er Jahre die meisten englischen Vereine sie übernommen hatten. [2]
Die dominierende Formation
Über Jahrzehnte war das WM-System die dominierende Formation im Fußball. [1] Wie prägend es war, zeigt das Endspiel der Weltmeisterschaft 1954, in dem Sepp Herberger die deutsche Mannschaft im WM-System gegen Ungarn aufs Feld schickte und den Titel gewann. [1] Damit ist das System eng mit einem der größten Erfolge der deutschen Fußballgeschichte verbunden.
Die Ablösung
Ab den fünfziger und sechziger Jahren wurde das WM-System von defensiveren und flexibleren Systemen abgelöst, ausgelöst unter anderem durch den ungarischen Wembley-Sieg von 1953. [3] Der Schweizer Riegel mit einem freien Verteidiger, dem Libero, und später die ballorientierte Viererkette, wie sie Brasilien bei der Weltmeisterschaft 1958 vorführte, machten das WM-System schließlich zum historischen Modell. [4]
Bedeutung für die Taktikgeschichte
Für das Verständnis der Taktikgeschichte ist das WM-System dennoch von großer Bedeutung, weil es den Übergang zu klar geordneten, durchdachten Formationen markiert und beispielhaft zeigt, wie eng Regeländerungen und taktische Entwicklung zusammenhängen. [2] Selbst moderne Trainer wie Pep Guardiola oder Thomas Tuchel greifen in Ballbesitzphasen auf aktualisierte Versionen dieser Grundidee zurück. [2] Ansonsten begegnet man dem WM-System heute vor allem in Rückblicken auf die Anfänge des modernen Fußballs.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Mr. Chapman, der Erfinder von fast allem SPOX
- The W-M formation: football tactics explained Coaches' Voice
- Taktik-Geschichte: Vom 1-0-9 zum 4-4-2 news.de
- Historie der Viererkette Fussballtraining (Martin Hasenpflug)
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