Wembley-Tor (1966)
Auch: Wembley-Tor · WM-Finale 1966
Das bis heute umstrittene Tor im WM-Finale 1966, bei dem unklar blieb, ob der Ball hinter der Linie war.
Das Wembley-Tor ist einer der berühmtesten und umstrittensten Treffer der Fußballgeschichte und fiel im WM-Finale 1966 zwischen England und Deutschland im Londoner Wembley-Stadion. [1] Bis heute ist unklar, ob der Ball die Torlinie wirklich mit vollem Umfang überschritten hatte. Es bleibt eine der legendärsten Szenen der WM-Geschichte.
Das Finale
Das Endspiel am 30. Juli 1966 war hart umkämpft und stand nach der regulären Spielzeit 2:2, nachdem Wolfgang Weber für Deutschland spät ausgeglichen hatte. [2] Damit ging die Partie in die Verlängerung, in der die entscheidende und bis heute diskutierte Szene folgte. [2] Für Deutschland war es das erste WM-Finale seit dem Titel von 1954. [2] Beide Mannschaften kämpften vor rund hunderttausend Zuschauern um den Weltmeistertitel. [1]
Der strittige Treffer
In der 101. Minute der Verlängerung schoss der Engländer Geoff Hurst den Ball aus kurzer Distanz an die Unterkante der Latte. [1] Von dort sprang der Ball senkrecht nach unten auf oder hinter die Torlinie und kam wieder ins Feld zurück, wo ihn ein deutscher Spieler klärte. [3] In diesem Augenblick war für niemanden mit bloßem Auge sicher zu erkennen, ob der Ball vollständig hinter der Linie gewesen war. [1] Genau diese Ungewissheit macht das Wembley-Tor bis heute so berühmt. [1]
Die Entscheidung
Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst war sich zunächst unsicher und dachte an einen Eckball. [3] Erst nach Rücksprache mit seinem sowjetischen Linienrichter Tofiq Bahramov zeigte er zur Mitte und erkannte auf Tor, wodurch England mit 3:2 in Führung ging. [3] Die deutschen Spieler protestierten heftig, doch die Entscheidung blieb bestehen. [1] Damit fiel eine der folgenreichsten Schiedsrichterentscheidungen der WM-Geschichte. [1]
Das Sprachproblem
Kurios ist, wie diese Entscheidung zustande kam, denn zwischen Schiedsrichter und Assistent bestand eine Sprachbarriere. [4] Dienst wollte sich auf Englisch erkundigen, doch Bahramov beherrschte nur Russisch und Türkisch, sodass eine echte Verständigung kaum möglich war. [4] Bahramov gab später zu, den Ball selbst nicht genau gesehen und sich vor allem an den Gesten der Spieler orientiert zu haben. [4] Ein Nicken des Linienrichters entschied so womöglich ein Weltmeisterschaftsfinale. [4]
War der Ball drin?
Bis heute ist umstritten, ob der Ball tatsächlich vollständig im Tor war. [3] Eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Oxford aus den neunziger Jahren kam zu dem Schluss, dass der Ball die Linie höchstwahrscheinlich nicht ganz überschritten hatte. [3] Dienst selbst blieb zeitlebens unsicher und sagte einmal, er werde es nicht einmal wissen, wenn man ihn in hundert Jahren wieder ausgrabe. [3] Eine endgültige Gewissheit gibt es deshalb bis heute nicht. [4]
England wird Weltmeister
In der 120. Minute erzielte Hurst das 4:2 und vollendete damit als bislang einziger Spieler einen Dreierpack in einem WM-Finale. [1] England gewann so seinen bis heute einzigen Weltmeistertitel, während in Deutschland die Diskussion über das vermeintliche Phantomtor nie ganz verstummte. [1] Die deutsche Mannschaft wurde trotz der Niederlage zu Hause wie ein Sieger empfangen. [2] Der Streit um das dritte Tor überschattete den englischen Triumph dennoch von Anfang an. [1]
Ein Begriff und ein Anstoß
Das Ereignis steht sinnbildlich für die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung an der Torlinie. [3] Seither wird in Deutschland jeder strittige Treffer, bei dem ein Ball von der Latte auf die Linie springt, als Wembley-Tor bezeichnet. [3] Zugleich war die Szene eines der prominentesten Beispiele, die viele Jahre später die Einführung der Torlinientechnik im Jahr 2014 begründeten. [3] So wurde aus einem einzelnen Zweifel ein dauerhafter Anstoß für den technischen Fortschritt im Fußball. [3]
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- England's Ghost Goal in the 1966 Final: The Geoff Hurst Strike beIN Sports
- WM 1966: Das Wembley-Tor Deutscher Fußball-Bund
- Wembley-Tor 1966: Das umstrittenste WM-Tor überhaupt SRF
- WM-Rückblick 1966: Wembley-Tor, Schiri verstand seinen Assistenten nicht t-online
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