Statistik & Datenanalyse

Torschüsse

Auch: Schüsse · Schüsse aufs Tor · Torschussstatistik

Die Zahl der Torschüsse einer Mannschaft, oft unterteilt in Schüsse aufs Tor und daneben.

Torschüsse zählen zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Kennzahlen des Fußballs. Sie geben schlicht an, wie oft eine Mannschaft oder ein einzelner Spieler den Abschluss aufs gegnerische Tor gesucht hat. Weil Tore selten fallen, im Schnitt fallen nur rund zweieinhalb bis drei pro Partie, während 25 bis 30 Schüsse pro Spiel abgegeben werden, liefern Torschüsse eine deutlich größere Datenmenge und damit einen ersten, leicht verständlichen Anhaltspunkt für die Offensivaktivität einer Elf [2]. Kaum eine Statistiktafel im Fernsehen oder in der Zeitung kommt ohne diese Zahl aus.

Schüsse gesamt und Schüsse aufs Tor

In der Praxis wird die Kennzahl fast immer unterteilt. Die Schüsse gesamt umfassen jeden Abschlussversuch, egal ob er das Tor verfehlt, geblockt wird oder ankommt. Die Schüsse aufs Tor, im Englischen Shots on Target, zählen nur jene Abschlüsse, die ohne fremde Ablenkung im Tor gelandet wären, also entweder ein Tor bedeuteten oder vom Torhüter pariert werden mussten. Der Anteil der Schüsse aufs Tor an allen Abschlüssen beschreibt somit die Zielgenauigkeit einer Mannschaft und trennt zielstrebige Offensiven von solchen, die viel und wild abschließen [2].

Wie Torschüsse erfasst werden

Erfasst werden Torschüsse von Datendienstleistern, die jede Partie Aktion für Aktion verschlagworten. Jeder Abschluss bekommt Ort, Zeitpunkt und Ausgang zugewiesen. Aus diesen Rohdaten entstehen die Übersichten, die etwa in den Bundesliga Match Facts aufbereitet werden, wo neben der reinen Anzahl auch die Schusseffizienz und die gefährlichsten Abschlusszonen ausgewiesen werden [3]. Weil die Erhebung klar definiert ist, lassen sich Torschüsse über Spiele, Saisons und Ligen hinweg gut vergleichen.

Was hohe Schusszahlen aussagen

Eine hohe Zahl an Torschüssen deutet grundsätzlich auf Druck und ein häufiges Suchen des Abschlusses hin. Wer über viele Spiele hinweg regelmäßig zweistellig abschließt und dabei einen guten Teil aufs Tor bringt, zeigt in der Regel eine funktionierende Offensive. Über eine ganze Saison betrachtet korreliert eine stabile Abschlusshäufigkeit oft mit Tabellenplatz und Torgefahr, weshalb Trainer und Analysten die Zahl als Verlaufsindikator im Blick behalten.

Warum die Menge allein wenig sagt

Allerdings ist nicht jeder Schuss gleich viel wert. Zwanzig Distanzschüsse aus spitzem Winkel können weniger einbringen als fünf gute Gelegenheiten aus dem Strafraum. Eine Analyse des Hamburger SV zeigte etwa, dass 47 Prozent der Abschlüsse aus Positionen mit unter fünf Prozent Torwahrscheinlichkeit kamen, deutlich über dem Ligaschnitt von 34 Prozent, während nur 13 Prozent Großchancen waren [1]. Die reine Menge verschleiert also die Chancenqualität und kann eine schwache Offensive fleißig wirken lassen.

Ergänzung durch Expected Goals

Aus diesem Grund werden Torschüsse heute meist mit den Expected Goals ergänzt. Dieses Modell weist jedem Abschluss eine Torwahrscheinlichkeit zwischen null und eins zu und berücksichtigt dabei Entfernung und Winkel zum Tor, das genutzte Körperteil, den Verteidigungsdruck und die vorangegangene Aktion [4]. So wird aus der Frage, wie oft geschossen wurde, die aussagekräftigere Frage, wie gut die Abschlüsse waren. Zusammen mit der Schussgenauigkeit, also dem Anteil aufs Tor, ergibt sich ein rundes Bild der Offensivleistung.

Verwandte Kennzahlen

Rund um die Torschüsse hat sich ein ganzes Feld verwandter Kennzahlen gebildet. Die Chancenverwertung setzt erzielte Tore ins Verhältnis zu den Abschlüssen und misst die Kaltschnäuzigkeit. Der Flachschuss- oder Kopfballanteil beschreibt die Art der Abschlüsse, und auf Seiten der Abwehr bewerten Werte wie xSaves die Schwierigkeit der zugelassenen Schüsse [3]. Diese Kennzahlen bauen alle auf der Grundinformation auf, wer wann von wo abgeschlossen hat.

Ausgangspunkt der Offensivanalyse

Damit bleiben Torschüsse trotz ihrer Grenzen der natürliche Ausgangspunkt jeder Offensivanalyse. Sie sind einfach zu verstehen, breit verfügbar und liefern die Basisdaten, auf denen die feineren Modelle aufsetzen [1]. Wer die Zahl der Abschlüsse gemeinsam mit ihrem Anteil aufs Tor und ihrer Qualität liest, versteht rasch, ob eine Mannschaft nur viel schießt oder wirklich gefährlich ist [4].

Auf einen Blick

Unterteilung
Schüsse gesamt und aufs Tor
Warnung
Menge sagt wenig über Qualität
Ergänzung
Expected Goals

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Alarmierende statistische Kennwerte Spielverlagerung.de
  2. Was sind erwartete Tore (xG)? Hudl
  3. Bundesliga Match Facts: Einblicke in das Spielgeschehen DFL Deutsche Fußball Liga
  4. Wie wird der Wert für Expected Goals im Fußball berechnet Soccerdrills.de

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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