PPDA
Auch: Passes per Defensive Action · Pressingintensität
Eine Kennzahl für die Pressingintensität, die angibt, wie viele gegnerische Pässe eine Mannschaft je eigener Abwehraktion zulässt.
PPDA ist eine Kennzahl der modernen Fußball-Datenanalyse, die die Intensität des Pressings in einer einzigen Zahl greifbar macht. Sie beschreibt, wie viele Pässe eine Mannschaft dem ballführenden Gegner zugesteht, bevor sie selbst mit einer Abwehraktion eingreift. Damit lässt sich der oft schwer fassbare Begriff der Pressingaggressivität objektiv vergleichen und über eine ganze Saison hinweg auswerten [1].
Wofür das Akronym steht
PPDA ist die Abkürzung für den englischen Ausdruck Passes per Defensive Action, auf Deutsch etwa Pässe je Abwehraktion. Der Name verrät bereits die Rechenlogik, denn man setzt die Zahl der gegnerischen Pässe ins Verhältnis zur Zahl der eigenen Verteidigungsaktionen. Als Abwehraktion zählen dabei Tacklings, abgefangene Bälle, Balleroberungen und Fouls. Je öfter eine Mannschaft auf diese Weise stört, desto kleiner wird der Wert. Die Kennzahl misst also nicht, wie viel ein Team insgesamt verteidigt, sondern wie früh und wie häufig es den Spielaufbau des Gegners unterbricht [1].
Wie der Wert berechnet wird
Für die Berechnung teilt man die Anzahl der zugelassenen gegnerischen Pässe durch die Summe aus Tacklings, Abfangaktionen und Fouls der verteidigenden Mannschaft. Entscheidend ist der betrachtete Feldbereich. Gewertet werden nur Situationen im vorderen Teil des Spielfelds, üblicherweise in den ersten 60 Prozent aus Sicht des verteidigenden Teams, also bis knapp in die gegnerische Hälfte. Der Grund liegt auf der Hand, denn Aktionen im eigenen Strafraum entstehen meist aus purer Not und sagen wenig über eine bewusste Pressingstrategie aus. So bleibt der Blick auf das Angriffs- und Mittelfeldpressing gerichtet [1].
Niedriger und hoher Wert im Vergleich
Die Deutung des Ergebnisses wirkt auf den ersten Blick gegenläufig. Ein niedriger PPDA steht für ein intensives, hohes Pressing, denn das Team greift bereits nach wenigen gegnerischen Pässen an und erobert den Ball früh zurück. Ein hoher Wert bedeutet das Gegenteil. Die Mannschaft lässt den Gegner viele Pässe spielen, zieht sich zurück und agiert abwartend aus einer tiefen Ordnung heraus. Werte im Bereich von etwa sechs bis acht gelten als sehr aggressiv, während Zahlen jenseits von zwölf für eine passive Grundhaltung sprechen [1].
Ein Blick auf die Praxis
Besonders niedrige Werte erreichen Mannschaften, die auf Gegenpressing und frühe Balleroberung setzen. In der Schweizer Super League drückte etwa Young Boys mit einem PPDA von rund 6,8 sehr früh auf den Gegner, während Sion mit etwa 12,4 deutlich zurückhaltender auftrat [1]. Auch auf Turnierebene zeigt sich dasselbe Muster. Bei der Europameisterschaft fiel Spanien durch einen besonders niedrigen PPDA-Wert und einen extrem hohen Ballbesitz auf, ein Sinnbild für kontrollierte Dominanz und konsequentes Nachsetzen nach Ballverlusten [3].
Aussagekraft und Grenzen
So griffig die Zahl auch wirkt, sie bleibt eine Näherung für die Pressingintensität und nicht für die Pressingqualität [4]. Sie verrät, wie früh ein Team stört, nicht aber, ob das Stören erfolgreich ist oder zu Balleroberungen in gefährlichen Zonen führt. Hinzu kommt, dass verschiedene Datenanbieter die Kennzahl leicht unterschiedlich definieren, etwa beim genauen Feldbereich. Vergleiche sind deshalb nur innerhalb desselben Systems wirklich seriös [4]. Und schließlich ist ein niedriger Wert kein Gütesiegel, denn hohes Pressing ist nicht in jeder Spielsituation die beste Wahl. Ein tief stehender Konterstil kann ebenso erfolgreich sein.
Verwandte Kennzahlen
PPDA steht nicht allein, sondern ergänzt ein ganzes Bündel an Metriken der Spielanalyse. Eng verwandt sind die Begriffe Pressing und Gegenpressing, die den taktischen Hintergrund liefern. Die Kennzahl Packing zählt, wie viele Gegenspieler ein Pass oder ein Dribbling überspielt, und misst so die Durchschlagskraft im Vorwärtsgang. Werte wie Expected Goals bewerten wiederum die Qualität von Torchancen. Erst im Zusammenspiel dieser Größen entsteht ein rundes Bild vom Stil einer Mannschaft, weshalb der PPDA selten isoliert betrachtet wird [4].
Die Vermessung des Verteidigungsverhaltens
Der eigentliche Verdienst des PPDA liegt darin, ein bis dahin nur gefühltes Merkmal in Daten zu übersetzen. Schon vor der breiten Nutzung des PPDA versuchten Analysten, die Pressingintensität etwa aus dem Verhältnis von Ballbesitz zu Passquote abzuleiten [2]. Der PPDA hat sich als anschaulichere Größe durchgesetzt und gehört heute zum festen Werkzeug von Trainern, Scouts und Datenjournalisten. Er erlaubt es, Spielstile über Ligen und Epochen hinweg zu vergleichen, und macht sichtbar, ob eine Mannschaft den Ball weit vorne erobern oder lieber tief in der eigenen Hälfte verteidigen will.
Auf einen Blick
Verwandte Begriffe
Quellen
- Analytics Metriken erklärt: p90, xG, xA, PPDA, PADJ, xGOT Footballytics
- Statistik: Pressingintensität Spielverlagerung.de
- Trends und Daten zur Vorrunde der EM DFB-Akademie
- Fußball-Statistiken verstehen: xG, PPDA, Packing und was diese Zahlen wirklich sagen Verein Viele
Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.