Regeln

Passives Abseits

Auch: nicht strafbares Abseits · passive Abseitsstellung

Eine Abseitsstellung, die nicht bestraft wird, weil der Spieler nicht aktiv ins Geschehen eingreift.

Abwehrliniepassiv

Passives Abseits ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine der wichtigsten Feinheiten der Abseitsregel, nämlich den Unterschied zwischen bloßem Stehen und strafbarem Handeln. Ein Spieler kann in einer Abseitsstellung stehen, ohne dass der Schiedsrichter eingreift, solange er nicht aktiv am Spiel teilnimmt und es dadurch beeinflusst. [1]

Die Abseitsstellung allein genügt nicht

Die Grundregel lautet, dass eine Abseitsstellung für sich genommen noch kein Vergehen ist. [2] Erst wenn der Spieler in dieser Position etwas tut, das den Verlauf des Spiels berührt, wird die Stellung strafbar. Deshalb dürfen Angreifer im Abseits durchaus auf dem Feld stehen, sie müssen nur vermeiden, in dieser Position ins Geschehen einzugreifen. Der entscheidende Bezugsmoment ist dabei stets der Augenblick, in dem ein Mitspieler den Ball zuletzt spielt.

Wann aus passiv aktiv wird

Das Regelwerk beschreibt drei Wege, auf denen aus einer passiven eine strafbare Stellung wird. Der Spieler spielt oder berührt den Ball, der ihm von einem Mitspieler zugespielt wurde. Er beeinflusst einen Gegner, indem er ihn daran hindert, den Ball zu spielen, etwa durch das Versperren der Laufwege oder der Sicht. Oder er zieht einen klaren Vorteil aus seiner Position. [1] Sobald einer dieser Fälle eintritt, ist das Abseits zu ahnden, und die verteidigende Mannschaft erhält einen indirekten Freistoß.

Sicht versperren und den Torwart stören

Besonders schwierig ist die Bewertung, wenn ein Angreifer den Ball zwar nicht berührt, aber dem Torwart im Weg steht. Versperrt er dem Torhüter eindeutig die Sicht auf den Ball oder greift er ihn an, um an den Ball zu kommen, gilt dies als Beeinflussung des Gegners und damit als strafbares Eingreifen. [3] Die bloße Anwesenheit reicht dafür nicht aus, der Spieler muss den Torwart wirklich behindern. Genau an dieser Grenze entstehen viele der langen Überprüfungen, weil sich Absicht und Wirkung einer Körperhaltung nur schwer objektiv fassen lassen.

Vorteil aus Abpraller und Abwehraktion

Ein häufiger Streitfall ist der Wechsel von passiv zu aktiv nach einem Abpraller. Steht ein Spieler zunächst passiv im Abseits und kommt dann nach einem Schuss an Pfosten, Latte oder Torwart an den Ball, wird aus der passiven eine aktive Stellung, weil es sich nicht um eine neue Spielsituation handelt. [1] Anders liegt der Fall, wenn ein Verteidiger den Ball bewusst und kontrolliert spielt, denn dann beginnt eine neue Situation und der zuvor abseits stehende Angreifer darf den Ball verwerten. [5]

Warum Angreifer den Ball ziehen lassen

Aus diesem Regelwerk ergibt sich ein taktisches Verhalten, das erfahrene Stürmer bewusst einsetzen. Wer in einer Abseitsstellung steht, lässt einen zu ihm rollenden Ball absichtlich passieren oder bleibt regungslos stehen, um nicht als aktiv eingreifend zu gelten und einen Mitspieler in regulärer Position zum Zug kommen zu lassen. [4] Für Zuschauer wirkt das oft merkwürdig, tatsächlich ist es die einzige Möglichkeit, den drohenden Abseitspfiff zu vermeiden.

Die schwierige Aufgabe der Unparteiischen

Für Schiedsrichter und Videoassistenten zählt die Beurteilung dieser Grauzone zu den anspruchsvollsten Aufgaben überhaupt, denn sie müssen Absicht und Wirkung einer Bewegung in Echtzeit einschätzen. [3] Der Videobeweis hat manche eindeutige Situation nachträglich geklärt, die Kernfrage nach dem Eingreifen bleibt jedoch eine Auslegungssache und sorgt regelmäßig für Diskussionen. In den Regelfragen der Schiedsrichter-Ausbildung tauchen genau solche Szenen immer wieder auf. [3]

Kein offizieller Begriff

Bemerkenswert ist, dass das offizielle Regelwerk den Ausdruck passiv gar nicht kennt. Es spricht schlicht davon, dass eine Abseitsstellung allein kein Vergehen ist, und nennt die Bedingungen, unter denen daraus ein strafbares Eingreifen wird. [2] Der bequeme Sprachgebrauch von aktivem und passivem Abseits hat sich dennoch in Medien und unter Fans durchgesetzt, weil er den Kern des Unterschieds anschaulich auf den Punkt bringt.

Auf einen Blick

strafbar
nein, solange kein Eingreifen
wird aktiv bei
Ballkontakt, Behinderung, Vorteil

Verwandte Begriffe

Quellen

  1. Abseits im Fußball einfach erklärt Bundesliga
  2. Was ist Abseits? Die Abseitsregel in der Definition Goal.com
  3. Regelfragen und Antworten aus der DFB-Schiedsrichter-Zeitung 5/2025 Südbadischer Fußballverband
  4. Regelkunde: Was ist Abseits? ran
  5. Abseitsregel im Fußball schnell und einfach erklärt owayo Magazin

Alle Texte sind eigenständig formuliert. Die Quellen dienen der Verifikation und dem Weiterlesen.

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